Wer in Steuerfragen berät

Im Servicezentrum des Finanzamts gibt es keine Steuerberatung. Lohnsteuerhilfevereine oder Steuerberater helfen weiter.

Rund 90 Prozent aller Anfragen im Servicezentrum können nach Angaben einiger Finanzverwaltungen direkt vor Ort geklärt werden. Bei Detailfragen stoßen die Mitarbeiter jedoch schnell an ihre Grenzen – entweder, weil sie keine Auskunft geben dürfen oder weil sie die Antwort nicht wissen. Dann lohnt es sich, den Sachbearbeiter direkt zu fragen.

Ob Sachbearbeiter oder Mitarbeiter im Servicezentrum – die Informationen, die der Steuerpflichtige im Finanzamt bekommt, kosten ihn nichts, sie sind aber unverbindlich. Eine Gewähr für die Richtigkeit der Auskunft gibt es nicht.

Eine verbindliche Information, auf die er sich in der Steuererklärung verlassen kann, erhält ein Steuerzahler nur, wenn er zu einer rechtlich noch nicht geklärten Frage einen schriftlichen Antrag auf eine verbindliche Auskunft stellt. Dafür zahlt er Gebühren.

Für solche Fragen, wie wir sie in den Servicezentren gestellt haben, kommt die verbindliche Auskunft nicht infrage. Wer zu diesen Fragen mehr Unterstützung benötigt, als er im Finanzamt erhalten kann, muss zum Steuerberater oder zu ­einem Lohnsteuerhilfeverein gehen. Der Besuch kostet zwar, doch der Steuerzahler hat die Gewissheit, dass sein Gegenüber für Falschauskünfte haftet und die Steuererklärung für ihn erstellt.

Steuerberater

Ein Steuerberater kann sinnvoll sein, wenn zum Beispiel jemand in der Steuererklärung mehrere Einkunftsarten berücksichtigen muss: Vielleicht hat er neben den Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit auch Einkünfte aus Kapitalvermögen und selbstständiger Tätigkeit.

Die Kosten der Beratung richten sich nach dem Wert der Angelegenheit und nach dem Aufwand. Nach der Gebührenverordnung der Steuerberater muss beispielsweise ein zusammenveranlagtes Ehepaar, das im Jahr Einkünfte von 40 000 Euro aus nichtselbstständiger ­Arbeit hatte, mit Gebühren von etwa 300 Euro und mehr rechnen, wenn der Steuerberater für die beiden die Steuererklärung erstellt. Die Gebühren steigen, wenn noch Honorare oder Einnahmen aus Kapitalvermögen dazukommen.

Seit 2006 können Steuerzahler nur noch die Beratungskosten in der Steuererklärung geltend machen, die einer bestimmten Einkunftsart zuzuordnen sind. Dafür muss der Steuerberater in seiner Rechnung separat aufführen, welche Gebühren zum Beispiel für das Ausfüllen der Anlage N (Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit) und welche für die Anlage V (Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung) angefallen sind.

Adressen von Steuerberatern finden Ratsuchende im Branchenbuch oder im Internet. Die Bundessteuerberaterkammer (www.bstbk.de) und der deutsche Steuerberaterverband (www.dstv.de/suchservice) bieten hier einen Suchservice an.

Lohnsteuerhilfeverein

Günstiger als ein Steuerberater ist für ­Arbeitnehmer, Rentner und Arbeitslose oft der Lohnsteuerhilfeverein. Allerdings werden hier nicht alle beraten: Hat jemand Miet- und Zinseinnahmen über 9 000 Euro im Jahr (Ehepaare: 18 000 Euro) oder Einkünfte aus einer selbstständigen Tätigkeit, bleibt er außen vor.

Holen sich Steuerpflichtige beim Lohnsteuerhilfeverein Rat, werden sie Mitglied im Verein und zahlen dafür jährlich einen Mitgliedsbeitrag. Die Beiträge liegen etwa zwischen 30 Euro und 250 ­Euro und richten sich in der Regel nach der Höhe des Einkommens.

Die Verbände der Lohnsteuervereine nennen unter www.nvl.de und www.bdl-online.de die Adressen von Beratungsstellen.

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