Sicherheit von Spargeld Special

In Holland sind die Zinsen höher als hier­zulande. Über eine Million Deutsche haben Tages- oder Fest­geld­konten bei nieder­ländischen Banken. Sie alle vertrauen auf eine EU-Richt­linie, die im Pleitefall einer Bank Guthaben von bis zu 100 000 Euro garan­tiert. test.de erläutert die hollän­dische Einlagensicherung und klärt im Interview mit einem niederländischen Zentralbanker, wie die Entschädigung von Sparern im Insolvenzfall abläuft.

Amsterdam Trade Bank nicht von Sanktionen betroffen

Nicht alle 18 000 Kunden in Deutsch­land, die bei der Amsterdam Trade Bank Tages- oder Fest­geld haben, wissen vermutlich, dass sie Kunde einer russischen Bank sind. Sorgen, dass die Sanktionen gegen russische Banken ihr Spargeld bei der nieder­ländischen Tochter gefährden könnten, müssen sich diese Sparer aber nicht machen. Zwar gehört die Amsterdam Trade Bank seit 2001 zur russischen Alfa Bank Gruppe, einer der größten Privatkunden­banken der russischen Föderation. Aufsichts­rats­vorsitzender und größter Aktionär ist der russische Oligarch Michail Maratowitsch Fridman, einer der einfluss­reichsten Wirt­schafts­führer in Russ­land. Da sich die Alfa-Gruppe aber nicht mehr­heitlich im russischen Staats­besitz befindet, sind Alfa Bank und Amsterdam Trade Bank nicht von den Sanktionen betroffen.

Konten werden online geführt

Die Amsterdam Trade Bank ist wie acht weitere nieder­ländische Banken eine Direkt­bank. Sparer können dort häufig nur über das Internet Konten eröffnen, weil die Institute nur wenige oder wie die Amsterdam Trade Bank gar keine Filialen haben. Seit 2006 bietet die Amsterdam Trade Bank deutschen Sparern Tages- und Fest­geld­konten an. Mehr als eine Million deutsche Kunden haben Tages- und Fest­geld­konten bei nieder­ländischen Banken wie Credit Europe Bank, DHB Bank, Garan­tibank, NIBC Direct, RaboDirect, Triodos, Yapi Kredi Bank und MoneYou, der Onlinemarke von ABN Amro. Die Credit Europe Bank hat eine halbe Million, RaboDirect und MoneYou je 200 000 Kunden in Deutsch­land. Die meisten dieser Banken sind regel­mäßig in unseren Top­listen für Tages- und Fest­zins­angebote vertreten.

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Sicherung hat bisher gut funk­tioniert

Bei allen Banken ist Spargeld inklusive Zinsen bis zur Höhe von 100 000 Euro pro Kunde durch die nieder­ländische Einlagensicherung geschützt. Wie gut die Einlagensicherung im Nach­barland in der Vergangenheit funk­tioniert hat, zeigt das Beispiel der Privatbank DSB. Die DSB ging pleite, nachdem viele Kunden aus Ärger über die Bank im Oktober 2009 massenhaft Geld abzogen. Alle Versuche, die Bank mit rund 400 000 Kunden zu retten, scheiterten. Schließ­lich erklärte ein Gericht den Bank­rott des Geld­hauses. Tausende Kunden der DSB-Bank verloren erhebliche Summen, nicht aber die Sparer mit Guthaben bis zu einer Höhe von 100 000 Euro. Sie wurden mit einer Gesamt­summe von rund 3,2 Milliarden Euro von der nieder­ländischen Zentral­bank entschädigt. Das Geld holte sich die Zentral­bank von den rund 170 Banken wieder, die sie beaufsichtigt. Das funk­tionierte reibungs­los.

Nieder­ländische Einlagensicherung wird umge­stellt

Dennoch werden die Nieder­länder ihre Einlagensicherung noch 2015 so umstellen, dass sich schon vor einer möglichen Pleite Geld im Einlagensicherungs­fonds befindet Interview mit Jan Geert Schouwstra. Sie setzen damit eine EU-Regelung um, die zum Schutz von Sparern landes­eigene Sicherungs­töpfe verlangt. Bis 2024 sollen Beiträge in Höhe von 0,8 Prozent der geschützten Einlagen als Sicherungs­vermögen angelegt sein. Um ihre Guthaben in den Nieder­landen müssen sich deutsche Sparer also nicht sorgen.

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