Viele Anleger haben beim Finanz­amt noch etwas zu tun: Sie holen Abgeltung­steuer zurück, setzen Krank­heits­kosten ab, zahlen Kirchen­steuern nach oder versteuern Auslands­einkünfte. Wir helfen dabei.

Anleger brauchen Steuer­bescheinigungen, wenn sie beim Finanz­amt Kapital­erträge abrechnen, die der Abgeltung­steuer unterliegen. Sie erhalten die Belege auto­matisch oder auf Anfrage von ihrer Bank oder Fonds­gesell­schaft.

Am 1. Januar ist die Abgeltung­steuer zwei Jahre alt geworden. So lange zweigen Banken in Deutsch­land schon 25 Prozent von den Kapital­einnahmen ihrer Kunden für das Finanz­amt ab, über­weisen für sie den Solidaritäts­zuschlag und auf Wunsch auch die Kirchen­steuer.

Die Prozedur ist für Sparer bequem, weil sie Zinsen, Dividenden und Gewinne nicht mehr selbst beim Finanz­amt abrechnen müssen. Doch viele kommen trotzdem nicht um die Steuererklärung herum. Einige sind weiterhin dazu verpflichtet, ihre Kapital­erträge anzu­geben. Andere zahlen weniger Steuern, wenn sie es freiwil­lig tun.

Unser Mustermann Lukas Klein zeigt im dritten Teil unserer Serie zur Steuererklärung, wann die Abrechnung sinn­voll ist. Klein ist allein­stehend und bekam im vergangenen Jahr 5 000 Euro Zinsen.

Will unser Mann nur Krank­heits­kosten oder sehr hohe Spenden abrechnen, muss er schon dafür seine Kapital­erträge angeben. Doch in diesen Fällen genügen ein paar Angaben im Mantelbogen der Formulare.

Geht es aber zum Beispiel um Auslands­einkünfte, Kirchen­steuern, Sparerpausch­beträge oder den güns­tigsten Steu­ersatz für die Kapital­erträge, müssen Anleger auch die Anlage KAP ausfüllen. Im Mantelbogen in Zeile 35 kreuzen sie an, dass sie das tun. Ehepartner füllen beide eine Anlage KAP aus.

Viele Anleger können die Daten aus den Steuer­bescheinigungen der Banken und Fonds­gesell­schaften über­nehmen. Wollen sie etwa nur den Sparerpausch­betrag richtig ausschöpfen, reichen oft ein paar Werte.

Güns­tiger­prüfung beantragen

Soll das Finanz­amt Steuern zurück­zahlen, weil der persönliche Grenz­steu­ersatz güns­tiger ist als die Abgeltung­steuer von 25 Prozent, gehören dagegen sämtliche Kapital­erträge in die Anlage KAP. Vor allem Rentner und Berufs­tätige mit nied­rigem zu versteuernden Einkommen sollten die Güns­tiger­prüfung beantragen. Wie sie das machen, steht auf der Seite „Günstigerprüfung“.

Kirchen­steuer nach­zahlen

Ein Muss ist die Steuererklärung auch für Kirchen­mitglieder – wenn die Bank oder Fonds­gesell­schaft wie bei Lukas Klein zwar die Abgeltung­steuer, aber nicht die Kirchen­steuer an das Finanz­amt über­wiesen hat.

In der Zeile 2 des Mantelbogens muss Lukas Klein ankreuzen, dass die Kirche ihr Geld über die Steuererklärung erhalten soll. In Zeile 35 trägt er ein, dass er die Anlage KAP abgibt. Beides bestätigt er mit einem Kreuz auf der Anlage KAP in den Käst­chen rechts in den Zeilen 1 und 2. Unser Mann zeigt mit der Ziffer 1 in der Zeile 6 außerdem an, dass die Bank keine Kirchen­steuer einbehalten hat.

Damit das Finanz­amt nicht nur Kirchen­steuer kassiert, sondern diese gleich­zeitig als „fiktive Sonder­ausgabe“ von der Abgeltung­steuer abzieht, über­nimmt Klein noch ein paar Daten aus der Bank­bescheinigung.

In Zeile 7 kommen die Zinsen von 5 000 Euro und in Zeile 14 der Sparerpausch­betrag, den Klein 2010 ausgeschöpft hat. Wie viel Abgeltung­steuer und Solidaritäts­zuschlag das Finanz­amt 2010 erhalten hat, schreibt er in die Zeilen 49 und 50.

Durch den „fiktiven Sonder­ausgaben­abzug“ sinkt die Abgeltung­steuer für die Zins­einkünfte. Je nach Bundes­land beträgt sie nur noch 24,51 Prozent bei 8 Prozent Kirchen­steu­ersatz in Bayern, Baden-Württem­berg oder 24,45 Prozent bei 9 Prozent Kirchen­steu­ersatz in anderen Bundes­ländern.

Lukas Klein hat Zins­einkünfte von 4  199 Euro, wenn der Pausch­betrag von 801 Euro abge­zogen ist. In Bayern zahlt er dafür rund 1 029 Euro (24,51 Prozent) Abgeltung­steuer. Die Kirche erhält von ihm 82,32 Euro, das sind 8 Prozent von dieser Abgeltung­steuer.

Sparerpausch­betrag ausschöpfen

Haben Anleger 2010 den Sparerpausch­betrag von 801 (Ehepaare: 1 602) Euro nicht ausgeschöpft, können sie in Zeile 5 auf der Anlage KAP mit der Ziffer 1 den Steuer­abzug prüfen lassen.

Gibt es nur bei einer Bank Kapital­erträge, für die das Finanz­amt Abgeltung­steuer erhalten hat, gehört die Summe in Zeile 7. Lukas Klein gibt die Zinsen von 5 000 Euro an.

Dazu kommt in Zeile 14 der Betrag, bis zu dem der Sparerpausch­betrag ausgeschöpft wurde. Hatte Klein gar keinen Frei­stellungs­auftrag erteilt, trägt er eine Null ein. In den Zeilen 49 bis 51 gibt er an, wie viel Abgeltung­steuer, Solidaritäts­zuschlag und Kirchen­steuer sein Finanz­amt bekommen hat.

Haben Anleger bei mehreren Banken Kapital­erträge, müssen sie oft nur einen Teil angeben. Bekommt Lukas Klein bei zwei Banken jeweils 2 500 Euro Zinsen, genügt es, wenn er in Zeile 7 nur einmal 2 500 Euro angibt. Denn schon damit kann er den Pausch­betrag von 801 Euro ausnutzen.

Dann teilt Klein auch in diesem Fall in Zeile 14 mit, welcher Teil der 2 500 Euro Zinsen aus Zeile 7 durch einen Frei­stellungs­auftrag steuerfrei war. In welcher Höhe das für die nicht erklärten 2 500 Euro gilt, kommt in Zeile 14 a. Lag jeder Bank ein Frei­stellungs­auftrag über 200 Euro vor, trägt Klein das in beide Zeilen ein.

Einkünfte im Ausland abrechnen

Kapital­einnahmen auf ausländischen Konten müssen immer über die Steuererklärung versteuert werden, wenn sie höher als der Sparerpausch­betrag sind. Dasselbe gilt für Erträge, die Auslands­fonds ansammeln (thesaurieren) – auch wenn die Papiere in Deutsch­land im Depot liegen. Alle Angaben kommen in die Zeilen 15 bis 20  – so wie auf der Seite „Günstigerprüfung“.

Tipp: Geben Sie die thesaurierten Kapital­erträge auch an, wenn sie nicht über dem Sparerpausch­betrag liegen. So können Sie beim Verkauf der Papiere belegen, dass Sie nichts versteuern mussten.

Verluste ausgleichen

Haben Anleger sich vergangenes Jahr bis zum 15. Dezember von ihrer Bank Verluste bescheinigen lassen, sollten sie diese unbe­dingt auf der Anlage KAP abrechnen. Nur so können sie ihre Miesen mit Kapital­erträgen bei anderen Banken verrechnen lassen.

Dafür beantragt Lukas Klein auf der Anlage KAP in der Zeile 5 mit der Ziffer 1 die Prüfung des Steuer­einbe­halts. Seine Verluste schlüsselt er in den Zeilen 12 und 13 auf – je nachdem, ob er Verluste mit Aktien oder mit anderen Wert­papieren gemacht hat.

Auch Verluste im Ausland verrechnet das Finanz­amt, wenn zum Beispiel der Kauf von Aktien und Fonds frühestens 2009 war. Die Verluste gehören in die Zeile 15 und – getrennt nach Aktien und anderen Wert­papieren – in die Zeilen 18 und 19.

Tipp: Ihre Kapital­erträge geben Sie wie auf unserer Seite „Günstigerprüfung“ beschrieben an. Aktien­verluste können Sie nur mit Aktiengewinnen verrechnen lassen, andere Verluste mit allen Kapital­erträgen.

Erstattungs­zinsen angeben

Auch Zinsen für Steuern, die das Finanz­amt sehr spät erstattet hat, sind steuer­pflichtig. Sie gehören in die Zeile 21 der Anlage KAP.

Tipp: Gegen die Steuer­pflicht gibt es eine Klage beim Bundes­finanzhof. Legen Sie binnen eines Monats Einspruch ein und weisen Sie auf das Verfahren VIII R 1/11 hin, wenn Sie für Zinsen vom Finanz­amt Steuern zahlen sollen. Dann bleibt Ihr Steuer­bescheid offen.

Verwandtendarlehen beachten

Hat Lukas Klein für Darlehen an Verwandte Zinsen erhalten, muss er diese in Zeile 22 auf der Anlage KAP eintragen und ganz normal versteuern. Dafür gilt weder der Sparerpausch­betrag noch die Abgeltung­steuer.

Krank­heits­kosten absetzen

Auch wenn Anleger außergewöhnliche Belastungen wie Kosten für Krankheiten absetzen wollen, müssen sie Angaben zu ihren Kapital­einnahmen machen. Denn die Einkünfte daraus erhöhen den Teil der außergewöhnlichen Belastungen, für den es keine Steuerersparnis gibt.

Lukas Klein rechnet 3 000 Euro für eine ärzt­liche Behand­lung und 30 Euro für Medikamente in den Zeilen 68 bis 70 im Mantelbogen ab. Das Finanz­amt wird die Summe von 3 030 Euro um seine „zumut­bare Belastung“ kürzen und den Rest anerkennen.

Für die Berechnung der zumut­baren Belastung trägt Lukas Klein im Mantelbogen seine Zinsen von 5 000 Euro in Zeile 73 ein, weil sie höher als der Sparerpausch­betrag von 801 Euro im Jahr sind.

Tipp: Sind Ihre Kapital­einnahmen nied­riger als der Sparerpausch­betrag, geben Sie statt­dessen in Zeile 72 die Ziffer 1 an.

Klein hat Zins­einkünfte von 4 199 (5 000 – 801) Euro, nachdem der Pausch­betrag abge­zogen ist. Kommen dazu 35 001 Euro Lohn- oder Alters­einkünfte, beträgt der Gesamt­betrag der Einkünfte 39  200 Euro.

Daraus errechnet das Finanz­amt eine zumut­bare Belastung von 2 352 Euro (6 Prozent), weil unser Anleger allein­stehend und kinder­los ist. Von 3 030 Euro Krank­heits­kosten zählen deshalb nur 678 Euro.

Spenden­limit erhöhen

Hat Lukas Klein sehr viel Geld gespendet, sollte er seine Kapital­einnahmen in Zeile 59 im Mantelbogen abrechnen, wenn sie höher als der Sparerpausch­betrag von 801 Euro sind. So kann er höhere Spenden absetzen.

Das Finanz­amt erkennt maximal 20 Prozent vom Gesamt­betrag der Einkünfte als Sonder­ausgaben an. Mit 35 001 Euro Lohn- oder Alters­einkünften sind das 7 000 Euro. Kommen 4 199 Euro Zins­einkünfte dazu, steigt der Höchst­betrag auf 7 840 Euro.

Klein hat aber nur seinem Sport­ver­ein 200 Euro gespendet. So viel kann er locker absetzen, ohne dass er dafür seine Zinsen beim Finanz­amt angeben muss.

Serie Steuererklärung

Bereits erschienen:

– Wegweiser für alle, Finanztest 2/2011

– Wegweiser für

Rentner und Pensionäre, Finanztest 3/2011

Dieser Artikel ist hilfreich. 428 Nutzer finden das hilfreich.