Sicher­heits-Apps für Smartphones Test

Smartphones sind zunehmend Ziel von Kriminellen. Apps helfen bei Verlust und schützen vor Schadsoftware.

Life companion, Lebens­gefährte, nennt Samsung sein neues Smartphone Galaxy S4 — das ist nicht einmal über­trieben. Für viele Menschen ist ihr Handy ein unver­zicht­barer Begleiter: Es kennt die Telefon­nummern von Freunden und Kollegen, zeigt E-Mails an und merkt sich Pass­wörter, etwa für WLan-Netze. Besondere Momente hält es als Foto oder Video fest. Fürs Online­shopping hat es sogar die Kreditkarten­daten gespeichert.

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Umso schlimmer, wenn dieser Lebens­gefährte abhanden kommt, Geheim­nisse ausplaudert oder sich mit Krankheiten infiziert. Um das zu verhindern gibt es kleine Programme, Apps, die Smartphones schützen sollen. Wir haben 15 Sicher­heits-Apps für Handys getestet, die das Betriebs­system Android verwenden (für iPhones siehe: „iPhone-Nutzer auf der sicheren Seite“). Sie sollen helfen, das Smartphone wieder­zufinden und zu sperren, wenn es verloren­geht, vor Gefahren aus dem Internet warnen und Viren abwehren. Doch nur wenige schützen zuver­lässig.

Hilfe nach Verlust

Sicher­heits-Apps für Smartphones Test

Sperre. Der Start­bild­schirm öffnet sich nur mit der passenden Zahlen­kombination. Diese sollte nicht zu simpel sein.

Sperre. Der Start­bild­schirm öffnet sich nur mit der passenden Zahlen­kombination. Diese sollte nicht zu simpel sein.

Wer sein Smartphone nicht finden kann, hat allen Grund zur Sorge. Liegt es nur zuhause auf dem Sofa? Oder ist es in fremde Hände geraten? Dann besteht Gefahr, dass der Dieb oder zufäl­lige Finder auf sämtliche Daten zugreifen kann.

Das zu verhindern, ist nicht schwierig und geht ohne App: Der Nutzer muss die Bild­schirm­sperre einschalten. Um sie aufzuheben, ist ein Pin-Code erforderlich, der vor jedem Gebrauch einzutippen ist. Geschieht das nicht, bleibt der Bild­schirm gesperrt. Der Finder oder Dieb kann höchs­tens versuchen, den Pin-Code zu erraten. Ein Kinder­spiel, wenn die Zahlen­folge 1234 lautet. Der Code ist nicht zu verwechseln mit dem Pin der Sim-Karte, den das Gerät nur beim Einschalten abfragt.

Hoff­nung auf ein Wieder­sehen besteht, wenn auf dem Smartphone eine Sicher­heits-App läuft, zum Beispiel McAfee. Damit kann der Nutzer das Gerät über eine Internet­verbindung orten, sperren und einen Alarm auslösen. Für den Finder erscheint auf dem Bild­schirm des Smartphones die Rück­rufnummer des Eigentümers. Die im Handy gespeicherten Daten lassen sich per Mausklick löschen. Wechselt der neue Besitzer die Sim-Karte, sperrt McAfee das Smartphone, und bei der Ortung im Internet erscheint die Nummer der neuen Sim-Karte. Der Sicher­heits­service hat seinen Preis: McAfee kostet 30 Euro im Jahr. Kostenlos und fast genauso gut ist die Avast!-App. Einziger Haken: Profidiebe können das Gerät teil­weise entsperren.

Nur mit Daten­verbindung

Sicher­heits-Apps für Smartphones Test

Einstel­lungen. iPhone-Nutzer sollten bei Inbetrieb­nahme „iCloud“ und „iPhone suchen“akti­vieren.

Einstel­lungen. iPhone-Nutzer sollten bei Inbetrieb­nahme „iCloud“ und „iPhone suchen“akti­vieren.

Ebenfalls gratis, aber nicht gut ist die Zoner-App: Das Smartphone lässt sich damit nur per SMS orten. Der Besitzer braucht dafür ein Handy, in das er eine fest­gelegte Zeichen­folge mit Pass­wort eingibt. Aber nur, wenn die Bild­schirm­sperre des Smartphones akti­viert ist. Sonst kann der Finder die Zoner-App ausschalten, die Sim-Karte austauschen und auf persönliche Daten im Hand­yspeicher zugreifen. Die Zoner-App kann Inhalte weder sperren noch aus der Ferne löschen. Die Benach­richtigung bei einem Sim-Kartentausch ist stan­dard­mäßig deaktiviert.

Wichtig: Bei allen Sicher­heits-Apps funk­tioniert das Orten, Alarmieren, Sperren und Löschen aus der Ferne per Internet nur, wenn die Daten­verbindung des Smartphones akti­viert ist. Wer auch im Ausland die Sicher­heits­funk­tion nutzen möchte, muss teils happige Roaming-Gebühren in Kauf nehmen. Sicher­heits-Apps mit SMS-Funk­tion lassen sich auch ohne Daten­verbindung steuern.

Schutz vor Schad­programmen

Noch konzentrieren sich Programmierer von Schadsoftware auf PCs. Doch je mehr Menschen mit Smartphones online einkaufen und Bank­geschäfte erledigen, desto attraktiver werden die Geräte für Gauner. Asien weist den Trend: Dort besitzen viele statt eines Computers nur noch ein Smartphone. Folg­lich kursieren in asiatischen App-Stores viele Schad­programme. Einmal installiert versenden sie teurePremium-SMS, ermöglichen Fremd­zugriff und spähen vertrauliche Daten aus.

Manche Schädlinge schaffen es sogar in Google Play, den offiziellen App-Store für Android-Smartphones. Ein Beispiel ist Zitmo. Getarnt als Sicher­heits-App fängt Zitmo einge­hende SMS ab und leitet sie an Kriminelle weiter, darunter auch zum Online­banking bestimmte mobile TAN. Damit räumen Betrüger Bank­konten leer.

Im Test mussten die Sicher­heits-Apps 5 000 auf dem Smartphone gespeicherte Schädlinge enttarnen. TrustGo fand fast alle bösartigen Programme, dicht gefolgt von AVG, Bitdefender und Trend Micro. Die Sicher­heits-Apps MyAndroid und NQ ließen dagegen mehr als die Hälfte aller Schad­programme ungehindert ihr Unwesen treiben. Für beide Apps lautet das test-Qualitäts­urteil mangelhaft.

Stich­wort Daten­schutz: Sieben Apps über­mitteln private Daten an den Anbieter – Telefon­nummer, E-Mail-Adresse oder Positions­daten, teil­weise unver­schlüsselt. Oder sie senden die Gerätekennung an Dritte. Wir bewerten das kritisch.

Warnung vor Betrüger­seiten

„Sehr geehrter Sparkassen­kunde, wir bitten Sie, Ihre Online-Banking-Daten zu bestätigen. Andernfalls wird aus Sicher­heits­gründen Ihr Zugang gesperrt.“ Wer mit seinem Smartphone auch E-Mails liest, muss mit Phishing-Mails rechnen. Diese führen zu betrügerischen Internet­seiten und fordern zur Eingabe von Zugangs- oder Kreditkarten­daten auf. E-Mails und Internet­seiten wirken meist sehr authentisch. Kein Wunder: Die Betrüger kopieren die Optik vertrauter Seiten, etwa der Haus­bank oder des Bezahl­dienstes Paypal. Wer die geforderten Daten einträgt, verliert viel Geld. Gesundes Miss­trauen ist gefragt – und wirk­same Hilfe durch eine App. Nur sechs Apps im Test warnen vor Phishing­seiten, obwohl es elf versprechen. Die Tester steuerten 40 illegaleWeb­seiten an. Erschre­ckendes Ergebnis: Nur McAfee warnte vor allen 40 Seiten. Avast!, Look­out und Trend Micro erkannten nur rund die Hälfte, während AVG und TrustGo fast nie Alarm schlugen.

Fazit: Wer sein Smartphone liebt, der schützt es – mit einer Bild­schirm­sperre, die schwer zu knacken ist. Mit einer Sicher­heits-App, die bei Verlust hilft und Schädlinge fernhält. Und mit einer großen Portion Miss­trauen gegen­über dubiosen Mails und Webseiten.

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