FAQ Sicherheit von ETF: Wie gefähr­lich sind ETF?

Anleger hören im Zusammen­hang mit ETF oft von den Risiken, die in diesen noch relativ neuen Produkten stecken sollen – kein Wunder: Bank­berater verkaufen in der Regel lieber aktiv gemanagte Fonds als ETF. Und so sind vor allem über sogenannte Swap-ETF viele irreführende Aussagen im Umlauf. Hier beant­worten die Finanztest-Experten die häufigsten Fragen zum Thema Sicherheit von ETF.

Was hinter Swap-ETF steckt

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Sind Swap-ETF neu?

Swap-ETF gibt es in Europa seit 2001, ihre Bedeutung ist seit Jahren rück­läufig. Finanztest weist seit vielen Jahren in den Heft­tabellen per Fußnote darauf hin, wenn es sich um einen synthetischen ETF handelt. Regel­mäßig berichten wir auch über mögliche Risiken. Wir sind aber der Meinung, dass sich bei synthetischen ETF die Vor- und Nachteile die Waage halten und Anleger selber entscheiden sollen, welche Art von ETF sie wählen möchten. Auch in unserer Fondsdatenbank können Nutzer seit Jahren nach physischen ETF filtern.

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Was ist eigentlich ein Swap-ETF? Wie funk­tioniert das?

Swap heißt Tausch. Es handelt sich um einen Fonds, der den Index künst­lich abbildet. Ein solcher Fonds kauft nicht die Aktien aus dem Index. Im ETF liegen statt­dessen andere Wert­papiere. Der ETF entwickelt sich aber trotzdem so wie der Index. Das funk­tioniert so: Der ETF schließt einen Tausch­vertrag ab mit einer Bank. Darin ist geregelt, dass der ETF die Wert­entwick­lung bekommt, die der Index erzielt. Der Tausch­partner erhält die Wert­entwick­lung der Aktien aus dem Fonds.

Sie können sich das ungefähr so vorstellen: Sie pflanzen einen Apfelbaum, und ihr Nach­bar einen Birnbaum. Die Äpfel essen Sie aber nicht selbst, sondern geben sie Ihrem Nach­barn. Und der gibt Ihnen die Birnen. Der Grund dafür, dass Sie nicht selbst einen Birnbaum pflanzen, könnte beispiels­weise sein, dass der auf dem Nach­bargrund­stück besser gedeiht. So ähnlich ist das bei den ETF auch. Die Fonds­gesell­schaft vereinbart den Tausch, damit sie sich nicht selbst um die Index­nach­bildung kümmern muss und Kosten sparen kann. Die Arbeit erledigt der Tausch­partner, der das besser kann. Tausch­partner ist meist eine große Bank.

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Wie sind Risiken der Swap-ETF im Vergleich zu anderen Risiken zu bewerten?

Alle Fonds und ETF haben Risiken, die im jeweiligen Fonds­prospekt dargelegt werden. Das wichtigste und größte Risiko ist und bleibt das Markt­risiko der Wert­papiere, die der Fonds oder ETF abbildet. Verglichen mit einem Crash von Aktien- oder Anleihenmärkten verblasst die Bedeutung aller anderen Risiken. Sie lassen sich oft auch nicht quantifizieren, weil sie entweder zu selten vorkommen oder über­haupt noch nicht aufgetreten sind.

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Wie unterscheiden sich Swap-ETF von normalen Fonds?

Die meisten Fonds und alle ETF in Europa und Deutsch­land folgen den gleichen, europäischen Fonds­regeln, nämlich den OGAW-Richt­linien (Organismen für gemein­same Anlagen in Wert­papieren, im Eng­lischen „Ucits“). Unter anderem legen diese Richt­linien fest, wie stark ein Fonds seine Anlagen diver­sifizieren muss. Die Ober­grenze für Anlagen bei einem einzigen Emittenten (Aktien, Anleihen und Deri­vate) liegt bei 10 Prozent des Fonds­volumens. Ausnahmen sind zum Beispiel für Bundes­anleihen möglich. Die 10-Prozent-Grenze gilt auch für den Umfang der Swaps in einem synthetischen ETF. Hinzu kommt in den meisten Fällen, dass der ETF zusätzlich vom Swap-Partner Sicherheiten erhält, die er sofort verwerten darf, sollte der Swap-Partner ausfallen. Dieses „Ausfall­risiko“ der Gegen­partei steckt in ähnlicher Weise auch in jeder Anleihe und somit in jedem Anleihefonds. Und Swap-ETF dürfen diesbezüglich kein höheres Risiko eingehen als andere Fonds.

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Welche Aktien stecken in synthetischen ETF?

Neben dem kleinen Swap-Anteil besteht ein synthetischer Aktien-ETF in der Regel aus liquiden Aktien und ein Renten-ETF aus Renten­papieren. Dieser Aktien- oder Rentenkorb wird auch „Trägerportfolio“ genannt. Für dieses Trägerportfolio gelten wieder die OGAW-Richt­linien wie für jeden anderen (OGAW-)Fonds. Die meisten ETF-Anbieter veröffent­lichen die Zusammenset­zung der Trägerportfolios tages­aktuell auf ihren Webseiten. Oft wird auch der aktuelle Swap-Wert ange­zeigt. Dieser kann sogar negativ sein. Dann schuldet nicht etwa der Swap-Partner dem ETF Geld, sondern umge­kehrt.

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Kann ich sicher sein, dass ich bei einem Swap-ETF wirk­lich die Index-Wert­entwick­lung bekomme?

Ja. Aus unserer Sicht sind die Risiken von Swap-ETF und physischen ETF vergleich­bar. Wenn Ihnen Swap-ETF suspekt sind, nehmen Sie einen ETF, der die Wert­papiere aus dem Index wirk­lich kauft. Diese ETF heißen replizierend oder physisch replizierend. Physische ETF auf den MSCI World erhalten Sie von HSBC, iShares, SPDR und UBS (siehe Produktfinder Fonds und ETF im Test). Auch db x-trackers hat jetzt physische ETF im Angebot.

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Spekuliert der ETF-Anbieter mit einem Swap-ETF auf höhere Gewinne?

Manchmal heißt es, durch die Aktien­auswahl oder durch den Swap im ETF würde der ETF-Anbieter auf höhere Gewinne spekulieren. Das ginge allerdings nur im Fonds selber, da der ETF-Anbieter keine Anlegergelder außer­halb des Fonds verwaltet. Dann kämen eventuelle Gewinne aber den Anlegern zugute, nicht dem Anbieter. Das ergibt also nicht viel Sinn. Außerdem: ETF-Anleger erwarten, dass ein ETF möglichst präzise dem Index folgt. Zusätzliche Spekulations­gewinne sind immer ein Zeichen, dass genauso gut Spekulations­verluste auftreten könnten. Das wünschen ETF-Anleger nicht, sonst hätten sie ja einen aktiven Fonds kaufen können – dies gilt sowohl für Swap-ETF als auch für physische ETF. Swap-Konstruktionen machen die ETF-Verwaltung effizienter – bei kleinen Volumen, exotischen Anlagen oder der Steuer­optimierung für Anleger aus verschiedenen europäischen Ländern.

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Und der Swap-Partner? Kann es sein, dass der spekuliert?

Der Vorwurf lautet, der Swap-Partner verpflichte sich zwar zur Lieferung der Index-Performance, investiere aber in ganz andere Papiere als die Index­titel – in der Hoff­nung, damit mehr zu verdienen. Das ist falsch. Swap-Partner – das sind immer große Banken – trennen ihre Aktivitäten: Dienst­leistungen für Dritte – wie zum Beispiel ein Swap-Geschäft mit einem ETF-Anbieter – lassen sie sich bezahlen, indem sie ein kleine Gewinn­marge für sich kalkulieren; darüber hinaus spekulieren sie in der Regel nicht. Der Swap-Partner wird also in irgend­einer Art in die Index­titel investiert sein. Manche Banken haben darüber hinaus aber eine separate Abteilung für den sogenannten Eigen­handel, die auf alles Mögliche wettet.

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Wie kann man Swap-ETF erkennen?

Manche Anbieter schreiben direkt in den Produkt­namen, ob es sich um einen Swap-ETF handelt, etwa X-trackers. Andere kenn­zeichnen die physisch replizierenden ETF (also Fonds, die Index­titel direkt kaufen). Da steht dann „DR“ im Titel, für direct replication. In der Regel finden Sie auf der Website des ETF-Anbieters Angaben dazu, ob der Fonds Swaps verwendet oft ist von „synthetischer“ oder „indirekter Replikation“ die Rede. Sie können sich auch auf der Internetseite des Anbieters das zweiseitige Informations­blatt herunter­laden, dort stehen die entsprechenden Infos meist gleich am Anfang. Das Infoblatt ist aufgeführt als „Wesentliche Anleger­informationen“, abge­kürzt „WAI“ oder als „Key Investors Information Document“, abge­kürzt „KIID“.

Noch einfacher: Sie schauen bei uns im Produktfinder Fonds nach. An jedem Fonds­namen steht eine Fußnote, wenn der ETF Swaps verwendet. Zudem können Sie gezielt nach Fonds filtern, die Swaps verwenden – oder sie ausschließen (Weitere Filter – Index – Nach­bildungs­methode).

ETF und Börsencrash

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Kann es sein, dass ein Swap-ETF pleite­geht und mein Geld komplett verloren ist?

Nein. Der Swap darf nicht mehr als 10 Prozent des Fonds­vermögens ausmachen. Sollte der Swap-Partner, mit dem der ETF den Swap abge­schlossen hat, pleite­gehen, dann sind maximal 10 Prozent verloren, nicht alles.

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Ich habe gehört, dass es ETF bei einem Crash viel schlimmer erwischt als aktiv gemanagte Fonds. Ist das richtig?

Nein. Ein ETF entwickelt sich wie der Index, den er abbildet. Steigt der Index, steigt der ETF. Wenn der Index einbricht, dann bricht genauso auch der ETF ein. Ein aktiv gemanagter Fonds kann sich anders entwickeln als der Index. Hier ist ein Fonds­manager am Werk, der manche Aktie aus dem Index vielleicht gar nicht kauft und dafür andere stärker gewichtet. Dann entwickelt sich der Fonds anders als der Index, egal, ob der Markt steigt oder fällt. Das bedeutet: Es kann durch­aus sein, dass ein aktiv gemanagter Fonds besser durch eine Krise kommt als ein ETF. In unserem Fonds­dauertest stellen wir aber auch immer wieder das Gegen­teil fest.

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In einem Börsen­brief habe ich gelesen, dass ETF einen Crash verstärken können. Stimmt das?

Die Bundes­bank hat sich im Monatsbericht Oktober 2018 mit dieser Frage befasst und verschiedene Flash Crashs analysiert, also kurz­zeitige heftige Kurs­einbrüche an den Börsen. ETF hatten dabei teils stärker an Wert verloren als ihre zugrunde liegenden Wert­papiere. „Der Markt für ETF scheint zwar wesentlich beteiligt, jedoch nicht Auslöser der jeweiligen Entwick­lungen gewesen zu sein“, schreibt die Bundes­bank, und weiter: Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass es in größeren Krisen auch zu längeren Phasen fallender Preise kommen könne. Damit ETF auch in unruhigen Zeiten funk­tionierten, bestünden bereits Schutz­vorkehrungen. So sorgten zum Beispiel Unter­brechungen des Börsen­handels für Stabilität. Noch steckt in ETF nur ein Bruch­teil des welt­weit verwalteten Vermögens, das heißt, die von ihnen ausgehenden Risiken sind schon deswegen begrenzt.

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Ich habe gelesen, dass ETF das Herden­verhalten verstärken. Stimmt das?

Weil ETF so einfach handel­bar sind, könnten Anleger sie im Fall eines Crashs schneller verkaufen. Würden sie das tun, müssten die ETF-Anbieter Aktien aus dem Fonds verkaufen und würden so dafür sorgen, dass die Kurse an der Börse noch weiter fallen. Der Interna­tionale Währungs­fonds (IWF) sieht allerdings keine Anhalts­punkte dafür, dass ETF mehr als aktiv gemanagte Fonds Crashs verstärken oder Aufwärts­trends befeuern.

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Wie steht es um die Sicherheit bei den Alternativen zu Swap-ETF?

Es gibt inzwischen eine große Auswahl an physisch replizierenden ETF, die genau („voll­replizierend“) oder ziemlich genau („optimiert“) die Aktien des Index kaufen. Diese ETF können aber auch ein Gegen­parteirisiko aufweisen, weil sie die Aktien (zum Aufpeppen der ETF-Rendite) gegen Gebühr verleihen können. Auch hier werden von der Gegen­partei Sicherheiten für den ETF verlangt. Übrigens können auch aktiv verwaltete Fonds Gegen­parteirisiken aufweisen – weil sie wie ETF auch Deri­vate nutzen oder Wert­papierleihe betreiben. Da aktive Fonds aber nur zwei Mal pro Jahr einen halb­wegs detaillierten Bericht über die gehaltenen Wert­papiere, Wert­papierleihe und Deri­vate veröffent­lichen, ist eine Einschät­zung zum Gegen­parteirisiko sehr schwer.

ETF in der Bank­beratung

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Mein Berater hat gesagt, ich soll aktiv gemanagte Fonds nehmen, die seien als Sonder­vermögen besonders geschützt. Ist das bei ETF anders?

Nein. ETF sind auch Sonder­vermögen und genießen denselben Schutz wie aktiv gemanagte Fonds. Sonder­vermögen bedeutet, dass das Geld der Anleger, das in den Fonds liegt, getrennt verwahrt wird von dem Vermögen, das der Fonds­gesell­schaft gehört. Das ist wichtig, falls die Fonds­gesell­schaft in Zahlungs­schwierig­keiten gerät. Bei einer Pleite hat der Insolvenz­verwalter nur Zugriff auf das Vermögen der Fonds­gesell­schaft. Das Geld in den Fonds ist geschützt.

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Mein Berater hat gesagt, ein ETF sei viel riskanter als ein normaler Aktienfonds. Warum empfehlen Sie ETF dann über­haupt?

Ihr Bank­berater hat unrecht. ETF und aktiv gemanagte Fonds sind vom Risiko her vergleich­bar – voraus­gesetzt sie sind im selben Anlagemarkt unterwegs und legen zum Beispiel beide welt­weit in Aktien an. Unterschiede gibt es nur im Detail: Im Welt­aktien­index MSCI World sind rund 1 600 Titel enthalten. Diese breite Streuung senkt das Risiko. Aktiv gemanagte Fonds halten meist zwischen 50 und 150 Titel, also viel weniger. Einige aktiv gemanagte Fonds sind daher sogar ein wenig riskanter als ein ETF – anders als Ihr Berater sagt. Es gibt aber auch aktiv gemanagte Fonds, die trotz ihrer geringeren Streuung weniger riskant sind als ETF.

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