Paypal-Fallen vermeiden

Sicher im Netz einkaufen Special

Bezahlen per Paypal ist bequem. Doch Betrüger nutzen die Lücken des Dienstes. Wer diese sechs Tipps kennt, zahlt sicherer.

Onlineshopping mit Paypal ist bequem. Der Käufer muss keine lange Iban eingeben, der Verkäufer hat schon inner­halb von Sekunden sein Geld. Paypal wird hier­zulande beim Online­einkauf inzwischen fast so häufig benutzt wie die Zahlung per Last­schrift (Bezahlsysteme auf einen Blick). Der Kauf auf Rechnung ist noch am beliebtesten.

Onlineshopper nutzen Paypal auch aus Sicher­heits­gründen. Denn der Bezahl­dienst verspricht in bestimmten Fällen Käufer- und Verkäufer­schutz (Ärger beim Onlineshopping). Das heißt: Paypal schreibt zum Beispiel dem Käufer wieder den Kauf­preis gut, wenn er falsche, defekte oder gar keine Ware erhalten hat („Paypal-Käuferschutzrichtlinie“).

Viele Kunden sind enttäuscht, wenn sie per Paypal bezahlt haben und an einen Betrüger geraten sind, der die Lücken im Schutz ausnutzt. Wer folgende sechs Tipps kennt, geht bei Kauf und Zahlung auf Nummer sicher.

Käuferfalle: Rück­versand falsch gelieferter Ware ohne Beleg

Ein Mann kauft in Schott­land für 3 000 Euro Sammelkarten. Er zahlt über Paypal per Vorkasse. Der Verkäufer liefert aber nur zwei andere, wert­lose Karten. Eine solche Falsch­lieferung gilt eigentlich als abge­sicherter „Käufer­schutz“-Fall. Der Dienst müsste dem Käufer den Kauf­preis zurück­buchen.

Doch so kommt es nicht, denn der Mann macht einen Fehler: Er schickt die wert­losen Sammelkarten zwar wie von Paypal verlangt auf eigene Kosten nach Schott­land zurück, aber nur per einfachem Brief. Der Paypal-Käufer­schutz greift aber nur, wenn der Käufer den Rück­versand mit einem „gültigen Versandbeleg“ nach­weisen kann. Darunter versteht Paypal einen Beleg, auf dem der Name des Versand­unter­nehmens, das Versanddatum sowie Name und Adresse von Empfänger und Versender stehen. Wer einen Brief verschickt, erhält aber nur eine Portoquittung.

Der Kölner Rechtsanwalt Andreas Schwartmann hat häufiger mit Paypal-Fällen zu tun. Er rät Käufern dringend, beim Rück­versand einer Falsch­lieferung eine Versand­art zu wählen, bei der das Versand­unternehmen einen solchen Beleg ausstellt. „Im Beleg müssen die Namen und Adressen der Beteiligten genannt sein, wie sie in den Paypal-Trans­aktions­details stehen“, sagt Schwartmann.

Im Sammelkarten-Fall fehlt dem Käufer ein solcher Beleg, weswegen er keinen Käufer­schutz hat. Die 3 000 Euro sind verloren.

Der geprellte Käufer kann zwar gericht­lich gegen den Verkäufer in Schott­land vorgehen. Weil das aber aufwendig und teuer ist, unternimmt der enttäuschte Paypal-Kunde nichts weiter.

Tipp: Versenden Sie nur mit Versandbeleg. Welche Belege von Paypal akzeptiert werden, steht in der „Verkäufer­schutz­richt­linie“ (dort unter Punkt 4.2.2). Laut Paypal reichen Belege dieser Unternehmen: GLS, DPD, Hermes, UPS, FedEx und TNT. Auch Deutsche Post und DHL werden akzeptiert. Ausnahme: Beleg für ein Päck­chen ohne Nach­weis, Brief, Warensendung, Büchersendung und Maxi­brief. Ein Einschreibebeleg mit Einlieferungs­datum und Empfänger­name reicht auch.

Käuferfalle: Zahlung per „Geld an Freunde senden“

Über die Paypal-Sonder­funk­tion „Geld an Freunde und Familie senden“ können Nutzer Freunden und Verwandten ohne Provision Geld schi­cken. Aber fürs Bezahlen einer gekauften Ware darf diese Funk­tion laut Paypal-Bedingungen nicht genutzt werden. Wer es dennoch tut, ist nicht geschützt.

Das wissen aber nicht alle Paypal-Nutzer. Betrüger nutzen diese Unkennt­nis aus. Sie tun auf Klein­anzeigenmärkten wie Quoka so, als würden sie etwas verkaufen. Wenn sich ein Interes­sent meldet, bestehen sie auf Bezahlung über die Sonder­funk­tion. Der Käufer bekommt seine Ware nie und kann keinen Käufer­schutz beantragen.

Tipp: Bezahlen Sie gekaufte Ware nie über die Paypal-Funk­tion „Geld an Freunde und Familie senden“.

Verkäuferfalle: Versand der Ware als DHL-Päck­chen

Verkäufer können Betrugs­opfer werden, wenn unehr­liche Käufer den Käufer­schutz miss­brauchen. Ein Leser berichtet uns, dass er auf Ebay verkaufte Ware als unver­sichertes DHL-Päck­chen an die Käuferin schickte. Später behauptet diese, die Ware sei nie ange­kommen, und reklamiert Käufer­schutz. Paypal nimmt dem Verkäufer die Kauf­summe wieder weg und schreibt sie der Käuferin gut.

Der Verkäufer fühlt sich betrogen und reklamiert Verkäufer­schutz. Doch Paypal zahlt nicht. Geschützt sind Verkäufer nur, wenn sie Ware mit gültigem Versandbeleg verschi­cken.

Tipp: Verschi­cken Sie als Verkäufer über Paypal bezahlte Ware nur mit einer von Paypal akzeptierten Versand­art (siehe oben Abschnitt Käuferfalle: Rück­versand falsch gelieferter Ware ohne Beleg).

Verkäuferfalle: Versand an abweichende Liefer­adresse

Ein privater Verkäufer veräußert sein Handy für 600 Euro auf Ebay Klein­anzeigen. Ein Interes­sent aus Berlin fragt, ob der Verkäufer das Handy auch an seinen Bruder nach Bremen schickt. Der Verkäufer ist einverstanden. Der Käufer zahlt über Paypal mit dem Betreff: „Wie gewünscht, 600 Euro für den Laptop“.

Der Käufer erfindet eine Ausrede für die Verwechs­lung der Begriffe im Betreff. Der Verkäufer schöpft keinen Verdacht, weil er die 600 Euro gutgeschrieben bekommen hat. Er schickt das Handy nach Bremen – mit Versandbeleg. Kurz darauf behauptet der Käufer, den „Laptop“ nicht erhalten zu haben. Er beantragt Käufer­schutz, weil er angeblich falsche Ware erhalten hat. Paypal erstattet ihm das Geld. Außerdem hat er das Handy.

Der Verkäufer reklamiert Verkäufer­schutz. Aber der greift nicht, weil der Verkäufer an eine andere als die in den Paypal-„Trans­aktions­details“ angegebene Adresse geliefert hat.

Tipp: Verschi­cken Sie Ware stets nur an die in den Paypal-„Trans­aktions­details“ genannte Empfängeradresse.

Verkäuferfalle: Zahlung per „Geld an Freunde senden“ akzeptieren

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Auf Ebay Klein­anzeigen um 910 Euro gebracht: Verkäufer Thorsten Brostmeyer.

Thorsten Brostmeyer aus Kassel verkauft im Juli 2017 einen Laptop für 910 Euro auf Ebay Klein­anzeigen. Weil er schon einmal erlebt hat, dass ein Käufer den Käufer­schutz miss­brauchte (siehe oben Abschnitt Verkäuferfalle: Versand an abweichende Liefer­adresse), verlangt er vom Käufer, dass er per „Geld an Freunde senden“ bezahlt. Brostmeyer weiß, dass dann kein Käufer­schutz gilt.

Der Käufer sendet die 910 Euro an seinen „Freund“ Brostmeyer und bittet, den Laptop an eine DHL-Pack­station in Frank­furt am Main zu schi­cken. Wenige Stunden nach Versand erhält Brostmeyer von Paypal die Nach­richt, dass die 910 Euro wegen „unbe­rechtigten Konto­zugriffs“ zurück­gebucht werden.

Später stellt sich heraus: Der kriminelle Käufer des Laptops hat das Paypal-Konto einer arglosen dritten Person gehackt und von dessen Konto die 910 Euro bezahlt. In einem solchem Fall ist der unschuldige Dritte geschützt. Er bekommt sein Geld wegen des „unbe­rechtigten Konto­zugriffs“ wieder.

Auch Verkäufer sind in einem solchen Fall eigentlich geschützt – aber nur wenn der Kauf­preis nicht über „Geld an Freunde senden“ bezahlt worden ist. Thorsten Brostmeyer hat den Schaden in Höhe von 910 Euro.

Tipp: Lassen Sie sich verkaufte Ware nicht über die Paypal-Funk­tion „Geld an Freunde und Familie senden“ bezahlen.

Verkäuferfalle: Ware an vermeintliche Verwandte übergeben

Dreiecks­betrug ist eine weitere Masche, wie dieses Beispiel zeigt: Ein Mann (A) sieht auf Ebay Klein­anzeigen das Angebot von B. B bietet ein neues iPhone 7 für 780 Euro an. A und B einigen sich auf einen Kauf­preis von 750 Euro. Was A in diesem Moment noch nicht weiß: B ist ein Betrüger. Sein iPhone-7-Angebot ist Fake. B hat es auf das gebrauchte iPhone 7 von C abge­sehen, das dieser wirk­lich für 750 Euro im Klein­anzeigenmarkt anbietet. Direkt nach dem „Verkauf“ an A meldet sich Betrüger B bei C und kauft von ihm das iPhone.

B bittet A nun, die 750 Euro für das von ihm an A „verkaufte“ Handy auf das Paypal-Konto seines angeblichen Bruders C zu über­weisen. Das tut A. C hat sein Geld und will das Handy versenden. Doch B schreibt C, dass ein Bruder des A das iPhone abholen werde. B gibt sich als Bruder von A aus und bekommt das Handy, das von A bezahlt wurde. A sieht wie der Dumme aus, weil er kein Handy erhalten, aber 750 Euro gezahlt hat. Doch er kann einen Käufer­schutz­fall eröffnen und erhält sein Geld zurück. C ist der Geschädigte. Verkäufer­schutz gilt für ihn nicht, weil er das iPhone persönlich übergeben hat.

Tipp: Übergeben Sie per Paypal bezahlte Artikel nie an vermeintliche Verwandte oder Freunde des Käufers, ohne sich den Ausweis zeigen zu lassen.

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