Sicherheitsmängel bei Chariot-Kindertransportern "Upgrade" schafft neue Risiken

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Sicherheitsmängel bei Chariot-Kindertransportern - "Upgrade" schafft neue Risiken

Eigentlich soll ein sogenanntes Upgrade bei Chariot-Fahrradanhängern und Kindertransportern bei einem Bruch der Deichselbefestigung die Sicherheit erhöhen. Doch Nachprüfungen der Experten von test zeigen jetzt: Das Upgrade selbst birgt Sicherheitsrisiken.

Ein "Upgrade" zum selbst montieren

Jeder, der zwischen 2002 und 2011 einen Chariot-Fahrrad­anhänger gekauft hat, wird vom Anbieter aufgerufen, ein "Nachrüstset" zu bestellen und selbst zu montieren. Das Set ist kostenlos. Es besteht im Wesentlichen aus zwei Kunststoffbändern, die jeweils an der Deichselaufnahme und am Hänger befestigt werden sollen. Die Bänder sollen die Verbindung zwischen Fahrrad und Anhänger sichern, damit es bei einem Versagen der Deichselaufnahme nicht zu einer unkontrollierten Trennung des Anhängers von der Deichsel und damit zu möglichen Unfällen kommt. Das Nachrüstset wird auch für alle Chariot-Kindertransporter mit dem Kaufdatum 2005 und 2010 angeboten sowie für Weber-Fahrrad-Sets aus den Jahren 2002 bis 2011.

Tester waren skeptisch

Bereits Ende des Jahres 2011 hatte die Stiftung Warentest gewarnt, dass das Sicherungsprinzip des Nachrüstsets Risiken berge: So könne es beim Versagen der Sperrknopfverbindung passieren, dass die gesamte Last des Hängers für längere Zeit auf der Seilverbindung ruht. Die ist aber nicht für Dauerbelastung gemacht. Wenn die Seilverbindung dann versagt, geht unweigerlich der Anhänger verloren – mit unabsehbaren Folgen für die mit dem Anhänger transportierten Kinder.

Nachtest zeigt die Schwachstellen

Die Tester sind der Sache nachgegangen und haben festgestellt, dass das Upgrade in der Tat riskant ist. Die Nachprüfungen haben gezeigt: Die zugehörigen Kunststoffbänder können versehentlich so miteinander verbunden werden, dass sich bei einem technischen Fehler an der Hängerkupplung der Hänger von der Zugdeichsel trennt. Nur wenn die Fangbänder streng nach der Gebrauchsanleitung miteinander verbunden werden, ist die Sicherheit gewährleistet. Zwar liefert Chariot einen Aufkleber mit den Instruktionen zum Aufkleben auf die Deichsel mit. Doch damit ist die korrekte Handhabung noch lange nicht sichergestellt.

Keine Pannen im großen Test

Hintergrund: Im Test Fahrradanhänger gab es bei den untersuchten Produkten keinen Hinweis auf ein Versagen der Steckverbindung. Allerdings hat Anbieter Chariot zugegeben, dass es unter sehr seltenen Umständen während des Gebrauchs doch zu einer Fehlfunktion kommen kann (sieben Unfälle auf 200 000 Produkte). Aus Sicht der Tester erscheint es angemessen, dass Chariot statt eines „Upgrades“ eine echte Rückrufaktion veranstaltet und dabei an den betroffenen Fahrradanhänger eine Sicherheitseinrichtung montiert, die zweifelsfrei und eindeutig korrekt verwendet werden kann.

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ebi30 am 21.01.2013 um 16:42 Uhr
Lesen will gelernt sein

Guten Tag, ich habe dieses Sicherheitsupgrade an meinem Anhänger selber montiert und nutze es regelmäßig.
Ich finde es nicht unbedingt verwirrend. Es gibt klare Instruktionen. Wer dies nicht schafft, der sollte auch für das Anschnallen im Auto nachgeschult werden, denn das ist auch nicht ganz einfach.
Ich möchte damit zum Ausdruck bringen, dass eine korrekte Montage schon nötig ist, um ein Sicherheitsupgrade sinnvoll zu verwenden. Ich fine es eher gut vom Hersteller, dass er bei 7 von 200.000 (das sind ganze 0,0035%!!!) ein kostenloses Nachrüstset dem Kunden zuschickt.
Die Quote sollten sich mal alle Hersteller genauer ansehen. Werden denn ständig kostenlose Upgrades für PKW oder Waschmaschinen angeboten weil 0,0035% den gleichen Fehler aufweisen?
Ich freue mich auf jeden Fall, dass ich einen Hersteller habe, der mir zeigt, dass er sich Gedanken macht.