Sicher anlegen im Zinstief Special

Seit der Finanzkrise fragen Sparer wieder mehr nach Sicherheit – trotz magerer Zinsen. Wir beantworten ihre Fragen.

Eines vorneweg: Geld anlegen ist nicht gleich Geld anlegen. Die passende Anlage finden Sie nur, wenn Sie sich vorher überlegt haben, wofür und wie lange Sie Ihr Geld anlegen wollen und welches Risiko Sie dabei eingehen können.

Möchten Sie für Ihr Alter vorsorgen, dann legen Sie langfristig an und können dabei etwas mehr wagen als bei kurzfristigen Anlagezielen. Das gefährdet nicht einmal die Sicherheit. Wollen Sie in wenigen Jahren bauen, sparen Sie für einen Urlaub oder ein Auto, kommen eher kurzfristige und sichere Anlagen infrage.

Wo kann ich mein Geld absolut sicher anlegen?

Stecken Sie es am besten in Festgeld oder Tagesgeld bei den Banken aus unseren monatlichen Top-20-Listen (siehe Infodokument: Tagesgeld und Festgeld: Die besten Zinsen). Dort bekommen Sie die besten Zinsen und bei all diesen Instituten ist Tages- und Festgeld mindestens in Höhe von 50 000 Euro pro Anleger abgesichert, falls die Bank pleitegeht. In der Europäischen Union sind ab Januar 2011 sogar mindestens 100 000 Euro pro Anleger gesetzlich gesichert.

Die meisten der Top-Angebote kommen von Direkt- und Internetbanken, die keinen Filialbetrieb haben. Wenn Sie dort anlegen wollen, müssen Sie mit dem Kontoeröffnungsantrag und dem „PostIdent“-Antrag zur Post gehen. Der Postangestellte überprüft anhand Ihres Personalausweises Ihre Identität und schickt die Anträge an die Bank. Die weitere Kommunikation mit der Bank geschieht meist über Internet, zum Teil auch telefonisch oder per Post.

Was ist, wenn ich lieber bei einer Filialbank bleiben will?

Da können Sie natürlich auch sicher anlegen, Sie müssen sich nur meist mit weniger Zinsen zufriedengeben. Bei deutschen Privatbanken wie etwa der Commerzbank oder der Deutschen Bank, die dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken angehören, sind pro Person Einlagen in Millionenhöhe geschützt. Öffentliche Banken wie die Deutsche Kreditbank, Sparkassen und Genossenschaftsbanken bieten mit ihren eigenen Sicherheitseinrichtungen unbegrenzten Schutz. Bei privaten Bausparkassen wie der Debeka oder Alten Leipziger sind 250 000 Euro pro Anleger geschützt.

Wie viel Zinsen bekomme ich denn derzeit für eine sichere Geldanlage?

Nicht sonderlich viel. Für Festgeld bekommen Sie bis zu 2,5 Prozent für ein Jahr. Für zwei Jahre gibt es maximal 3 Prozent, für drei Jahre bis zu 3,4 Prozent. Für Tagesgeld, über das Sie täglich verfügen können, gibt es derzeit maximal 2,2 Prozent Rendite. Hier kann das Geldinstitut den Zins aber jederzeit ändern (Stand: 1. November 2010).

Überprüfen Sie die Konditionen unserer Top-20-Anbieter vor der Anlage auf der Internetseite des Geldinstituts oder telefonisch noch einmal, um sicherzugehen, dass sich nichts verändert hat.

Aber ich sehe doch viel attraktivere Zinsen in der Werbung?

Vorsicht! Oft sind das Lockangebote, die beispielsweise nur für Neukunden und nur für wenige Monate gelten. Manche sind an eine Depoteröffnung geknüpft. Bei anderen wird nur ein Teil des Geldes fest angelegt, ein anderer in Investmentfonds investiert. Sie sollten sehr genau nachfragen, wenn Ihnen im Moment mehr als 4 Prozent Zinsen pro Jahr angeboten werden.

Kann ich mein Geld dann nicht gleich auf ein Sparbuch legen?

Nein, denn für Sparbücher gibt es noch weniger Zinsen als für Festgeld. Die meisten Sparbücher sind mit weniger als 1 Prozent im Jahr verzinst, die besten mit bis zu 2 Prozent im Jahr.

Welche Laufzeit soll ich für mein Festgeld wählen?

Im momentanen Zinstief sollten Sie Ihr Geld nicht mehr als ein, zwei oder drei Jahre binden. Dann können Sie für den Fall, dass die Zinsen wieder steigen, schnell auf ein lukrativeres Investment umsteigen.

Wie hoch ist mein Risiko, wenn ich auf Staatsanleihen setze?

Beim Kauf einer deutschen Staatsanleihe ist Ihr Risiko sehr gering. Deutschland hat seine Schulden bisher im Griff, hat keine belasteten Immobilienmärkte und eine exportstarke Wirtschaft. Der deutsche Staat wird Ihnen mit höchster Wahrscheinlichkeit Ihr Geld zurückzahlen. Er gilt als einer der zahlungskräftigsten Schuldner in Europa.

Anders sieht es in Griechenland, Portugal, Spanien oder Irland aus. Wegen der hohen Staatsverschuldung und der damit verbundenen Gefahr eines Staatsbankrotts ist es hier gefährlicher, sein Geld in eine Staatsanleihe zu stecken.

Einige Politiker und Finanzexperten sehen das anders. Sie meinen, dass man das höhere Anlagerisiko ruhig eingehen könne, weil die Europäische Union kein Mitgliedsland pleitegehen lasse.

Sicher ist das aber nicht. Immerhin erhalten Anleger wegen des Risikos, dass ein Land wie Griechenland bei der Rückzahlung in Schwierigkeiten kommen könnte, auch deutlich höhere Zinsen. Anfang November waren es rund 12 Prozent für drei Jahre Laufzeit. Für vergleichbare deutsche Staatsanleihen gab es nur 1,2 Prozent.

Sollte ich angesichts der niedrigen Zinsen für die Geldanlage nicht erstmal meine Schulden abbauen?

Das ist eine gute Idee. Denn eine Geldanlage lohnt sich für Sie nur, wenn der Ertrag über der Zinslast Ihres laufenden Kredits liegt. Das ist derzeit nur selten der Fall. Zahlen Sie deshalb zuerst Ihren Dispo- oder Ratenkredit ab, bevor Sie neues Geld anlegen.

Bauherren sollten eine höhere Tilgung für ihr Darlehen vereinbaren. Sie können dann sehr viel schneller schuldenfrei sein.

Wie sind Eurorentenfonds einzuschätzen?

Wenn Sie jetzt in Eurorentenfonds anlegen wollen, müssen Sie langfristig planen. Die Fonds investieren überwiegend in festverzinsliche Wertpapiere wie Anleihen. Wenn die Zinsen für neu ausgegebene Anleihen steigen, sinken die Kurse der Fonds, die noch die schlechter verzinsten Wertpapiere enthalten. Im derzeitigen Zinstief einzusteigen, ist daher nicht besonders empfehlenswert.

Wie schütze ich mein Geld vor einer Inflation?

Der beste Inflationsschutz für Ihre Geldanlage ist ein guter Mix aus Zinsanlagen und chancenreichen Anlagen wie Aktienfonds. Aber keine Sorge: Derzeit ist die Inflationsrate in Deutschland mit 1, 3 Prozent sehr niedrig.

Eignen sich Aktienanlagen nicht nur für risikofreudige Anleger?

Nein, auch sicherheitsorientierte Anleger mit einem langen Anlagehorizont können Ihrem Depot Aktienfonds beimischen. Das bedeutet kein besonders erhöhtes Risiko. Wenn Sie Ihr Geld für zehn Jahre oder länger nicht brauchen, können Sie neben 85 Prozent festverzinslichen Wertpapieren durchaus 15 Prozent Aktienfonds dazukaufen. Bei einem Anlagezeitraum von 10 Jahren gehen Sie mit einer solchen Mischung kaum ein Risiko ein.

Soll ich mein Geld nicht vor dem schwankenden Euro in Sicherheit bringen und stabile Schweizer Franken kaufen?

Nein, das wäre pure Spekulation. Währungen folgen nicht wie Aktien einem langfristigen Aufwärtstrend. Das Auf und Ab der Wechselkurse können Sie nur schwer vorhersehen.

Der Euro-Kurs etwa fiel während der Griechenlandkrise unter 1,20 Dollar, Anfang November stand er bei 1,40 Dollar. Der Kauf von Fremdwährungen kann leicht schiefgehen.

Ist es sinnvoll, in Gold zu investieren, um sich vor einer Geldentwertung zu schützen?

Nein, auch das ist reine Spekulation. Zwar wird Gold immer einen Wert haben. Der Goldpreis schwankt jedoch. Herrscht große Unsicherheit an den Finanzmärkten wie im Moment, steigt er meist sehr stark. Wenn Sie jetzt Gold kaufen und auf weiter steigende Preise setzen, ist das riskant. Denn sollte der Kurs wieder sinken, drohen Ihnen Verluste.

Dazu kommt, dass Gold Ihnen keine Zinsen bringt und die sichere Verwahrung Geld kostet. Da der Goldpreis in Dollar festgestellt wird, haben Sie zudem ein Währungsrisiko und wissen nicht, was in Euro übrig bleibt.

Wenn Sie trotzdem auf Gold als Sachwert nicht verzichten wollen, sollten Sie nicht mehr als 5 bis 10 Prozent Ihres Vermögens in das Edelmetall investieren.

Was halten Sie davon, sich jetzt ein Eigenheim zuzulegen?

Sehr viel, wenn Sie ohnehin ein Eigenheim wollen und es sich leisten können. Die Finanzierung einer Immobilie in der Bundesrepublik Deutschland ist derzeit so günstig wie nie. Kredite mit zehn Jahren Zinsbindung bekommen Sie schon für Effektivzinsen ab 3,4 Prozent. Selbst wenn Sie für zwanzig Jahre Zinssicherheit wollen, gibt es Kreditangebote unter 4 Prozent.

Ist eine Investition in eine vermietete Immobilie jetzt eine gute Anlage?

Wenn Sie eine gute Immobilie in einer guten Lage zu einem vernünftigen Preis kaufen, kann das eine gute Anlage sein. Allerdings können auch Immobilienpreise fallen oder Mieter ausfallen.

Besichtigen Sie die Immobilie vor dem Kauf unbedingt. Schon viele Käufer, die darauf verzichtet haben, sind mit Schrottimmobilien über den Tisch gezogen worden.

Wie schütze ich mich vor einem Reinfall mit einer Geldanlage?

Kaufen Sie niemals etwas, was Sie nicht verstehen. Scheuen Sie sich nicht, Ihren Berater alles zu fragen, was Ihnen unklar ist. Kann er Ihnen ein Geldanlageprodukt auch auf Nachfrage nicht ordentlich erklären, lassen Sie die Finger davon.

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