Rund 7 000 Sprachen gibt es weltweit, nur 225 davon sind in Europa entstanden. So gesehen ist der Wunsch, die Bürger der Europäischen Union (EU) mögen neben ihrer Mutter- noch eine oder zwei Fremdsprachen beherrschen, ein Klacks. Wer mit Deutsch, Englisch, Französisch oder Spanisch anfangen möchte, kann sich nun auf der Website des Deutschen Bildungsservers informieren.

„Sprachen lernen“ ist der schlichte Titel des Bildungsserver-Angebots, das seit Anfang September online ist und Datenbanken für die vier genannten Sprachen auflistet, in denen Interessierte Kurse im In- und im Ausland recherchieren können. Zudem werden Sprachportale, Vokabel- und Konjugationstrainer sowie Spiel- und Chatmöglichkeiten genannt. Um Erlerntes anwenden zu können, finden sich in dem Angebot auch Übungen, zum Beispiel zu grammatikalischen Problemen oder zum Hörverständnis. Komplettiert wird die Offerte mit Hinweisen auf Institute, Zeitschriften und Lexika der jeweiligen Sprache.

Das so genannte „Informationsmodul für Spracheninteressierte“ ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen dem Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung und dem Deutschen Institut für Erwachsenenbildung. Die beiden Forschungseinrichtungen würdigen mit dem neuen Modul die wachsende Bedeutung der Fremdsprachen in der beruflichen Weiterbildung – und dementsprechend auf dem Arbeitsmarkt.

Hälfte der Europäer spricht keine Fremdsprache

So achten zum Beispiel die Unternehmen in Deutschland nach einer Befragung der Beratungsfirma Kienbaum aus dem vergangenen Jahr zumindest bei ihrem designierten Führungsnachwuchs zuerst auf praktische Erfahrungen und Fremdsprachenkenntnisse. Doch Mehrsprachigkeit wird längst schon nicht mehr nur von „High Potentials“ erwartet; kaum eine Stellenanzeige kommt gegenwärtig ohne den Verweis auf erforderliche Sprachkenntnisse aus.

Die Realität in Europa hängt diesen Ansprüchen allerdings noch hinterher. Nach einer Umfrage im Auftrag der Europäischen Kommission vom Dezember 2000 unter EU-Bürgern sprechen 47 Prozent aller Europäer ausschließlich ihre Muttersprache. Und mehr als die Hälfte derjenigen, die keine Fremdsprache beherrschen, glaubten auch nicht, dass Sprachkenntnisse ihre Beschäftigungschancen verbessern würden.

Die erste Fremdsprache in Europa ist laut Studie mit großem Abstand Englisch, gefolgt von Französisch, Deutsch und Spanisch. Das wirkt sich offenbar auch auf die Lernbereitschaft der Briten aus: Rund zwei Drittel von ihnen spricht demnach keine Fremdsprache; damit ist das Vereinigte Königreich Schlusslicht in Europa. Zum Vergleich: In Schweden, Dänemark und den Niederlanden sind laut Umfrage nur rund ein Zehntel der Bevölkerung ausschließlich Muttersprachler, in Deutschland sind es 40 bis 50 Prozent.

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