Servicezentren der Finanzämter Test

Das rollende Finanzamt im thüringischen Saalfeld ist jedes Jahr im Mai gut besucht. Der Service ist freundlich und gratis.

Durch ihre Servicezentren sind die Finanzämter bürgernäher geworden. Das ist gut, doch in unserer Stichprobe gaben die Mitarbeiter leider auf einzelne Steuerfragen falsche Auskünfte.

Die Frauen auf dem Marktplatz im thüringischen Saalfeld sind sich einig: „Es ist gut, dass der Bus herkommt.“ Mit dem Bus meinen sie das „Rollende Finanzamt“, das jedes Jahr im Frühling Station in Städten und Dörfern in Thüringen macht. Vor allem Arbeitnehmer und Rentner stellen hier Fragen rund um die Steuererklärung.

Mit dem mobilen Finanzamt ergänzt Thüringen sein Serviceangebot, denn zusätzlich gibt es in den Finanzämtern des Landes Servicestellen, die bei organisatorischen und inhaltlichen Fragen der erste Anlaufpunkt für Steuerzahler sind. Solche Servicepunkte haben die Finanzverwaltungen in den letzten Jahren in allen Bundesländern eingerichtet – in vielen Ländern bereits in jedem Amt.

Sie heißen je nach Bundesland Informations- und Annahmestelle, Finanzservicestelle oder Service-Center und sollen die Sachbearbeiter vom Publikumsverkehr entlasten: „Mehr als 90 Prozent der Besucheranfragen können wir in den Info-Zentralen klären“, sagt Clemens Teschendorf, Pressesprecher des Berliner Finanzsenats.

Die Anlaufstellen nehmen Steuerzahlern die Angst vor dem Finanzamt. Die Idee ist gut und die Auskünfte sind kostenlos – aber leider sind sie nicht immer richtig. Das zeigte sich, als Finanztest in einer Stichprobe Testbesucher in die Servicestellen von zwölf Finanzämtern schickte.

Muss mein Vater, der in Rente ist, eine Steuererklärung machen? Kann ich die Ausgaben für die Reparatur der Waschmaschine absetzen? Darf ich als Arbeitsloser Hortkosten für mein Kind absetzen? Mit diesen und ähnlichen Fragen haben wir die Mitarbeiter in den Finanzämtern konfrontiert (siehe Tabelle).

Unsere Testbesucher bekamen zwar viele gute Informationen, aber in acht von zwölf Servicestellen stimmte mindestens eine Auskunft nicht. Falsch war zum Beispiel, dass die Besucher erfuhren, der Vater müsse auch seine Unfallrente aus der Berufsgenossenschaft in die Steuererklärung eintragen. Dabei ist diese Rente steuerfrei.

In einigen Servicestellen hatten die Mitarbeiter außerdem Probleme mit Steuerregelungen, die noch recht neu sind. Sie machten Fehler bei Auskünften zu haushaltsnahen Dienstleistungen und zu Kinderbetreuungskosten. In Neubrandenburg und Gelsenkirchen Nord sagten die Mitarbeiter unserem Tester zum Beispiel, er könne die Ausgaben für eine Waschmaschinenreparatur nicht abrechnen. Hätte er sich daran gehalten, wären leicht 20 bis 30 Euro Steuererstattung verloren.

Mehr als eine Formularstelle

Servicezentren der Finanzämter Test

Angesehen haben wir uns die Servicestellen in den Finanzämtern Aschaffenburg, Berlin-Charlottenburg, Berlin-Reinickendorf, Dresden I, Dresden II, Eisenach, Frankfurt I, Frankfurt II, Gelsenkirchen Nord, Greifswald, Neubrandenburg und Sondershausen.

In der Regel waren die Tester einmal dort, in manchen Ämtern haben sie einen zusätzlichen Besuch gemacht. In einigen Servicezentren haben wir auch telefonisch Fragen gestellt. Allerdings nicht überall, denn in mehreren Bundesländern wie Berlin sind die Servicestellen nur bei persönlichem Besuch zu erreichen.

Die Mitarbeiter tragen Freibeträge auf der Lohnsteuerkarte ein, geben Steuerformulare heraus und nehmen die Steuererklärungen entgegen. Häufig prüfen sie gleich, ob alle Belege da sind. Auch einzelne Steuerfragen werden beantwortet.

Als Steuerberater dürfen die Mitarbeiter im Finanzamt aber nicht auftreten: „Fragen, die rechtliche Grundlagen wie etwa das Alterseinkünftegesetz betreffen, werden natürlich beantwortet. Die Besucher erfahren zum Beispiel, welche Einnahmen sie wo in der Steuererklärung eintragen müssen“, erklärt Christine Mosler, Pressesprecherin des Bayerischen Landesamts für Steuern. „Unsere Mitarbeiter dürfen aber nicht die Steuererklärung für die Besucher ausfüllen oder Anträge wie etwa für eine Wohnungsbauprämie für sie stellen.“

Freundlich und schnell

Servicezentren der Finanzämter Test

Mithören möglich: In etlichen Servicestellen sind die Serviceplätze nicht abgetrennt.

An der Art der Betreuung in den Servicestellen hatten unsere Besucher kaum etwas auszusetzen – im Gegenteil: In den allermeisten Fällen wurden sie freundlich und zuvorkommend betreut. Häufig mussten sie vorher überhaupt nicht warten, ansonsten höchstens zehn Minuten.

Unsere Einstiegsfragen zu dem Alterseinkünftegesetz, durch das sich vor zwei Jahren die Rentenbesteuerung komplett gewandelt hat, beantworten die Ansprechpartner meist sicher. Die Tester erfuhren, dass ihr Vater als Rentner eine Steuererklärung abgeben muss und welche Formulare auszufüllen sind.

Die Mitarbeiter in Aschaffenburg und Sondershausen gaben sich besonders viel Mühe und rechneten anhand der vorgegebenen Einnahmen genau durch, ob der alleinstehende Vater steuerpflichtige Einkünfte über dem Grenzwert von 7 664 Euro hat. Da die Einkünfte höher waren, sei die Steuererklärung Pflicht, erklärten sie. Sie zeigten den Besuchern, wo die einzelnen Einnahmen in der Anlage R zur Steuererklärung einzutragen waren.

Gute Erfahrungen machte unser Tester im Finanzamt Dresden II. Im Finanzamt Dresden I wurde er weniger freundlich betreut: Der Besucher erhielt nach kurzem Blick auf die Unterlagen den Hinweis auf die Pflicht zur Steuererklärung. Auf weitere Nachfrage erklärte der Mitarbeiter nur knapp, die Anlage R finde er im Regal.

Probleme bei aktuellen Fragen

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Die Sicherheit vom Gesprächsbeginn schwand bei manchen Mitarbeitern, als wir zu unserem zweiten Thema kamen. Wir wollten wissen, ob es möglich ist, die Ausgaben für den Einbau einer neuen Küche oder für die Reparatur einer Waschmaschine geltend zu machen. Richtig ist, dass beides möglich ist, wenn die Reparaturarbeiten im eigenen Haushalt erledigt wurden. Das geht aus einem Ende vergangenen Jahres veröffentlichten Schreiben des Bundesfinanzministeriums hervor (IV C 4 - S 2296b - 60/06).

Ausführlich erläuterte der Mitarbeiter im Finanzamt Frankfurt I die Abzugsmöglichkeiten. Am Ende machte er aber einen kleinen Fehler: Er sagte, die Fahrtkosten des Handwerkers seien nicht abzugsfähig – doch sie sind es. Dafür wusste der Mann, dass auch Mietnebenkosten wie solche für den Schornsteinfeger oder die Straßenreinigung absetzbar sind. Sein Kollege in Frankfurt II sagte hingegen, Mietnebenkosten könne man nicht absetzen.

Lieber nichts sagen

Besser als eine falsche Auskunft wäre keine Auskunft. Dem Besucher ist mehr geholfen, wenn der Ansprechpartner im Servicezentrum offen sagt, dass er auf eine Frage keine Antwort geben kann oder zumindest klarmacht, dass er unsicher ist.

Das hat zum Beispiel der Mitarbeiter in der Info-Zentrale in Berlin-Charlottenburg gemacht: Er erklärte, dass er einen Fall wie die Waschmaschinenreparatur noch nicht gehabt habe. Nach so einer Information kann der Besucher erkennen, dass er sich noch an seinen Sachbearbeiter wenden sollte, oder er fragt einen Steuerberater oder einen Lohnsteuerhilfeverein.

Probleme mit Kinderbetreuung

Probleme bereitete den Servicestellen auch unsere Frage, ob ein Arbeitsloser Kinderbetreuungskosten absetzen kann. Unsere Testbesucher erklärten, sie seien im September vergangenen Jahres arbeitslos geworden. Nun wollten sie wissen, ob sie auch für die letzten Monate des Jahres die Hortkosten für ihr achtjähriges Kind in der Steuererklärung abrechnen können.

In den Servicestellen in Frankfurt, Greifswald, Aschaffenburg, Berlin-Charlottenburg und beim ersten Besuch in Berlin-Reinickendorf erfuhren sie, der Abzug sei nicht möglich. Damit hätten sie ein Drittel der Betreuungskosten des gesamten Jahres zu wenig abgesetzt, denn für eine Übergangsphase von vier Monaten ist der Abzug trotz Arbeitslosigkeit möglich. Auch dazu hat das Bundesfinanzministerium Anfang dieses Jahres ein Schreiben veröffentlicht (IV C 4 - S 2221 - 2/07).

Auf dieses Schreiben berief sich nur die Mitarbeiterin, die unser Tester beim zweiten Besuch in Berlin-Reinickendorf antraf. Sie sagte richtig, dass für das ganze Jahr zwei Drittel der Kosten abzugsfähig sind. Es könnten aber nur Betreuungskosten berücksichtigt werden, nicht etwa Ausgaben für die Verpflegung des Kindes im Hort.

Unsicher war sie, ob die Kosten zusätzlich zur Werbungskostenpauschale von 920 Euro anerkannt werden. Sie versprach, am nächsten Tag anzurufen, und gab dann die richtige Antwort: Die Kosten werden zusätzlich berücksichtigt. Dieser Service war vorbildlich.

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