Diese kritischen Stoffe haben wir gefunden

„Wir waren streng, denn Schad­stoffe gehören nicht in Sexspielzeug.“ Chemikerin Dr. Sara Wagner-Leifhelm ist für den Test verantwort­liche Projektleiterin bei der Stiftung Warentest.

Im Test von Vibratoren, Liebes­kugeln und Penisringen fand unser Prüf­labor in den verschiedenen Materialien etliche kritische Stoffe, die im Intim­bereich nichts zu suchen haben. Darunter der Weichmacher DEHP oder poly­zyklische aromatische Kohlen­wasser­stoffe, kurz PAK, die im Verdacht stehen, Krebs zu erzeugen

Obwohl es sehr engen Körperkontakt hat, existieren bislang keine Schad­stoff­grenzen speziell für Sexspielzeug. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen erfragte bereits im Jahr 2011 in einer Kleinen Anfrage im Bundes­tag zur „sexuellen Gesundheit als Thema des Verbraucher­schutzes“ Schad­stoff­grenzen für dieses Erwachsenen-Spielzeug. Obwohl das Erotikgeschäft wächst, gibt es sie bisher nicht.

Wir orientieren uns bei unserer Bewertung an allgemeingültigen Grenz­werten für die untersuchten Substanzen, aber auch an den Vorgaben für andere Produkt­gruppen oder an freiwil­ligen Gütezeichen, zum Beispiel am GS-Zeichen für geprüfte Sicherheit.

DEHP in der Maske des Pipedream-Umschnall­vibrators. In Verbraucher­produkten darf der Weichmacher Diethylhex­ylph­thalat (DEHP) ohne Zulassung nicht verwendet werden, da es die Frucht­barkeit beein­trächtigen und das Kind im Mutterleib schädigen kann. Der gesetzliche Grenz­wert für einige Produkt­gruppen liegt bei 0,1 Prozent DEHP. In der mitgelieferten Maske des Umschnall­vibrators fanden wir mehr als 100 Mal so viel.

Kurz­kettige Chlorparaf­fine in der Maske des Pipedream-Umschnall­vibrators. Auch den Grenz­wert für kurz­kettige Chlorparaf­fine reißt die Maske des Umschnall­vibrators deutlich. Die EU erlaubt nur weniger als 1 500 Milligramm pro Kilo, weil sich Chlorparaf­fine in der Umwelt anreichern und sehr giftig für Wasser­organismen sind. Zudem können sie beim Menschen vermutlich Krebs erzeugen.

Nickel im We-Vibe. Nickel kann Allergien auslösen und steht im Verdacht, Krebs zu erzeugen. Produkte dürfen bei längerem Haut­kontakt nur 0,5 Mikrogramm pro Quadratzenti­meter und Woche abgeben. Der Lade­kontakt des We-Vibe gab weit mehr ab als dieser gesetzliche Grenz­wert erlaubt.

PAK in Joydivision-Liebes­kugeln und in der Vibrator-Ente von Big Teaze Toys. Acht poly­zyklische aromatische Kohlen­wasser­stoffe, PAK, gelten als krebs­er­regend. Die haben wir nicht gefunden. Weitere PAK stehen im Verdacht, Krebs zu erregen. Da sie oft als Gemisch auftreten, haben wir auf 18 Einzel­substanzen geprüft. Das GS-Zeichen, nach dem Anbieter freiwil­lig prüfen lassen können, legt als strengsten Höchst­gehalt fest: Ein Kilo Material darf insgesamt 1 Milligramm dieser 18 PAK enthalten. Die Joydivision-Liebes­kugeln und die Vibrator-Ente über­schreiten diesen Wert.

Phenol im Doc-Johnson-Vibrator. Phenol steht unter anderem im Verdacht, genetische Defekte zu verursachen. Die Norm für die Sicherheit von Spielzeug legt deshalb fest, dass sich in einer Flüssig­keit aus dem geprüften Gegen­stand maximal 15 Milligramm Phenol pro Liter lösen dürfen. Der Vibrator von Doc Johnson hielt die Vorgaben dieser Norm in unserem Test nicht ein.

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