Skatetool von Titus Schnelltest

Mit dem Titus-Werkzeug lassen sich die Rollen am Skateboard festschrauben.

Mit einem Skatetool wechselt der Skateboardfahrer die Rollen an seinem Brett. Es kann ein prima Geschenk sein, das viel Freude macht. Doch beim Tool der Firma Titus ist das nicht der Fall: Der Schnelltest zeigt, dass es gefährliche Schadstoffe enthält.

Skatetool zum Wechseln der Rollen

Für Skater ist Eberhard „Titus“ Dittmann aus Münster der Vater der Skateboard-Szene. Titus machte den Sport Anfang der 80er Jahre in Deutschland populär und verkauft Bretter und Zubehör in ganz Europa. Das wusste auch Roland Becker*, der im Berliner Titus-Laden als Weihnachtsgeschenk ein Skatetool für 9,99 Euro gekauft hatte. Damit der Sohn die Rollen an seinem Skateboard besser festschrauben und wechseln kann, kam es zum Weihnachtsfest bei Beckers unter den Baum. Beim Öffnen der Verpackung wich bei Vater und Sohn allerdings die Festfreude.

Gefährlicher Schadstoff-Cocktail

Beim Aufreißen der Verpackung kam ihnen ein beißender Geruch entgegen. Das neue Tool stank nach Teer und verbranntem Gummi. Vater Becker informierte die Stiftung Warentest – und die Tester wurden im Labor schnell fündig. Sie stellten fest: Das Skatetool von Titus aus Stahl und PVC steckt voller Schadstoffe. Es enthält einen gefährlichen Cocktail aus Weichmachern (Phthalate) und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK). Besonders kritisch bewerten die Tester die hohen Gehalte an Diethylhexylphthalat (DEHP) mit 42 000 Milligramm pro Kilogramm, Diisobutylphthalat (DIBP) mit 5 500 Milligramm pro Kilogramm und PAK mit etwa 12 Milligramm pro Kilogramm.

Aufnahme der Schadstoffe über die Haut

Wäre das Skatetool von Titus ein Spielzeug, dann wäre der Fall klar: Das Tool dürfte dann auf keinen Fall verkauft werden. PAK und Phthalate werden über die Haut aufgenommen. Viele gelten als fortpflanzungsschädigend und erbgutverändernd, einige PAK auch als Krebs erzeugend. In Spielzeugen sind Weichmacher wie das DEHP deshalb verboten und auch PAK sollten nicht enthalten sein. Auch Werkzeuge sollten eigentlich frei von solchen Stoffen sein – besonders natürlich dann, wenn vor allem Kinder und Jugendliche damit werkeln und das Werkzeug längere Zeit in der Hand halten. Denn über das Hautfett können die Schadstoffe in den Körper gelangen. Das geschieht besonders schnell beim Schwitzen.

Gekaufte Tools zurückgeben

Zwar besteht zumindest keine akute Gesundheitsgefahr durch das Skatetool von Titus. Aber aus Vorsorgegründen sollten Skater das Teil trotzdem nicht mehr benutzen. Kinder sind besonders empfindlich. Wenn Sie das Werkzeug im Online-Shop von Titus gekauft haben, können Sie es problemlos zurückschicken. Hier gewährt Titus ein Rückgaberecht von 365 Tagen ohne Angabe von Gründen. Wenn Sie das Tool im Laden gekauft haben, gilt dieses Rückgaberecht nicht. Hier sollten Sie Titus um eine Rücknahme aus Kulanz bitten und darauf hinweisen, dass ein derart belastetes Tool von Juristen möglicherweise als mangelhaft bewertet werden könnte. Dann hätten Kunden zum Beispiel das Recht, ein neues, unbelastetes Skatetool zu verlangen.

* Name von der Redaktion geändert

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