Shopping-App Wish Meldung

Die Shopping-App Wish wirbt mit Rabatten von bis zu 90 Prozent auf aktuelle Mode, Schmuck, Kosmetik, Deko und Elektronik. Das Angebot ist ebenso groß wie verlockend. Doch Verbraucherschützer warnen: Produkte kommen häufig beschädigt oder gar nicht an. Kunden, die sich beschweren, sperrt Wish jetzt vom Service aus.

US-amerikanische App, fern­östliche Ware

„Wish – Smart Shoppen & Sparen“ wirbt der Anbieter für seine Shopping-App. Wish ist ein Markt­platz, auf dem Händler ihre Produkte verkaufen. Anbieter der App ist die Firma ContextLogic aus dem amerikanischen San Francisco. Laut Eigenwerbung hat Wish 70 Millionen aktive Benutzer, eine Million Händler und mehrere Millionen Artikel im Angebot. Wish wirbt damit, dass über Wish gekaufte Produkte 60 bis 90 Prozent güns­tiger seien als im Einzel­handel. Begründet werden die Schnäpp­chen-Preise damit, dass der Kunde die Ware direkt vom Hersteller bezieht. Wish – und damit das Unternehmen Context­Logic aus Kalifornien – kauft und verkauft nicht selbst, sondern fungiert nur als Vermittler. Die eigentlichen Verkäufer sitzen nach Einschät­zung deutscher Verbraucherschützer vor allem in China.

Verbraucherschützer warnen

Dieses Verkaufs­modell hat seine Tücken. Steuern, Versand­kosten und Zoll­gebühren können den Preis, den der Kunde schließ­lich zahlen muss, in die Höhe treiben. Die Liefer­zeiten betragen mitunter mehrere Wochen. Manchmal kommt die Rechnung, bevor die Ware einge­troffen ist. Wer sie nicht bezahlt, riskiert sogar Mahnungen und zusätzliche Inkasso­kosten. Die Verbraucherzentralen in Deutsch­land haben eine Reihe von Kunden­beschwerden gegen Wish zusammen­getragen. Demnach kommen Produkte häufig beschädigt oder gar nicht an. Viele sind schlecht verarbeitet. Testkäufe der Verbraucherzentrale Brandenburg haben die Probleme bestätigt: Minderwertige Qualität, falsche Größen­angaben und vom Produkt abweichende Beschreibungen gehören bei Wish offen­bar zum Alltag. Verbraucherschützer warnen jetzt auch vor dem Umgang mit Reklamationen.

Wish sperrt Kunden aus – ohne Vorwarnung

Der Online-Markt­platz Wish sperrt demnach den Zugang für Kunden, die sich per E-Mail beschweren, eine Reklamation hatten oder Ware zurück­geschickt haben. Die Sperrung durch Wish erfolgt ohne Vorwarnung. Ab der wievielten Rück­sendung die Sperre greift, ist unklar. „Dein Konto wurde wegen über­mäßig vieler Rück­erstattungen markiert“, heißt es in der Nach­richt, die Wish an seine Kunden verschickt. Markierte Konten können nur noch für neue Bestel­lungen genutzt werden, für Reklamationen und Rück­sendungen sind sie gesperrt. Einige Kunden berichteten der Verbraucherzentrale, dass ihr Konto nach nur einer Rück­sendung „markiert“, also gesperrt wurde.

Keine Reklamationen mehr möglich

Die Sperre hat weitreichende Folgen: Betroffene Kunden können offene Bestel­lungen nicht mehr stornieren, keine Mängel mehr reklamieren und keine Ware zurück­senden. All das ist nur möglich mit einem Kunden­konto ohne Markierung. Besonders infam: Wish ruft betroffene Kunden gleich­zeitig dazu auf, weitere Waren zu bestellen. Nur durch neue Bestel­lungen könne das Kunden­konto wieder reaktiviert werden. Verbraucherschützer warnen vor dieser dreisten Masche: Zusätzliche Bestel­lungen können den finanziellen Schaden für den Kunden nämlich weiter vergrößern – wenn wieder etwas schief­geht.

Informieren Sie die Markt­wächter

Wer über Wish einge­kauft hat und Probleme bekommt, sollte sich an die Markt­wächter der Verbraucherzentralen wenden und am besten das Beschwerdeformular ausfüllen, damit seine Erfahrungen berück­sichtigt werden können. Je mehr Kunden Informationen liefern, desto gezielter können Verbraucherschützer gegen dubiose Apps und Angebote vorgehen. Mehr Infos unter
Markt­waechter.de: Beschwerdeformular
Markt­waechter.de: Kontaktsperre für Wish-Kunden
Verbraucherzentrale.de: Wish-App – wenn billig einkaufen teuer werden kann

Wish bean­sprucht mehr Rechte als nötig

Auch in puncto Daten­schutz ist Wish fragwürdig. Die Shopping-App greift auf die Stan­dard­ortdaten seiner Kunden zu, möchte die Kamera des Smartphones benutzen, liest ihre Kontakte und bean­sprucht Zugriff auf alle USB-Medien, die mit dem Smartphone verbunden werden. Netz­werk­verbindungen und die Google Konfiguration liest die App ebenfalls mit. Das sind deutlich mehr Rechte als eine Shopping-App benötigt. Wer seine Daten schützen möchte, sollte die Zugriffs­rechte für die Wish-App in den Einstel­lungen beschränken oder ganz auf Wish verzichten.

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