Shopping­clubs Test

Von Armani bis Zippo: Shopping­clubs liefern Markenware zum Discount­preis. Kunden müssen aber lange warten, teils kommt die Ware gar nicht.

Nicht irgend­einen Pullover wünscht sich das marken­besessene Kind. Der „Just Do It“ von Nike muss es sein. Regulär kostet der Kapuzenpulli 42,95 Euro. Für kurze Zeit gab es ihn Anfang des Jahres billiger. Ein Shopping­club im Internet bot ihn ein paar Tage lang für 19,95 Euro an.

Shopping­clubs führen Markenware: Kleider und Fernsehgeräte, Babysachen und Werk­zeug, Küchen­messer und Hotel­gutscheine. Rabatte von 25 Prozent für Camcorder, bis 80 Prozent bei Sport­artikeln locken. Eine Outdoorjacke von Roadsign gab es im Mai bei pauldirekt rund 160 Euro unter Listen­preis – für 35,98 Euro statt 199,95 Euro. Das ist ein Rabatt von mehr als 80 Prozent. Die Clubs sind wie ein Outletcenter – nur im Internet statt in großen Hallen. Doch liefern sie die Ware zum versprochenen Preis? Wie lange dauert es, bis sie ankommt? Funk­tioniert die Rück­gabe reibungs­los? Wir haben sechs Shopping­clubs, von brands4friends bis zalando-lounge, geprüft. Gut ist keiner, fünf sind befriedigend, einer ist ausreichend.

Markenware echt und billig

Im Test orderten wir Ware im Wert von 20 bis mehr als 200 Euro und schickten sie anschließend zurück. Die gelieferte Markenware war kein Plagiat. Den Preis toppte niemand – nicht der normale Online- und schon gar nicht der stationäre Handel.

Mit fünf Clubs waren die Tester zufrieden, mit vente-privee nicht. Ein Grund: Bei Rück­sendungen mit einem Waren­wert unter 40 Euro kassiert der Club eine Kostenpauschale von 5 Euro zuzüglich weiteren 5 Euro für Bearbeitung und Versand. Rück­sendepauschalen sind ungesetzlich. Bei einem Kinder-T-Shirt für zwölf Euro würde vente-privee im Fall einer Rück­sendung nur zwei Euro erstatten.

Im Schnitt zwei Wochen Warte­zeit

In jedem Fall stimmt der Preis der Ware. Dafür nehmen Club­mitglieder das Risiko stornierter Aufträge und eine lange Warte­zeit auf sich. Shopping­clubs sammeln Bestel­lungen, ordern die Ware aber erst nach Aktions­ende. Das dauert. Die zuletzt geprüften Onlinehändler für Mode lieferten schneller (test 11/2011). Sie brauchten gut drei Werk­tage. Die mitt­lere Liefer­zeit der Clubs ist im Schnitt etwa zehn Tage länger. Sie variiert zwischen etwas mehr als 8 Werk­tagen bei pauldirekt und fast 16 Werk­tagen bei vente-privee. Dreimal im Test stornierte ein Club den Auftrag. Das Problem liegt im Geschäfts­modell. Hat sich der Marken­hersteller verzählt, kann er die versprochene Stück­zahl nicht liefern. Dann gehen einige Kunden leer aus.

Am Ende ist das Lager leer

Wer das Risiko nicht eingehen möchte, sollte im stationären Handel oder bei Online­shops kaufen. Die liefern verbindlich und schnell, haben ein kontinuierliches Angebot, sind aber teurer. Mitglieder der Shopping­clubs freuen sich am Preis­vorteil und probieren Marken günstig aus.

Auch Marken­hersteller mögen das Geschäfts­modell. Sie hassen Lagerware, wenn eine Kollektion ausläuft. Nur noch wenige Marken­anbieter vernichten lieber alte Ware, als sie zu verschleudern. Viele Hersteller bieten sie Shopping­clubs an. Am Ende ist ihr Lager leer und die Aktion hat – so die Hoff­nung – neue Kunden gewonnen. Die kurze Preis­attacke stört sie nicht.

Tipp: Club­mitglieder müssen schnell bestellen. E-Mails informieren täglich über aktuelle Aktionen. Manchmal ist der Rest­posten schon nach Stunden vergriffen.

Früh kassieren, spät liefern

Ist das Schnäpp­chen bestellt, gewähren die Mitglieder dem Club Kredit. Teil­weise für Wochen. Bezahlen müssen sie meist sofort bei der Bestellung. Nur pauldirekt kassiert erst beim Versand. Besonders unfreundlich wird es, wenn der Club die Bestellung storniert. Extrem: zalando-lounge stornierte einen Auftrag erst nach sechs Wochen.

Gut zu Gesicht stünden den Shopping­clubs flexiblere Zahlungs­möglich­keiten. Sie bevor­zugen Kreditkarte und den Dienst­leister Paypal. Alternativen fehlen oft. Nur limango und zalando-lounge bieten Last­schrift an. Nach­nahme oder Rechnung gibt es bei pauldirekt – gegen Aufpreis. Nachbessern sollten die Clubs auch beim Umgang mit den Kunden­daten. Sie erfassen mehr Daten als unbe­dingt nötig und erschweren deren Löschung. Die Daten­schutz­erklärungen erweisen sich bei genauem Hinsehen als unpräzise.

Exzessiv setzen alle Clubs Cookies, kleine Text­dateien, ein, jeder zweite auch verfolgende Werbung. Mit weniger als 50 Cookies kommt kaum ein Kunde weg. Das hatten wir noch nie: Wer Cookies nicht auto­matisch akzeptiert, sondern sie sehen und einzeln bestätigen will, kann die Websites von pauldirekt und vente-privee nicht nutzen. Das schränkt den Spaß an der Schnäpp­chen­jagd doch erheblich ein.

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