Shampoos Test

Exklusive Profiprodukte kontra übliche Markenshampoos.

Rund 100 000 Haare trägt jeder auf dem Kopf – na ja, die meisten jedenfalls. Und mindestens 2,8 Milliarden Euro tragen die Bundesbürger für Haarpflegemittel in die Geschäfte. Das geben sie jedes Jahr für Produkte zum Waschen, Kuren, Stylen und Färben aus. Vor allem Shampoos sind für den Handel wahre Wertschöpfer.

Gut jeder zweite Nutzer stuft die eigene Haarqualität als normal ein und kauft auch ein derart deklariertes Shampoo. Aber auch für haarige Problemfälle findet sich in den Regalen genügend Hilfe, so auch Shampoos für trockenes und strapaziertes Haar. Die haben uns diesmal interessiert. Es galt zu überprüfen, ob diese Spezialwaschmittel wieder neue Spannkraft in struppig-strohige, widerspenstige Schöpfe bringen können. Gewünschter Erfolg: Haare, die nach der Wäsche voll, weich, geschmeidig, glänzend, locker-duftig, leicht durchzukämmen, nicht zu beschwert sind und nicht mit statischer Aufladung „davonfliegen“.

Das klappt tatsächlich. Im Praxistest mit unseren 24 Probandinnen und im Labor (siehe „Ausgewählt, geprüft, bewertet“, unterhalb der Tabelle) erreichten die meisten Shampoos die erwünschte Haarqualität mit „gutem“ Ergebnis.

Zwei sind nur „befriedigend“

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Goldwell kerasilk und Clairol Herbal Essences, das laut Werbung zu Lustschreien führt, bewirken nur einen „befriedigenden“ Haarzustand nach dem Waschen. Beide erhielten so auch insgesamt nur ein „befriedigendes“ test-Qualitätsurteil.

Überprüft wurden neun handelsübliche Markenshampoos, die pro 100 Milliliter zwischen 0,36 und 2,50 Euro kosten. Ebenfalls im Test: vier Shampoos, die von den Anbietern auf die Exklusivschiene geschoben nur im Friseursalon verkauft werden und als lukratives Zusatzgeschäft für die mittlerweile von Umsatzeinbußen gebeutelten Coiffeure gelten. Exklusiv sind auch die Preise zwischen 3,18 und 5,60 Euro pro 100 Milliliter.

Friseurshampoos sind nur teurer

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Im Test allerdings war von Exklusivität nichts zu spüren. Zwar glänzten die Profiprodukte mit höheren Preisen, aber keineswegs mit besserer Wirksamkeit im Vergleich zu den Markenshampoos. Eigentlich kein Wunder: In der Zusammensetzung ähneln sich alle Shampoos sehr. Sie bestehen zu etwa 80 Prozent aus Wasser, der Rest sind vor allem waschaktive Substanzen (Tenside), Konditionierungsmittel und Duftstoffe.

Die so genannten Premium-Produkte leben vom Image des Besonderen, die versprochene Beratung der Haarkünstler und das spezielle Ambiente ausgewählter Salons gehören dazu. Das Kerastase-Pflegesystem zum Beispiel ist nur in 4 000 der rund 60 000 Friseurgeschäfte vertreten, Wella Sp System Professional in 6 000. Wobei die angestrebte Exklusivität mehr und mehr durchlöchert wird. In Profiläden für Friseurbedarf – für jedermann zugänglich – stehen diese Produkte häufig günstiger in den Regalen als beim Friseur.

Weitere Kritik wäre an den Haaren herbeigezogen, denn bei Anwendung und Handhabung der Shampoos gab es kaum Beanstandungen. Erstaunlich problemlos, also gut abbaubar verschwanden die Shampooreste nach der Wäsche in den Kläranlagen. Unsere Gutachter staunten: Immerhin listeten sie bei den geprüften Produkten insgesamt über 170 unterschiedliche Inhaltsstoffe auf. Wünschenswert wäre eine augenfreundlichere Darstellung dieser Stoffe auf den Flaschen. Denn die sind vor allem für Allergiker und Hautärzte eine wichtige Information.

Falsche Pflege ist schuld

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Strapaziertes Haar: Die äußere Schuppenschicht spreizt sich ab (links). Gesundes Haar: Die Schuppenschicht liegt eng an (rechts).

Der Kummer mit strapazierten Haaren ist in der Regel hausgemacht: Zu heißes Föhnen, ausgiebige Sonnenbäder, Salz- oder Chlorwasser, Färben, Bleichen, Dauerwellen, heftiges Bürsten und Rubbeln sind Torturen für das Haar. Unter dem Mikroskop sind die Folgen haargenau zu erkennen: Die äußere Schuppenschicht jedes einzelnen Haares, die eigentlich wie Dachziegel eng anliegen muss, ist aufgeraut und abgespreizt, Löcher und Risse sind zu sehen.

Hier greifen die Spezialshampoos mit einer Doppelstrategie ein: Zum einen reinigen sie schonend, dann glätten kondi­tionierende Substanzen die Schüppchen des Haares wieder und überziehen die äußere Schicht mit einem schützenden Film – und schon sind die gestressten Haare wieder schick.

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