Interview: Provision zurück

Skandalöse Provisionen bei Fonds Test

Banken müssen ihren Kunden Bestands­provisionen zurück­geben. Das fordert Dorothea Mohn, Leiterin des Teams Finanzen beim Verbraucherzentrale Bundes­verband (vzbv).

Sie sagen, Bestands­provisionen stehen dem Kunden zu. Warum?

Mohn: Das Bürgerliche Gesetz­buch enthält in den Paragrafen 675, Absatz 1, und 667, Fall 2, eindeutige Formulierungen. Auch das Handels­gesetz­buch stützt im Paragrafen 384, Absatz 2, Halb­satz 2, Fall 2, unsere Rechts­auffassung. Hintergrund dieser juristischen Sicht­weise ist, dass Provisionen einen Interes­senkonflikt erzeugen. Der Berater sollte allein im Interesse des Kunden arbeiten und keinen sons­tigen Anreizen Dritter ausgesetzt sein.

Warum regt sich erst jetzt Widerstand gegen die seit vielen Jahren üblichen Provisions­zahlungen?

Mohn: Der Widerstand ist in der Tat geringer, als er sein müsste. Das liegt zum einen an der fehlenden Preisklarheit. Anleger erhalten keine klaren Informationen und schon gar keine Abrechnung über gezahlte Provisionen.

Hinzu kommt, dass die Heraus­gabepflicht zwar über­wiegend bejaht wird, aber noch keine Entscheidung des Bundes­gerichts­hofs vorliegt. Viele Anleger sind erst aufmerk­sam geworden, als einige Sparkassen neue Bedingungen für Wert­papier­geschäfte einge­führt haben. Die Methode, eine Verzichts­erklärung ohne Unter­schrift des Kunden durch­zusetzen, sehe ich außer­ordentlich kritisch.

Müssen Banken ihren Kunden die genaue Höhe der Provision sagen?

Mohn: Laut Wert­papier­handels­gesetz sind die Verkäufer dazu verpflichtet, alle Fakten offen­zulegen, die für den Kunden beim Kauf eines Investmentfonds von Bedeutung sind. Dazu gehört auch die exakte Höhe der Provision. Nur so kann sich der Kunde ein Bild davon machen, wie er das Angebot des Beraters einzuordnen hat.

Wie stehen Sie zur Honorarberatung als Alternative zur heutigen Praxis?

Mohn: Wir fordern ein gesetzliches Verbot von Provisionen und die Umstellung auf Honorarberatung. Allerdings müsste das durch einige Maßnahmen flankiert werden. Zum Beispiel wäre es erforderlich, bestimmte Mindest­stan­dards für die berufliche Qualifikation der Berater fest­zulegen. Auch eine Kontrolle der Beratungs­praxis halten wir für unver­zicht­bar. Unter diesen Voraus­setzungen wäre die Honorarberatung eine Verbesserung gegen­über der heutigen Situation.

Dieser Artikel ist hilfreich. 50 Nutzer finden das hilfreich.