Kostenfallen bei Singlebörsen Parship und Elite­partner kündigen

Kostenfallen bei Singlebörsen - Parship und Elite­partner kündigen
Preise. Für Kunden von Parship oder Elite­partner, die die Kündigung vergessen, wird es teuer. © plainpicture / Thordis Rüggeberg

Wer bei Parship oder Elite­partner die Kündigung vergisst, soll für eine zweite Lauf­zeit zahlen. Dating-Portale locken mit Probe-Abos in die Falle. So wehren sich Kunden.

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Das Wichtigste in Kürze

Das Wichtigste in Kürze

Auto­matische Vertrags­verlängerung.
Die Kündigungs­regeln von Parship und Elite­partner sind streng. Ein 6-Monats-Premium-Paket etwa, das der Kunde nicht recht­zeitig kündigt, verlängert sich auto­matisch um zwölf Monate – zu sehr hohen Preisen. Diese Praxis des Hamburger Unternehmen PE Digital GmbH, Betreibers der beiden Singlebörsen, hat das Amts­gericht Hamburg schon mehr­fach für unzu­lässig erklärt.
Kündigungs­regeln unwirk­sam.
Wer zu spät gekündigt hat und nun von Parship bzw. Elite­partner zur Zahlung für eine zweite Vertrags­lauf­zeit aufgefordert wird, muss nach Ansicht vieler Richter des Amts­gerichts Hamburg nicht zahlen, da die Kündigungs­regeln der Singlebörsen unwirk­sam sind. Recht­lich ist also keine auto­matische Vertrags­verlängerung erfolgt. Für Personen, die schon für die zweite Vertrags­lauf­zeit bezahlt haben, bedeutet das: Sie können das Gezahlte zurück­fodern.
So gehen Betroffene vor:
Wer noch nicht gezahlt hat, sollte dem Anbieter per E-Mail und unter der Angabe von Urteilen des Amts­gerichts Hamburgs (siehe unten) mitteilen, dass er nicht zahlen wird. Schickt der Singelbörsen-Betreiber einen gericht­lichen Mahn­bescheid, sollten Kunden schnells­tens mit einem Anwalt aus unserer Anwaltliste Kontakt aufnehmen. Wer schon für die zweite Vertrags­lauf­zeit gezahlt hat, schreibt den Betreiber zunächst ohne anwalt­liche Hilfe unter Angabe der Urteile an und fordert sein Geld inner­halb einer Frist von zwei Wochen zurück. Kommt das Geld nicht frist­gemäß, sollte der Kunden sich an einen Anwalt aus der Anwalts­liste wenden. Die entstandenen Anwalts­kosten trägt am Ende der Verlierer der recht­lichen Auseinander­setzung, in der Regel also die PE Digital GmbH als Betreiber von Parship und Elite­partner.
Abofalle beim Sexdating.
Wer bei einem Sexdating-Portal ein güns­tiges Test-Abo abge­schlossen hat, das nach Ablauf der Test­zeit ohne vorherigen deutlichen Hinweis auto­matisch in ein teures Abo überge­gangen ist, muss in vielen Fällen ebenfalls nicht zahlen. Viele Verträge der Sexdating-Portale sind recht­lich angreif­bar. Wer schon per Bank­last­schrift gezahlt hat, sollte die Zahlung bei seiner Bank rück­gängig machen. Das geht ohne Angabe von gründen acht Wochen lang ab Abbuchung.

Kostenfalle 1: Kündigungs­frist bei Parship und Elite­partner

Bei Online-Partner­ver­mitt­lern wie Parship tappen Kunden immer wieder in die Kündigungs­falle. Die Verträge dort sehen vor, dass sich die Mitgliedschaft auto­matisch um zwölf Monate verlängert, wenn der Kunde nicht spätestens drei Monate vor Ende der Vertrags­lauf­zeit kündigt. Kommt die Kündigung zu spät, wird es richtig teuer.

Beispiel Auto­matische Vertrags­verlängerung. Derzeit kosten die ersten zwölf Monate Parship 359,40 Euro (Stand: 1. Juli 2021). Für das zweite Vertrags­jahr will die Singlebörse schon 838,80 Euro. Zuständig für Klagen von Kunden gegen das Portal ist in der Regel das Amts­gericht Hamburg. Die meisten Richter dort sehen die Kombination aus der langen Kündigungs­frist und der auto­matischen Vertrags­verlängerung als unwirk­sam an.

Urteile gegen Parship/Elite­partner. So erklärte das Gericht etwa im Dezember 2018 die Verlängerungs­klausel für unwirk­sam, da sie Verbraucher unan­gemessen benach­teilige (Az. 20a C 281/18). Im gleichen Sinn entschied es in Januar 2019 (Az. 32 C 102/18) und etwa im Juli 2021 (Az. 17a C 116/21). Die Folge aus diesen Urteilen: Wer zu spät gekündigt oder die Kündigung einfach verschlafen hat, muss also dennoch nicht für das zweite Vertrags­jahr zahlen. Außerdem hat die Singlebörse die Gerichts- und Anwalts­kosten des Kunden zu über­nehmen.

So gehen Betroffene am besten vor. Wer nach seiner von Parship als verspätet abge­lehnten Kündigung schon für die zweite Vertrags­lauf­zeit bezahlt hat, kann sich das Geld zurück­holen. Erster Schritt: Parship bzw. Elite­partner per E-Mail anschreiben und Erstattung inner­halb von zwei Wochen verlangen. Wer auf diese Weise das Geld noch nicht wiederbe­kommt, kann sich einen Anwalt nehmen, den am Ende eines erfolg­reichen Gerichts­verfahrens die Gegen­seite zu bezahlen hat. Wer noch nicht für die zweite Vertrags­lauf­zeit über­wiesen hat, aber von Parship dazu aufgefordert wird, sollte die Zahlung unter Berufung auf die genannten Urteile verweigern und sich einen Anwalt nehmen, sobald er einen gericht­lichen Mahn­bescheid erhält. Die Stiftung Warentest empfiehlt, sich einen Anwalt aus der unten stehenden Anwaltsliste zu nehmen.

Verbraucherschützer klagen gegen Parship

Der Verbraucherzentrale Bundes­verband (vzbv) kämpft mit einer Muster­fest­stellungs­klage vor dem Ober­landes­gericht Hamburg dafür, dass Parship-Kunden ihre Verträge beenden können. Betroffene können sich der Klage in wenigen Wochen anschließen, sobald das Klage­register eröffnet ist. Die Teil­nahme ist kostenlos. Schon jetzt können sie prüfen, ob der eigene Fall für die Klage geeignet ist: Der vzbv stellt im Internet unter musterfeststellungsklagen.de/parship einen Klage-Check bereit.

Kostenfalle 2: Wert­ersatz nach Widerruf

Viele Verbraucher kennen das 14-tägige Widerrufs­recht vom Onlineshopping. Dieses Widerrufs­recht gilt auch, wenn ein Partner­ver­mitt­lungs­vertrag wie bei Parship oder Elite­partner online abge­schlossen wird. Sucht der Kunde inner­halb der Frist nach Kontakten und widerruft den Vertrag dann, muss er für die Nutzung bis zum Widerruf zwar „Wert­ersatz“ zahlen. Aber oft nur wenige Cents oder geringe Euro-Beträge.

BGH-Urteil zu Parship. Früher haben Parship und Elite­partner von Kunden für die Nutzung der Singlebörsen bis zur Widerrufs­erklärung sehr viel höhere Summen verlangt. In einem Fall, den schließ­lich der Bundes­gerichts­hof (BGH) zugunsten einer Kundin entschieden hat, hatte Parship von einer Frau rechts­widrig rund 200 Euro für eine zwei­tägige Part­nersuche verlangt (Az. III ZR 125/19). Die Richter entschieden, dass der Wert­ersatz bei Parship „zeit­anteilig“ zu berechnen ist – nach Gesamt­preis, Gesamt­lauf­zeit und Nutzung bis zum Widerruf. Das gilt auch für Kunden von Elite­partner. Im BGH-Fall hatte eine Parship-Kundin einen Zwölf­monats­vertrag zum Preis von 265,68 Euro abge­schlossen. Auf einen Tag Parship-Nutzung entfielen also rund 73 Cent. Da die Kundin die Singlebörse bis zum Widerruf zwei Tage lang genutzt hatte, musste sie also nur 1,46 Euro als Wert­ersatz zahlen.

BGH-Urteil zur Partner­ver­mitt­lung „Glück für zwei GmbH“. Bei anderen Partner­ver­mitt­lungen kann es sein, dass der Wert­ersatz anders berechnet wird. Das zeigt die BGH-Entscheidung zur Koblenzer Partner­ver­mitt­lung „Glück für zwei GmbH“. Eine 76-jährige Frau hatte dort einen Vertrag zum Preis von 8 330 Euro abge­schlossen. Vereinbart war, dass der Partr­nerv­ermittler der Kundin inner­halb von zwölf Monaten 21 Part­nerv­orschläge macht. Ein Part­nerv­orschlag war also rund 397 Euro „wert“. Da die Frau bis ihrem Widerruf des Vertrages – eine Woche nach Vertrags­schluss – drei Part­nerv­orschläge erhalten hatte, musste sie 1 191 Euro Wert­ersatz (Az. III ZR 169/20).

In der Vergangenheit zuviel gezahlten Wert­ersatz zurück­holen. Wer schon einmal Kunde einer Partner­ver­mitt­lung war und erst jetzt fest­stellt, dass er damals zu viel Wert­ersatz gezahlt hat, kann sich das zu viel Gezahlte zurück­holen. Die Erstattungs­ansprüche verjähren erst drei Jahre nach Ablauf des Jahres, in dem der Widerruf erfolgt war. Wer also zum Beispiel 2019 widerrufen hatte, kann noch bis Ende 2022 eine Rück­erstattung verlangen. Um die Rück­erstattung durch­zusetzen, können sich Kunden etwa an einen der in Anwaltsliste genannten Anwälte wenden. Damit sie nicht auf den Anwalts­kosten sitzen bleiben, sollte sie aber folgende zeitliche Abfolge beachten:

  • Zunächst müssen sie das Partner­ver­mitt­lungs­unternehmen selbst anschreiben und zur Erstattung des zu viel verlangten Wert­ersatzes auffordern – am besten per Einschreiben mit Rück­schein.
  • Erst wenn das Unternehmen auf dieses Schreiben ablehnend oder gar nicht reagiert, sollte der Kunde einen Anwalt einschalten. Die ab dann entstehenden außerge­richt­lich entstehenden Anwalts­kosten sind recht­lich sogenannte Verzugs­kosten und von dem Betreiber der Singlebörse zu erstatten, wenn der Verbraucher seine Klage gewinnt.
  • Gut zu wissen: Selbst Kunden ohne Rechts­schutz­versicherung haben im Erfolgs­fall also keine Rest­kosten zu tragen (zum Vergleich Rechtsschutzversicherung der Stiftung Warentest).

Kostenfalle 3: Lock­angebote bei Datingportalen

Eine teure Nummer kann der Besuch eines Sex-Dating-Portals wie Gelegen­heitssex.com werden. Geworben wird dort oft mit einer Gratis-Anmeldung. Fotos ansehen kann aber nur, wer eine teure Mitgliedschaft abschließt. Preis für drei Monate: rund 90 Euro. Die Masche: Die Mitgliedschaft verlängert sich auto­matisch um die gewählte Abo-Lauf­zeit. Der Hinweis darauf steht – leicht zu über­sehen – im Klein­gedruckten. Wer also nicht recht­zeitig vor Vertrags­ende kündigt, soll weitere 90 Euro zahlen. Wer in eine Abofalle getappt ist, sollte die Forderung per Einschreiben an den Betreiber bestreiten, den angeblich geschlossenen Vertrag widerrufen, anfechten und kündigen. Ist schon eine Konto­belastung per Last­schrift erfolgt, sollten Betroffene diese rück­gängig machen. Das geht ohne Angabe von Gründen acht Wochen lang ab Abbuchung. Lässt sich das Geld nicht mehr zurück­holen, sollte der Kunde Erstattung inner­halb von zwei Wochen fordern. Kommt das Geld nicht, bleibt der Gang zum Anwalt. Viele Verträge der Dating-­Portale sind recht­lich angreif­bar.

Diese Anwälte können helfen

Rechts­anwalts­liste

test.de nennt Rechts­anwälte, die Verbrauchern im Streit mit den Singlebörsen Parship oder Elite­partner bereits erfolg­reich helfen konnten:

Thomas Rader, Bonn
Thomas Meier-Bading, Berlin
Kanzlei Bruckner & von Willmann, Herrenberg - Gültstein (nahe Tübingen)
Andreas Huettl, Leipzig
Matthias Bartel, Wiesbaden
Alexander Hufschmid, Germering (nahe München)
Jürgen Niebling, Olching (nahe München)
Astrid Müller-Katzenburg, Berlin
Sven M. Kockel, Timmendorfer Strand (nahe Lübeck)
Dragisa Andjelkovic, Stuttgart
Jörg Schaller, Köln

Anwälte, die in die Liste aufgenommen werden möchten und einen Erfolg gegen Parship oder Elite­partner nach­weisen können, melden sich bitte per Mail an die Adresse m.sittig@stiftung-warentest.de.

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44 Kommentare Diskutieren Sie mit

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Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Gabriel88 am 05.07.2021 um 20:08 Uhr
Ungewollte Vertragsverlängerung

Guten Tag, ich habe am 24.06.2018 einen 1 Jahresvertrag bei Parship abgeschlossen. Ich habe allerdings übersehen das es sich hierbei um ein Jährliches Abo handelt. Nun hab ich erst heute gemerkt, dass mir 2019, 2020, und jetzt auch am 01.07.2021 jeweils 478,80€ abgebucht wurden.
Die letzte Aktivität im Account war am 12.02.2019.
Nun weis ich nicht wie ich vorgehen soll. Habe ich in irgend einer Weise eine Chance das Geld für die 3 Jahre zurück zu bekommen? Zumindestens für 2021? Sollte ich am besten sofort einen Anwalt kontaktieren?
Kann ich als Österreicher auch einen Anwalt aus der oben genannten Liste wählen?
Viel Dank schon mal im Voraus für Ihre Hilfe!
Gabriel

Profilbild Stiftung_Warentest am 23.04.2021 um 15:53 Uhr
Gerichtsstand

@Ronberg: Dies ist nicht der Ort für die Entwicklung einer prozesstaktischen Strategie. Zur Prüfung der Aussichten einer Feststellungsklage wenden Sie sich bitte an ihre Rechtsanwaltskanzlei. (maa)

Ronberg am 21.04.2021 um 11:10 Uhr
Gerichtsstand

Ich habe bei Elite entsprechend Ihrer Empfehlung unter Berufung auf § 627 BGB fristlos gekündigt, da ich die Kündigungsfrist versäumt hatte, um eine Verlängerung um ein weiteres Jahr zu vermeiden, zudem hilfsweise zum Ablauf des 1. Vertragsjahres..
Ich habe jetzt nur die Frage: Wenn PE Digital GmbH jetzt die Kündigung nicht akzeptiert, dann können sie mich doch an meinem allgemeinen Gerichtsstand verklagen, und ob das AG an meinem Wohnsitz dieselbe Meinung vertritt wie das AG Hamburg, ist ja nicht zwingend. Wäre es dann nicht sinnvoll, sobald PE Digital GmbH die Kündig ablehnt, eine negative Feststellungsklage beim AG Hamburg einzulegen, deren Rechtsprechung scheint ja gefestigt zu sein?

310driver am 28.03.2021 um 21:18 Uhr
Erfahrungen mit c-date

Ähnliches bei c-date (premium Abo mit Widerruf nach 1 Tag Nutzung):
C-date erklärte den Widerruf zunächst für ungültig, da er von einer nicht registrierten eMail-Adresse erfolgt sei; nachdem ich dann die registrierte Adresse als Absender verwendet habe, wurde der Widerruf akzeptiert mit einer Foderung nach Wertersatz i.H.v. € 29,90, wobei die Höhe der Forderung unbegründet blieb. Meinerseits habe ich ein auf Nutzungstagen basierendes Gegenangebot zum Wertersatz unterbreitet, welches bei 3 Tagen und dem zugrundeliegenden Monatsabo 3/30 von € 69,96, also € 6,99 betrug. C-date bestand jedoch weiterhin auf der unbegründeten Forderung von € 29,95 und buchte dann sogar den Gesamtbetrag von € 69,96 ab. Daraufhin führte meine Fristsetzung von 1 Woche mit Ankündigung rechtlicher Schritte zu einer reduzierten Forderung i.H.v. € 9,- seitens c-date. Dieses Angebot habe ich akzeptiert und entsprechend € 60,06 fristgerecht zurück erhalten.

Profilbild Stiftung_Warentest am 06.10.2020 um 20:00 Uhr
Ungewollte Vertragsverlängerung Parship

@Wolke567: Im Artikel sind unter der Zwischenüberschrift "Ungewollte Vertrags­verlängerung unwirksam" Urteile genannt, nach denen die von Ihnen beschriebene Vertragsverlängerung unwirksam ist. Sehr wahrscheinlich werden Sie aber nicht ohne anwaltliche Hilfe aus dem Vertrag (also aus der Zahlungsverpflichtung) herauskommen. Sie können sich zum Beispiel an einen der in der Anwaltsliste genannten Anwälte wenden.
(dda)