Sicher sparen Test

Will ein Sparer sein Geld nicht länger als ein Jahr fest anlegen, kann er derzeit kaum mehr als 3 Prozent Zinsen erwarten. Manches gut klingende Angebot einer Bank hat außerdem Macken. Finanztest hilft bei der Suche nach den wahren Zinsgipfeln der Bankenwelt.

Letzter Spieltag der Fußball-Bundesliga. Am Montag darauf präsentiert die Zeitschrift Kicker den Deutschen Meister. In der Bundesliga-Tabelle steht der Verein Werder Bremen an erster Stelle. Kurz darauf erscheint Sportbild: Dort ist Hannover 96 vorn. Kann das sein? Nein, unmöglich.

Was im Sport unmöglich ist, geschieht in den Hitlisten für Zinsangebote immer wieder.

Einige regionale Tageszeitungen, die von einem Wirtschaftsdienst mit Finanzinformationen beliefert werden, nennen zum Beispiel derzeit die Frankfurter Bank 1822direkt mit 3 Prozent als Spitzenreiter der Tagesgeldanbieter. In der Hitliste von Finanztest (siehe rechts „Top-Tagesgeldkonten“) und in unserer monatlichen Aufstellung im „Marktplatz“ (Printausgabe) fehlt die 1822direkt dagegen. Dabei bieten die anderen doch weniger als 3 Prozent. Das verwirrt manchen Sparer.

Dass die Hitlisten der Medien sich unterscheiden, liegt daran, dass ihre Macher verschiedene Maßstäbe anlegen, wenn sie Zinssätze vergleichen.

Finanztest ist streng: Attraktive Zinsen allein genügen uns nicht. Das Angebot darf nicht an bestimmte Bedingungen geknüpft sein. Außerdem muss das Anlegergeld sicher sein.

Im Folgenden stellen wir attraktive Zinsanlagen zusammen und nennen typische Bankangebote, die bei uns wegen ihrer Macken durchs Raster fallen.

Fall 1: Zins mit Zusatzkosten

Der Zins für das Tagesgeld bei der 1822direkt klingt super. 3 Prozent bietet derzeit sonst niemand.

Und trotzdem hat das Zinsschnäppchen aus Frankfurt einen faden Beigeschmack. Kunden, die den verlockenden Zinsgipfel der 1822direkt erklimmen wollen, haben nämlich schweres Gepäck: Monatlich fallen 4 Euro Kontoführungsgebühr an. Wer also 1 000 Euro anlegt, bekommt im Jahr rund 30 Euro Zinsen, muss aber 48 Euro Gebühren berappen. Gerade bei kleinen Sparbeträgen ist das Zinsangebot der 1822direkt also ein Verlustgeschäft.

Wegen der 3 vor dem Komma schafft es die 1822direkt dennoch immer wieder in die Zinsübersichten der Wirtschaftspresse. Schön für die Bank, schlecht für den Verbraucher. Er muss erst die Vertragsbedingungen studieren, um die Fallstricke aufzuspüren.

Die 1822direkt ist nicht die einzige Bank, die den Gewinn aus hohen Sparzinsen mit Zusatzkosten schmälert.

Ähnlich verfährt die GE Money Bank (ehemals Allbank) beim Tagesgeld mit dem Namen „Geldmarktkonto“. Die Kontoführung kostet 1 Euro im Monat.

Das Bankhaus August Lenz bietet „zinsbewussten Anlegern“ mit der rechten Hand schöne 2,75 Prozent für das „Konto Classic“, hält aber links die Hand auf, wenn der Sparer sich Geld auf sein Girokonto zurücküberweisen möchte: 50 Cent pro Onlineüberweisung, 1,50 Euro pro Telefonauftrag.

Ob ein solches Angebot gut oder schlecht ist, hängt stark von der in­dividuellen Nutzung ab. Es ist auf jeden Fall nicht mit den kostenfreien Zinskonten anderer Anbieter gleichzusetzen. Finanztest sortiert solche Zinsangebote deshalb aus.

Fall 2: Geld bei Pleite nicht sicher

Jeder Sparer will, dass sein Geld auch bei einer Bankpleite sicher ist. In Zinsvergleichen stehen aber immer wieder Banken ganz vorn, die Sparern keine absolute Sicherheit bieten können, so etwa die Privatbank Reithinger.

Für sechsmonatiges Festgeld bietet sie für einen Anlagebetrag von 5 000 Euro 2,6 Prozent Zinsen pro Jahr. Damit würde sie zur Spitzengruppe in unserer Tabelle auf Seite 42 gehören.

Der Haken? Die Bank bietet Anlegern nur den gesetzlichen Minimalschutz. Bei einer Pleite der Privatbank Reithinger bekäme der Sparer von dem Geld, das er als Festgeld, auf einem Sparbuch oder in einem Sparbrief angelegt hat, nur 90 Prozent erstattet, höchstens sogar nur 20 000 Euro. Hat ein Anleger 10 000 Euro dort liegen, würde er also 1 000 Euro verlieren.

Das ist nicht akzeptabel. Diese Bankangebote tauchen in unseren Tabellen nicht auf. Das betrifft auch die Auma Kreditbank und die Umweltbank in Nürnberg.

Diese Banken sind allerdings nicht insgesamt pfui. Stimmen die Bedingungen, spricht nichts dagegen, dort zum Beispiel Fonds zu kaufen oder einen Kredit aufzunehmen.

Fall 3: Falsche Zinstreppe

Immer wieder zaubern Banken vermeintlich attraktive Zinstreppen aus dem Hut, die vom Betrag abhängen.

So bietet etwa die American Express Bank (Amex-Bank) beim „Online-DailyCash“-Konto einen Zinssatz in Höhe von 1,5 Prozent ab dem ersten Euro Tagesgeld und staffelt den Zins dann für höhere Beträge: ab 30 000 Euro Anlagesumme gibt es 2 Prozent und schließlich ab 100 000 Euro 2,5 Prozent.

Das klingt nach einem respektablen Angebot und auch völlig logisch. Je mehr Geld man der Bank leiht, desto höher die Verzinsung.

Erst wenn der Sparer sich durch das Preisverzeichnis wühlt, erfährt er, dass bei angelegten 35 000 Euro nicht etwa 35 000 Euro mit 2 Prozent verzinst werden, sondern nur die 5 000 Euro, die über den 30 000 Euro liegen.

Im Klartext: Für die ersten 30 000 Euro bekommt der Kunde immer 1,5 Prozent und danach nur für die 5 000 Euro 2 Prozent. Der Treppenzins wird zum Treppenwitz!

Eine Bank mit einer echten Zinstreppe würde die 2 Prozent dagegen für den gesamten Betrag zahlen. Der Anleger bekäme für seine 35 000 Euro nach einem Jahr Zinsen in Höhe von 700 Euro. Bei der Amex-Bank sind es dagegen nur rund 550 Euro, weil es keine echte Zinstreppe ist.

Angebote wie das von der Amex-Bank führen den Verbraucher in die Irre. Aus demselben Grund führen wir auch die Berliner Bank mit dem „Flexgeld“-Angebot und die Berliner Sparkasse mit dem „cash@direkt“-Konto nicht auf.

Fall 4: Koppelangebote

Gern locken Banken mit hohen Zinsen, verlangen aber zugleich, dass der Kunde ein weiteres Bankprodukt kauft.

Derzeit garantiert der Discountbroker Cortal Consors für ein ganzes Jahr einen Tagesgeldzins in Höhe von 4 Prozent. Bedingung: Der Kunde muss zusätzlich ein Depot eröffnen, in das er Wertpapiere im Wert von 4 000 Euro legen muss. Dafür fallen Depotgebühren an, wenn der Anleger nicht weitere Bedingungen beachtet.

In die gleiche Richtung gehen Zinsprodukte, die an die Anschaffung einer Kreditkarte oder an einen Fondskauf gebunden sind. Hier werden Finanzprodukte verknüpft, die wenig miteinander zu tun haben. Rechnet man die Zusatzkosten für das angekoppelte Produkt auf die Gesamtrendite des angelegten Geldes um, entpuppt sich der attraktive Zins meist als Luftnummer.

Fall 5: Beschränkte Angebote

In der Vergangenheit haben wir immer wieder über Lockzinsen berichtet, die nur unter starken Einschränkungen angeboten werden. Besonders beliebt ist die Masche, nur neuen Bankkunden ein Spitzenangebot zu machen.

Einige Kreditinstitute schränken noch weiter ein. Sie vergeben etwa nur 20 000 Topzinskonten oder bieten das Angebot nur bis zum Tag X an. Bis der Vertrag über das Zinsprodukt unterschrieben ist, kann das Schnäppchen dann schon wieder Vergangenheit sein.

Die Banken sieben Kunden aus. Deshalb sollten Kunden Banken aussieben. In den Finanztest-Tabellen mit den besten Zinsanlagen ist für Angebote mit Haken kein Platz.

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