Silvester Meldung

Böller, Batterien und Raketen. Der Run auf die extreme Saison­ware ist trotz aller Appelle zu Verzicht und Vorsicht ungebremst. Inner­halb von drei Tagen, in diesem Jahr vom 29. bis 31. Dezember, macht der Handel mit Silvesterfeuer­werk einen drei­stel­ligen Millionen­umsatz – im vergangenen Jahr waren es geschätzt 133 Millionen Euro. Die Gefahr von Verletzungen und Schäden ist groß. test.de gibt Tipps für das Spiel mit dem Feuer und sagt, welche Versicherung im Fall der Fälle zahlt.

Schäden in Millionenhöhe

Hilfs­organisationen rufen zum Verzicht auf, Feuerwehr, Gesamt­verband der Versicherungs­wirt­schaft (GdV) und Bundes­anstalt für Material­forschung (BAM) mahnen zur Vorsicht. Denn das Spiel mit dem Feuer ist gefähr­lich: Hörschäden, Augen­verletzungen und verbrannte Finger – für viele Menschen endet die Silvester­nacht in der Notaufnahme. Grund: Unvor­sichtiger Umgang mit Feuer­werk. Dazu kommen Sach­schäden in Millionenhöhe. Für die rund 12 000 Brände zum Jahres­ende 2015 haben die Hausrat- und Wohn­gebäude­versicherer laut Branchen­verband GdV 26 Millionen Euro an ihre Kunden ausbezahlt. Das ist eine Million mehr als 2014, aber drei Millionen weniger als 2013 – damals lag die Schadensumme noch bei 29 Millionen Euro. test.de sagt, welche Versicherung für welche Silvesterschäden aufkommt.

Böller und Brot

Mit 133 Millionen Euro Silvester­umsatz rechnet der Verband der pyro­tech­nischen Industrie (VPI) auch in diesem Jahr. Eine Summe, von der Hilfs­organisationen nur träumen können. Über 60 Millionen Brote könnten die Helfer dafür organisieren. Brot, das den Armen der Welt heute fehlt. Wer richtig knallen will, der kauft Feuer­werk und Brot: Spenden Sie den gleichen Betrag, den Sie für Knaller ausgeben, an eine Hilfs­organisation Ihrer Wahl. Die Stiftung Warentest hat zuletzt 2014 Spendenorganisationen von Prominenten getestet. Nur 10 von 28 Organisationen ließen sich dabei in die Karten schauen. Welche Spenden­organisationen vertrauens­würdig sind, können Sie mithilfe der Spenderberatung des Deutschen Zentral­instituts für soziale Fragen (DZI) heraus­finden.

Ab wann kann man Böller kaufen?

In Deutsch­land ist der Verkauf von Feuer­werk nur an den letzten drei Werk­tagen des Jahres erlaubt. Das heißt für dieses Jahr: ab Donners­tag, 29. Dezember – da Silvester 2016 auf einen Samstag fällt und der Samstag als Werk­tag gilt.

Welche Feuer­werks­körper sind erlaubt?

Kaufen Sie nur zugelassenes Feuer­werk und beachten Sie die Sicher­heits­hinweise. Feuer­werks­körper werden in zwei Kategorien einge­teilt. Knall­körper mit dem Kürzel F 2 (oder der alten, noch bis 2017 gültigen Bezeichnung P II) dürfen nur von Personen ab 18 Jahren gezündet werden. Geprüftes Feuer­werk erkennen Sie an der Registrier­nummer und dem CE-Zeichen in Verbindung mit der Kenn­nummer der Prüf­stelle, die die Qualitäts­sicherung beim Hersteller über­wacht – wie zum Beispiel die deutsche Bundes­anstalt für Material­forschung und -prüfung (BAM). Die BAM hat die europaweit gültige Kenn­nummer 0589. Neben der BAM gibt es noch 14 weitere unabhängige Organisationen in der EU, die Feuer­werks­körper prüfen. Detaillierte Infos finden Sie in der aktuellen Pressemitteilung der BAM.

Gefahr durch Mons­terknaller

Wer nicht zugelassene Feuer­werks­körper verkauft oder verwendet, macht sich strafbar. Gefähr­lich ist das Zeug oben­drein. Knaller aus Polen oder Tschechien haben eine bis zu 50 Mal größere Spreng­wirkung als von der BAM zugelassenes Feuer­werk. Bei einer Explosion in der Hand können die Böller mehrere Finger oder die ganze Hand zerfetzen. Feuer­werk mit Zulassung ist weniger explosiv, aber trotzdem gefähr­lich. Feuer­werks­batterien und Raketen erreichen eine Abschuss­höhe von 20 bis 60 Metern. Ebenso weit fliegen Leucht­kugeln, die mit Schreck­schuss­waffen abge­schossen werden. Für Böller, Kanonen­schläge und Raketen gilt: Nicht in der Hand abbrennen, Abstand halten und nie auf Personen zielen. So knallen Sie sicher

Eltern verantwort­lich

Eltern müssen Feuer­werk sicher aufbewahren. Als ein 13-Jähriger zu Hause Böller fand, sie zündete und einem Kind nach­warf, musste die Mutter 1 000 Euro Schmerzens­geld zahlen. Das entschied das Land­gericht München (Az. 31 S 23681/00). Eltern, die ihrem Siebenjäh­rigen Knaller gaben, die er nach dem Zünden sofort wegwerfen sollte, mussten 10 000 Euro zahlen, weil er einen Jungen ins Auge traf (Ober­landes­gericht Kiel, Az. 5 U 123/97).

Zum Jahres­wechsel darf's etwas lauter sein

  • Lärm. Eine Beschwerde wegen Lärms bringt an Silvester nichts. Die Knallerei ist Tradition und hat aus Juristensicht Vorrang vor der Nacht­ruhe.
  • Verbote. Böller sind nur an Silvester und Neujahr erlaubt, in vielen Städten nur von 18 bis 7 Uhr. Oft gibt es Verbote für die Altstadt. Nicht erlaubt ist Feuer­werk neben Kirchen, Alters­heimen, Kliniken, Reet- und Fach­werk­häusern. Wenn etwas passiert, haftet der Verursacher. Seine Privathaftpflichtversicherung springt auch bei grober Fahr­lässig­keit ein – nur nicht bei Vorsatz, etwa wenn er Böller in Briefkästen geworfen hat.

Dieses Special ist erst­mals im Dezember 2013 erschienen und wurde seitdem mehr­fach aktualisiert, zuletzt im Dezember 2016.

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