Shampoos für mehr Volumen Test

Sie können zwar keine wilde Mähne herbei­zaubern, doch für Stunden feines Haar voller wirken lassen. Schon sehr preiswerte Shampoos können das „gut“.

Einen „Anti-Schlaff-Effekt“ für plattes oder schlaffes Haar verspricht das Shampoo von Garnier Fructis. Andere Anbieter drücken sich gefälliger aus und wenden sich an Menschen mit feinem, dünnem Haar, dem sie mehr Stand und Fülle vom Ansatz bis in die Spitzen verheißen.

Wie die Werbeslogans auch immer lauten, alle versprechen das, was feinem Haar oft fehlt: Volumen. Im Test von 15 dieser Spezialshampoos zeigte sich aber: Nicht alle Haarwaschmittel bringen das gleichmäßig gut zustande. Nur acht Volumenshampoos erzielten das test-Qualitätsurteil „gut“, die restlichen kamen über „befriedigend“ nicht hinaus. Entweder überzeugte das Volumen der Haare nicht vollends oder die Pflege­wirkung ließ Wünsche offen. Manchmal klappte auch beides nur „befriedigend“.

Wir haben die Shampoos im Drogeriemarkt und auch beim Discounter eingekauft. Sie kosten – umgerechnet auf die Vergleichsmenge von 100 Milliliter – zwischen 14 Cent und 3,40 Euro.

Das Schlusslicht ist John Frieda

Shampoos für mehr Volumen Test

Zu den „guten“ Volumenshampoos ge­hören auch sehr preiswerte, darunter die Shampoos Aldi (Süd)/Kür, Lidl/Pool, Penny/Joy, Schauma und Schlecker/AS. Der Testsieger, Pantene Pro-V, kostet mit 1,35 Euro allerdings deutlich mehr. Am teuersten ist das Haarwaschmittel John Frieda, benannt nach dem britischen Promifriseur. Es kostet stolze 3,40 Euro pro 100 Milliliter. Im Internet verspricht Luxurious Volume aus der John Frieda Collection „atemberaubende Kraft und Fülle“ und „neue Sprungkraft“ für „feines oder kraftloses Haar“. Im Test bildet es aber das Schlusslicht der Konkurrenz. Am Preis und an den Werbesprüchen lässt sich die Qualität eines Shampoos also nicht unbedingt ablesen.

Was diese Shampoos können sollten

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Volumen: Die Zunahme an Volumen wurde nicht nur in der Praxis beurteilt, sondern auch im Labor mit der digitalen Bildanalyse festgehalten.

Durchschnittlich hat der Mensch 100 000 Haare auf dem Kopf. Die Haarstärke kann jedoch stark variieren. Während normales Haar es auf 0,05 bis 0,08 Millimeter Durchmesser bringt, ist feines Haar nur etwa halb so dick. In erster Linie ist feines Haar zwar Veranlagung, doch im Laufe der Jahre wird das Haar aller Menschen weniger und dünner. Hormonelle Veränderungen sind dafür verantwortlich. Feines Haar ist oft empfindlich, schwer zu bändigen und neigt zum „Fliegen“. Es lässt sich nicht so leicht in Form bringen und macht häufig schlapp. Dem versprechen die Volumenshampoos entgegenzu­wirken. Dazu müssen sie etliche Anforderungen erfüllen:

  • Auch wenn die Haarstruktur sich grundsätzlich nicht verändern lässt, müssen Volumenshampoos feinem Haar doch sichtbar und fühlbar mehr Fülle geben. Und das nicht nur kurz nach dem Waschen und Frisieren, sondern möglichst auch noch Stunden danach.
  • Das frisch gewaschene Haar muss sich leicht durchkämmen lassen, ohne sich zu verhaken und zu ziepen.
  • Nach dem Waschen soll der Schopf geschmeidig zu greifen sein und glänzen.
  • Das Haar darf sich nicht statisch aufladen, es „fliegt“ also nicht, sondern lässt sich leicht und willig frisieren.

Ob die Volumenshampoos diese Hürden nehmen, haben wir im Labor und in der Praxis geprüft. Mehr als 200 Probandinnen wuschen sich an mehreren Tagen die Haare und hielten ihre Erfahrungen in detaillierten Fragebogen fest. Im Anschluss wurden die Ergebnisse statistisch ausgewertet.

Ferner prüften zwei Testfriseure die Shampoos bei je 25 Probanden im sogenannten Halbseitentest. Dabei scheiteln die Friseure das Haar der Prüfpersonen in der Mitte und tragen ein Volumenshampoo rechts, das andere links auf. Die Kombinationen wechseln im Laufe der Zeit immer wieder. So haben die Friseure während der gesamten Haarbehandlung optimale Vergleichsmöglichkeiten von der Anwendung bis zum Zustand des Haares nach dem Waschen und Frisieren. Auch diese Testergebnisse wurden statistisch ausgewertet.

Zusätzliche Laborprüfungen an Naturhaarsträhnen lieferten weitere Daten zur Kämmbarkeit und zur Volumenbildung.

Die Kunst besteht im Dosieren

Shampoos für mehr Volumen Test

Kämmbarkeit: Im Labor wurde mit einer Zugprüfmaschine die Kraft gemessen, die aufgewandt werden muss, um eine Strähne durchzukämmen.

Volumenshampoos enthalten, wie andere Shampoos auch, vor allem Wasser, Tenside (waschaktive Substanzen) für die Reinigung, Pflege- und Duftstoffe. Entscheidend für die Wirkung ist die richtige Komposition der einzelnen Bestandteile. Bei Volumenshampoos setzt man nicht nur auf bestimmte Polymere (kationische Verbindungen), sondern verstärkt auch auf die volumenbildenden Eigenschaften der Tenside. Denn sie reinigen das Haar nicht nur, sondern entfetten es auch und bringen es auf Abstand zum nächsten. Die Folge: mehr Volumen. Die entfettenden Tenside sind aber nicht die haarfreundlichsten Substanzen, ihre Wirkung muss durch Pflegestoffe wieder abgemildert werden. Die Kunst besteht darin, die Pflegestoffe richtig zu dosieren. Zu viel davon würde das Haar zu sehr belasten und es zusammenklatschen lassen. Zu wenig pflegende Substanzen erschweren dagegen die Kämmbarkeit und verschlechtern die Frisiereigenschaften. Aus all diesen Anforderungen gilt es den optimalen Kompromiss zu schaffen.

Etlichen Anbietern gelingt der Spagat: „Gut“ für das Volumen und die Pflegewirkung erhielten Pantene Pro-V, Aldi (Süd)/ Kür, Elvital, Lidl/Pool, Penny/Joy, Schauma und Garnier Fructis.

Bei Guhl und Nivea sind die Pflegeeigenschaften zwar „gut“, doch Stand und Fülle lassen für das Volumen nur das Urteil „befriedigend“ zu. Deshalb konnte auch das test-Qualitätsurteil nicht besser lauten.

Probleme bei der Pflege zeigten sich verstärkt bei Plus/Hairwell, Rossmann/Yung, dm/Balea, Sante Naturkosmetik und John Frieda. Vor allem für das Kämmen nach der Kopfwäsche gab es Minuspunkte. Es ziepte derart, dass wir in diesem Prüfpunkt nur noch „ausreichend“ sagen konnten.

Alle Shampoos gut verträglich

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Es spricht nichts dagegen, feines Haar täglich mit einem milden Shampoo zu waschen. Wichtig ist aber, dass es gründlich ausgespült wird. Und beim Frisieren hilft eine gute Rundbürste. Sie zaubert beim Stylen mehr Volumen.

Welche Inhaltsstoffe auch immer in den Shampooflaschen stecken, gesundheitlich bedenkliche Substanzen waren nicht dabei. Im Test zeigte sich keinerlei unerwünschte Reaktion an Haut oder Haar. Alle Probanden vertrugen die Shampoos gut.

Die besonders für Allergiker interessante Auflistung der Inhaltsstoffe findet sich auf allen Shampooflaschen, manchmal aber schwer leserlich, besonders bei Elvital.

Zusätzlich zu den Prüfungen am Haar testeten wir auch, wie sich die Shampoos anwenden lassen. Hier gab es kaum Probleme, sodass wir fast durchweg mindestens „gut“ sagen konnten. Der Verschluss der Garnier-Fructis-Flasche könnte allerdings etwas leichtgängiger sein.

Wer einmal kein Volumenshampoo für sein feines Haar zur Hand hat, braucht deshalb nicht zu verzweifeln. Möglicherweise tut es ein anderes, nicht genau zum Haartyp passendes Shampoo auch. Wir haben jedenfalls festgestellt, dass im Einzelfall auch ein Shampoo für normales Haar ohne Volumenversprechen mit den guten Volumen­shampoos im Test mithalten konnte. Dies spricht dafür, dass die Unterschiede zwischen den verschiedenen Produktreihen gar nicht so riesig sind, wie uns die schier unüberschaubare Angebotsvielfalt vermu­ten lassen möchte.

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