Interview: Warum Spar­guthaben in Holland gut gesichert ist

Sicherheit von Spargeld Special

Jan Geert Schouwstra

Jan Geert Schouwstra, Manager der Einlagensicherung bei der nieder­ländischen Zentral­bank (De Neder­land­sche Bank), erklärt, warum Spar­guthaben bei Privatbanken im Nach­barland gut gesichert ist.

Pro Kunde und Bank 100 000 Euro garan­tiert

Wie sicher ist Spargeld in den Nieder­landen?

Schouwstra: Spargeld ist bei nieder­ländischen Banken genauso sicher wie bei anderen Banken in der Europäischen Union.

Welcher Spar­betrag ist pro Anleger und Bank gesichert?

Schouwstra: Für den Fall, dass eine Bank pleite­geht, sind pro Kunde und Bank Spar­guthaben in Höhe von 100 000 Euro durch die nieder­ländische Einlagensicherung garan­tiert. Sparer, die Fragen zur Einlagensicherung haben, können die Zentral­bank unter der Telefon­nummer 0 800/0 20 10 68 aus den Nieder­landen oder per Mail an info@dnb.nl erreichen. Zudem können sie sich auf der Internetseite der Zentral­bank unter www.dnb.nl informieren. Alle Informationen sind auch auf Eng­lisch abruf­bar.

Wie viel Geld haben deutsche Sparer bei Banken wie MoneYou, RaboDirect, Amsterdam Trade, NIBC Direct, DHB, Credit Europe, Triodos oder Garan­tibank angelegt?

Schouwstra: Nach nieder­ländischem Recht darf die Zentral­bank keine Finanz­daten von einzelnen Banken veröffent­lichen, die sie beaufsichtigt. Wir veröffent­lichen zwar Daten zum nieder­ländischen Banken­system, differenzieren jedoch nicht nach der Nationalität der Sparer.

Entschädigung inner­halb von 20 Werk­tagen

Wie werden Sparer entschädigt, wenn eine Bank pleite­geht?

Schouwstra: Im Allgemeinen werden Sparer – sobald die Zentral­bank den Entschädigungs­fall fest­gestellt hat – persönlich informiert. Auf jeden Fall wird eine Bank­pleite auf der Internetseite der Zentral­bank bekannt­gegeben. Sparer können dann inner­halb von drei Monaten auf einer speziell einge­richteten Internetseite der Zentral­bank Anträge auf Rück­erstattung ihrer Guthaben stellen. Die Anträge müssen auf Eng­lisch gestellt werden. Die Rück­zahlung beginnt inner­halb von 20 Werk­tagen nach Fest­stellung des Entschädigungs­falls. Sobald die Zentral­bank ange­fangen hat, die Ansprüche der Sparer auszuzahlen, bekommen sie ihr Geld inner­halb einer Woche zurück.

Wie finanziert sich die nieder­ländische Einlagensicherung?

Schouwstra: Sobald die Einlagensicherung akti­viert wird, zahlt die Zentral­bank nach einer Bank­pleite alle berechtigten Rück­zahlungs­forderungen an Sparer aus. Anschließend präsentiert sie den von ihr beaufsichtigten Banken die Rechnung für die ausgezahlten Gelder. Die Banken müssen dann entsprechend ihres Anteils an den gesamten Spar­einlagen Beiträge entrichten.

Finanzierung der Einlagensicherung wird umge­stellt

Wie wollen die Nieder­lande die EU-Beschlüsse zur Harmonisierung einer europäischen Einlagensicherung umsetzen?

Schouwstra: Wir werden die Beschlüsse der EU noch in diesem Jahr umsetzen, indem wir die Finanzierung der Einlagensicherung umstellen. Dazu soll ein Spezialfonds aufgebaut werden, in den alle beaufsichtigten Banken jähr­liche Beiträge einzahlen müssen, und zwar unabhängig von einer tatsäch­lichen Bank­pleite. Das Gesetz dazu muss noch verabschiedet werden.

Finanztest hat das Interview aus dem Eng­lischen über­setzt.

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