Sicherheit von Spargeld Test

Deutsche Töchter von ausländischen Banken sind deutsche Banken. Ihre Sparer schützt die deutsche Einlagensicherung.

Kurz vor der Griechenlandwahl Mitte Juni wurden einige Journalisten­kollegen von anderen Medien nervös. Unter den Privatnummern von Finanztest-Mitarbeitern erkundigten sie sich, ob ihr Spargeld bei der Santander Consumer Bank und der ING Diba noch sicher sei.

Sie fürchteten, dass ihre Banken, die sie für spanisch und holländisch hielten, zu viel Geld in griechische Staatsanleihen investiert hätten und nun pleitegehen würden. Meldungen, dass mehrere spanische Banken unter den Rettungsschirm der Europäischen Union wollen und dass die Ratingagentur Moodys die niederländische ING herabgestuft hatte, verstärkten ihre Angst um ihr Erspartes noch.

Wir konnten sie beruhigen. Muttergesellschaft der Santander Consumer Bank ist zwar die Banco Santander in Spanien. Die ING-Diba ist eine Tochter der niederländischen ING-Gruppe. Doch sowohl die Santander Consumer Bank mit ihren Zweigniederlassungen Santander Bank und Santander Direktbank als auch die ING-Diba sind selbstständige deutsche Töchter ihrer spanischen und niederländischen Mütter.

Egal was mit den Müttern passiert, ginge eine deutsche Tochter pleite, würden für diese die deutschen Einlagensicherungssysteme einspringen.

Das Spargeld der Kollegen wird dann bis zu 100 000 Euro durch die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) ersetzt. Haben sie mehr als 100 000 Euro angelegt, kommt für die darüberliegende Summe der Sicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) auf, der Spargeld in Millionenhöhe absichert. Santander Consumer Bank und ING-Diba sind Mitglied in diesem Verband.

Akbank ist jetzt deutsch

Santander Consumer Bank und ING-Diba sind nicht die einzigen Banken mit fremden Namen, von denen Kunden denken, dass sie unter eine ausländische Einlagensicherung fallen. Isbank, Oyak Anker Bank und Ziraat Bank aus Frankfurt sowie die GE Capital Direkt aus Mainz sind ebenfalls rein deutsche Töchter. Spargeld ist bei allen durch die deutsche Einlagensicherung geschützt.

Ebenfalls deutsch ist seit Mai dieses Jahres die Akbank. Die deutsche Zweigniederlassung der niederländischen Bank wurde mit ihrer deutschen Tochtergesellschaft verschmolzen, mit der Akbank AG in Frankfurt am Main. Zuständig ist seit dem 15. Juni 2012 nicht mehr die niederländische Einlagensicherung, sondern die deutsche, bestehend aus EdB und BdB.

Für alle diese Banken gilt, dass im Pleitefall die EdB für bis zu 100 000 Euro pro Sparer geradesteht, sobald die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht den Entschädigungsfall festgestellt hat. Darüber hinausgehende Spareinlagen müssten vom Sicherungsfonds des BdB ersetzt werden, in dem alle genannten Banken Mitglied sind.

Viele Banken, die in unseren Top-Listen für Tages- und Festgeld auftauchen (siehe test.de/tagesgeld), sind also deutscher als man denkt. Das ist vor allem für Anleger wichtig, die ausländischen Sicherungssystemen nicht vertrauen und im Pleitefall ihre Ansprüche nicht in fremdsprachigen Formularen geltend machen wollen.

Was die deutsche Sicherung taugt

Kritiker des deutschen Systems glauben nicht an die doppelte Sicherung. Sie denken, dass Einlagen bis 100 000 Euro im Ernstfall eher zurückgezahlt werden können als Beträge in Millionenhöhe.

Sie gehen davon aus, dass der gesetzliche Schutz durch die EdB in Deutschland und durch vergleichbare nationale Sicherungseinrichtungen in den anderen europäischen Ländern funktionieren kann. Sie meinen aber, dass der Sicherungsfonds des BdB schnell in Bedrängnis geraten würde.

Der BdB müsste riesige Summen zahlen, wenn eine große Bank in Deutschland pleiteginge und dort Unternehmen wie Krankenkassen oder Fonds Festgeld in dreistelliger Millionenhöhe angelegt hätten.

Der Bankenverband hält dagegen. Noch nie habe ein Sparer seit der Gründung des BdB im Jahr 1976 Geld verloren. Dass der Sicherungsfonds überfordert wäre, wenn ein Institut wie die Deutsche Bank insolvent würde, räumt aber auch der Verband ein.

Wie viel Geld in ihren Töpfen ist, wollen weder EdB noch BdB sagen. Beide Sicherungsfonds werden aus den Beiträgen der mehr als 170 Mitgliedsinstitute gespeist. Reichen die Mittel nicht, um Anleger nach einer Pleite zu entschädigen, müssen sie sich zusätzliches Geld besorgen. Nach dem Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz dürfen sie Sonderbeiträge von ihren Mitgliedern verlangen.

Ist dann immer noch nicht genug Geld da, können beide Sicherungssysteme Kredite aufnehmen. Das Geld für Zins und Tilgung müssen sich EdB und BdB später von ihren Mitgliedern zurückholen.

Rechtsanspruch auf 100 000 Euro

Auf die Entschädigung der EdB in Höhe von maximal 100 000 Euro haben Kunden im Pleitefall nach dem deutschen Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz einen Rechtsanspruch. Sie können ihr Geld einklagen.

Der Anspruch geht auf die EU-Richtlinie zurück, die für alle EU-Länder den Schutz auf 100 000 Euro pro Anleger und Bank festlegt. Für Eheleute mit Gemeinschaftskonten sind es 200 000 Euro pro Bank. Der Schutz gilt für Guthaben auf Girokonten, für Sparbriefe, Fest- und Tagesgeld. Laut Vorschrift soll nach einer Pleite binnen 20 Tagen entschädigt werden.

Beim BdB gibt es aus „praktischen Gründen“ keinen Rechtsanspruch. Gäbe es ihn, wäre der Fonds eine Versicherung. Es fiele Versicherungsteuer an und das Verfahren würde nicht nur komplizierter, sondern auch teurer.

Deshalb habe der BdB bei Gründung in Abstimmung mit dem Bundesfinanzministerium und der Bankenaufsicht darauf verzichtet, einen Rechtsanspruch festzuschreiben, heißt es vom Verband. Dass er nicht nötig sei, zeigten mehr als 30 erfolgreich gelöste Fälle.

Dieser Artikel ist hilfreich. 142 Nutzer finden das hilfreich.