Vibratoren, Liebes­kugeln und Penisringe im Schad­stoff-Check: Wir fanden saubere, aber auch fünf sehr stark mit Schad­stoffen belastete Sextoys, darunter ist keineswegs nur Billigware.

Als die ehemalige Pilotin Beate Uhse im Jahr 1951 das „Spezial-Versand­haus für Ehe- und Sexual­literatur und für hygie­nische Artikel“ gründete und Kondome verschickte, handelte sie sich ihr erstes juristisches Verfahren ein. Der Vorwurf: Beihilfe zur Unzucht. Heute werden diskrete Pakete mit pikantem Inhalt in Deutsch­land millionenfach verschickt. Der offene Umgang mit Sexualität und der Online­handel kurbeln das Geschäft mit Sexspielzeug und anderen Erotik­artikeln an.

Was den Spaß­faktor angeht, können sich Käufer von Sextoys zum Beispiel im Internet an den Erfahrungen anderer orientieren. Bei Schad­stoffen jedoch tappt die Netz­gemeinde im Dunkeln.

Unser Rat

Drei Vibratoren schneiden im Schad­stoff-Check sehr gut ab: Fun Factory Ocean Mini Vibrator für 31 Euro, You2Toys Space Rider 3000 (15 Euro) und Svakom Siime Camera (99,50 Euro), ebenfalls die Penisringe You2Toys Get Hard für 6,80 Euro. Für zwei Liebes­kugeln heißt es im Schad­stoff-Check gut: für die Lelo Luna Beads Noir für 35 Euro und die You2Toys Smile Loveballs Sporty für 14 Euro.

18 Sextoys untersucht

Zeit also für mehr Trans­parenz. Die Stiftung Warentest hat in Erotikgeschäften und im Internet Vibratoren, Liebes­kugeln und Penisringe von 6,80 bis 165 Euro gekauft und ins Labor geschickt. Es liegt in der Natur der Sache: Sexspielzeug hat oft Schleimhaut­kontakt. „Diese Gewebe sind meist gut durch­blutet und können empfindlich sein. Schad­stoffe haben in Sextoys deshalb nichts zu suchen“, sagt Chemikerin Dr. Sara Wagner-Leifhelm, die unseren Schad­stoff-Check geleitet hat. Die meisten der 18 geprüften Modelle kommen weit­gehend ohne kritische Stoffe aus, viermal heißt es gar: sehr gut. Doch bei fünf Gespielen stimmt die Chemie nicht. Sie sind sehr stark mit Schad­stoffen belastet und schneiden mangelhaft ab. Unser Prüf­labor hat ganz unterschiedliche kritische Substanzen nachgewiesen.

Wo die Chemie nicht stimmt

Das Erwachsenen-Spielzeug kann aus Glas, Holz oder Metall gefertigt sein, häufiger jedoch besteht es aus Silikon oder anderen Kunststoffen. Sie fühlen sich weicher und wärmer an. Auch die Sextoys im Test bestehen vor allem aus diesen Materialien. Der weiße Kunststoff der Joydivision-Liebes­kugeln und die gelbe Vibrator-Badeente sind sehr stark mit poly­zyklischen aromatischen Kohlen­wasser­stoffen belastet, abge­kürzt PAK. Etliche dieser Substanzen können vermutlich Krebs erregen (Kritische Stoffe im Intimspielzeug). Der Lade­kontakt des knapp 90 Euro teuren We-Vibe Sync Couples gibt so hohe Mengen Nickel ab, dass der Vibrator nicht hätte verkauft werden dürfen.

Dem einzigen Umschnall­vibrator im Test wurde sein Zubehör zum Verhäng­nis: Er selbst würde gut abschneiden, doch in der mitgelieferten Maske fand das Prüf­labor sehr hohe Gehalte des kritischen Weichmachers DEHP sowie kurz­kettiger Chlorparaf­fine, die vor allem der Umwelt schaden.

Drei mit merkwürdigem Geruch

Der Anbieter des Doc-Johnson-Vibrators behauptet, sein Sextoy sei „the best selling cock in the world“ – der meist­verkaufte Penis der Welt. Er fiel uns schon im Erotikshop durch einen unangenehmen Geruch auf. Im Labor setzte der braune Kunststoff dann sehr viel Phenol frei – eine Substanz, die unter anderem im Verdacht steht, Gendefekte zu verursachen.

Merkwürdig rochen auch zwei weitere Produkte: die Vibratoren Space Rider 3000 und Bijou Sassy. Für sie können wir aber Schad­stoff-Entwarnung geben.

Silikon im Test unauffäl­lig

Die Sili­konproben erwiesen sich im Test als unbe­lastet. Doch keiner der Prüf­kandidaten besteht ausschließ­lich aus Silikon. Paradebei­spiel ist der Paar­vibrator We-Vibe Sync Couples. Silikon über­zieht ihn voll­ständig, mit Ausnahme des kleinen Lade­kontakts aus Metall. Der gab mehr Nickel ab, als der gesetzliche Grenz­wert erlaubt. Der Kontakt wird bei korrekter Anwendung nicht einge­führt, berührt aber die Haut, wenn der Vibrator fest­gehalten oder beim Sex benutzt wird.

Tipp: Bewahren Sie Sexspielzeug unterschiedlicher Materialien nicht zusammen auf, da sie sich angreifen können. Auch Gleit­mittel auf Öl- oder Sili­konbasis können dem Material zusetzen. Die Anbieter empfehlen meist wasser­basierte Gleitgele, die oft auch für Kondome geeignet sind.

Teuer heißt nicht besser

Im teuersten Intim­spielzeug im Test, dem Womanizer W500 Pro für 165 Euro, wiesen wir ebenso wie im güns­tigen Penisring von Durex geringe, nicht Besorgnis erregende Schad­stoff­gehalte nach. Die vielen sauberen Sextoys beweisen: Es geht besser. Unser Urteil für beide lautet befriedigend. Und keine Sorge, wir bleiben uns treu: Die beste Note der Stiftung Warentest heißt auch in diesem Test sehr gut, nicht befriedigend.

Drei Vibratoren mit Bestnote

In einer Umfrage des Meinungs­forschungs­instituts YouGov stimmte im Jahr 2016 gut die Hälfte der 1 009 Befragten der Aussage zu: Sexspielzeug bereichert den Sex. Neugierige können das vor allem mit den sehr guten Toys im Test bedenkenlos ausprobieren. Drei Vibratoren holten sogar die Bestnote 1,0 im Schad­stoff­test: der Ocean Mini von Fun Factory, der You2Toys Space Rider 3000 und der Svakom Siime.

Tipp: Selbst die Parade-Lieb­haber sind nur wirk­lich sauber, wenn Sie sie vor und nach dem Gebrauch besonders gründlich reinigen – samt Rillen und Ritzen. Darin können sich Keime einnisten.

Training für den Beckenboden?

Manchen geht es nicht nur um Spaß, sie erhoffen sich auch gesundheitliche Effekte. Liebes­kugeln etwa sind echte Wunderkugeln, glaubt man den Anbietern. Sie schreiben über eine „Stärkung der Beckenboden- und Scheidenmuskulatur“, über „Rück­bildung nach der Entbindung“ oder „gesteigerte Orgasmusfähig­keit“. Der Vorsitzende der Arbeits­gemeinschaft Urogynäkologie im Berufs­verband der Frauen­ärzte, Dr. Rainer Lange, ist skeptisch: „Für ein Beckenbodentraining durch Liebes­kugeln oder Vaginalkonen gibt es keine wissenschaftlichen Belege. Das Training alleine, ohne spezialisierte Physio­therapie, halte ich nicht für sinn­voll. Zwei Drittel aller Frauen können ihre Beckenbodenmuskulatur gar nicht ansteuern.“

Penisringe müssen passen

„Das Gehirn darf nicht ­zugunsten des Gefühls ausgeschaltet werden.“ Dr. Wolfgang Bühmann ist Schriftleiter des Berufs­verbands der Deutschen Urologen.

Dr. Wolfgang Bühmann, seit 34 Jahren Urologe und zudem Schriftleiter des Berufs­verbands der Deutschen Urologen, sieht sich häufig mit Patienten konfrontiert, die Risiken auf der Suche nach sexuellen Kicks ignorieren: „Das Gehirn darf nicht zugunsten des Gefühls ausgeschaltet werden.“

Bei Penisringen gilt sein Rat nicht nur für Schad­stoffe. Um den Penis­ansatz gelegt, können die Ringe die Erektion festigen oder verlängern. Da sie den Blut­abfluss stoppen, sind zu enge Ringe jedoch gefähr­lich. Schmerzen im Glied sind ein eindeutiges Warn­signal, den Ring abzu­nehmen, sagt Bühmann. „Von Ringen und Hülsen aus Metall rate ich komplett ab, die kriegt man von einem steifen Penis nicht mehr runter. Im krassesten Fall stirbt das Glied ab.“

Tipp: Einen Anhalts­punkt für die Größe des Penisrings liefert das Kondometer, ein Maßband zum Ermitteln der Kondomgröße, herunter­zuladen etwa unter bzga.de.

Die Penisringe im Test sind recht elastisch. Eine Schere kann sie durch­trennen, so auch die You2Toys-Get-Hard-Penisringe, die sich im Schad­stoff­test ein Sehr gut holen.

Sex lieber ohne App

Die Digitalisierung stoppt nicht vor dem Schlaf­zimmer. Vereinzelt sind Sextoys schon per App steuer­bar.

Steuer­bar. Der We-Vibe lässt sich vom Smartphone fernbedienen. So können Nutzer beispiels­weise Lieblings­vibrations­muster einstellen. Im Test sendete die App nicht mehr Daten, als für ihre Funk­tion erforderlich sind.

Filmreif. Der Svakom filmt mit einer Kamera in den Intim­bereich, während er vibriert. Die Daten­über­tragung auf den PC läuft über Kabel und ist nicht angreif­bar. Risiken birgt das Speichern der Daten auf dem PC oder in einer Cloud.

Wir raten: Verzichten Sie darauf, so intime Daten von sich zu produzieren. Britische IT-Experten entlarvten etliche Sicher­heits­lücken smarter Sextoys. Sie ließen sich beispiels­weise fremd­steuern.

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