Serie Riester-Rente, Teil 5: Kritik an Riester Special

Seit dem Jahr 2002 gibt es die staatlich geförderte Riester-Rente. Gut zehn Jahre nach ihrer Einführung hagelt es jetzt Vorwürfe: Renditesch­wach sei die staatlich geförderte Riester-Rente, zudem teuer und kompliziert. Manche dieser Kritik­punkte sind berechtigt – andere weniger. Finanztest klärt in Teil 5 der Serie zur Riester-Rente darüber auf, was an der Kritik dran ist.

Riester-Rente in der Kritik

Seit dem Jahr 2002 gibt es die staatlich geförderte Riester-Rente. Gut zehn Jahre später hagelt es Vorwürfe. Manche der Vorwürfe sind berechtigt, andere weniger. Die Experten von Finanztest sind ihnen in Teil 5 der Riester-Serie auf den Grund gegangen.

Vorwurf: Riester lohnt nicht, ein Spar­strumpf bringt mehr

Serie Riester-Rente, Teil 5: Kritik an Riester Special

Stimmt so pauschal nicht. Wer einen guten Vertrag abschließt, erreicht durch die staatliche Förderung eine ganz ordentliche Rendite auf seine Riester-Beiträge. Sie ist jedenfalls höher als bei anderen vergleich­baren Produkten, beispiels­weise einer privaten Renten­versicherung. Vor allem für Häuslebauer lohnt sich ein Riester-Vertrag in Form eines Darlehens oder Bauspar­vertrags. Mit einem güns­tigen Vertrag schneiden sie viel besser ab als mit einer Finanzierung ohne die Förderung. Neben den Zulagen gibt es für viele auch noch Steuer­vorteile, die bei der Berechnung der Rendite mitgezählt werden müssen. Mehr zur steuerlichen Förderung „Riester-, Rürup- und Betriebsrenten: Förderung optimal ausnutzen“. Davon profitieren allerdings vor allem Gutverdiener. Der Vergleich mit dem Spar­strumpf stimmt schon deshalb nicht, weil ein Spar­strumpf irgend­wann leer ist. Eine Riester-Rente wird dagegen lebens­lang gezahlt. Wichtig ist, den passenden Produkt­typ zu wählen und einen güns­tigen und renditeträchtigen Vertrag abzu­schließen. Schlechte Angebote bleiben auch dann schlecht, wenn sie staatlich gefördert werden. Leider haben wir gerade unter den meist­verkauften Verträgen, den Riester-Renten­versicherungen, in unseren jüngsten Tests kein einziges sehr gutes Angebot gefunden, aber wenigs­tens ein paar gute.

Vorwurf: Nur wer stein­alt wird, kommt mit Riester ins Plus

Stimmt so pauschal nicht. Richtig ist aber: Je teurer der Tarif, desto älter muss der Kunde werden, bis er so viel Rente erhalten hat, dass er wenigs­tens seine Beiträge und die staatlichen Zulagen zurück­bekommen hat. In unserem jüngsten Test der Riester-Renten­versicherungen zeigte sich, dass ein Kunde mit einem kostengüns­tigen Vertrag 82 Jahre alt werden muss, bis er ins Plus kommt. Bei einem teuren Tarif kommt der Kunde dagegen erst mit 85 Jahren ins Plus. Hier galt allerdings noch der alte, höhere Garan­tiezins von 2,25 Prozent. Wir haben unterstellt, dass der Kunde nicht mehr Rente bekommt als vom Versicherer zu Vertrags­beginn garan­tiert. Gute Versicherer erwirt­schaften jedoch Über­schüsse und zahlen mehr als die garan­tierte Rente aus. Dann hat der Kunde Beiträge und Zulagen schon früher wieder heraus. Es lohnt sich also, einen guten Tarif auszuwählen. Eine gute Orientierung für Riester-Interes­sierte bietet die Themenseite Riester.

Vorwurf: Riester lohnt nicht bei nied­rigem Einkommen

Stimmt so pauschal nicht. Gerade durch die Zulagen lohnt sich die Riester-Förderung für Menschen mit nied­rigem Einkommen. Denn bei ihnen sind die staatlichen Zuschüsse im Verhältnis zum eigenen Sparbeitrag besonders hoch, vor allem wenn sie Kinder haben. Ein Beispiel: Eine allein­erziehende Riester-Sparerin mit zwei kleinen Kindern und einem Jahres­einkommen von 20 000 Euro muss nur 60 Euro im Jahr selbst einzahlen, um Zulagen in Höhe von 754 Euro zu erhalten. Nur für Menschen, die im Alter so wenig Geld haben, dass sie staatliche Sozial­leistungen brauchen, bringt Riester-Sparen bisher tatsäch­lich nichts. Doch das ändert sich vielleicht bald. Es gibt Vorschläge aus dem Bundes­arbeits­ministerium, Menschen besserzustellen, die wenig verdient, aber lange gearbeitet und vorgesorgt haben.

Vorwurf: Die Riester-Rente ist unflexibel und intrans­parent

Stimmt so pauschal nicht. Zumindest die Förderung passt sich an. Sie fließt weiter, wenn Sparer für die Kinder­erziehung oder die Pflege von Angehörigen eine Zeit lang im Beruf aussetzen. Die Sparer können ihre Riester-Erspar­nisse sogar einsetzen, wenn sie ein Haus kaufen möchten. Leider sind die Verträge selbst häufig unflexibel. So verlangen Versicherer Geld, wenn Kunden die Auszahlung ihrer Riester-Rente vorverlegen oder wenn sie zu einem anderen Anbieter wechseln möchten. Außerdem bekommt der Kunde nichts von der Vermitt­lerprovision zurück, wenn er seine Beiträge reduziert, weil er weniger verdient oder Kinder erzieht. Die ursprüng­liche Provision wurde aber auf Basis höherer Einzahlungen berechnet. Bei der Trans­parenz gibt es große Unterschiede zwischen den Anbietern.

Vorwurf: Riester ist kompliziert und bürokratisch

Stimmt. Von den Anbietern über die Zentrale Zulagen­stelle für Alters­vermögen (ZfA) bis hin zum Arbeits­ministerium sind selbst die Profis immer wieder ratlos, wenn sie mit Detailfragen konfrontiert werden.

Vorwurf: Riester ist zu teuer und macht die Anbieter reich

Stimmt häufig. Dies trifft auf Riester-Verträge leider genauso zu wie auf andere Finanz­produkte. Aus sozial­politischen Gesichts­punkten nach­zuvoll­ziehen ist auch die Kritik, dass durch die Förderung der Riester-Rente Steuergeld zum Aufbau einer privaten Alters­vorsorge verwendet und dabei die Finanz­branche gestärkt wird. Herkömm­liche Renten­versicherungen sind Finanz­produkte, die sich wirk­lich mit der Riester-Rente vergleichen lassen. Sie garan­tieren wie die Riester-Verträge Zahlungen bis zum Tod. Dieser lebens­lange Schutz kostet extra und in beiden Fällen oft zu viel. Denn die Provisionen für Vermittler sind nicht durch eine staatliche Vorgabe begrenzt. Aber es gibt auch gute Riester-Angebote, bei denen sich die Kosten in Grenzen halten.

Vorwurf: Zu wenig Menschen nutzen die Riester-Rente

Stimmt. Mit rund 15,4 Millionen Abschlüssen ist das Ziel längst nicht erreicht, die Riester-Rente als Vorsorge für möglichst alle einzusetzen, um die Einbußen bei der gesetzlichen Rente auszugleichen. Außerdem zahlen viele Riester-Sparer nicht so viel eigenes Geld ein, dass ihnen die volle Förderung zugute kommt, und können so die Kürzungen bei der gesetzlichen Rente nicht mit einer Riester-Rente wett­machen.

Riester-Rente ist gut, aber die Angebote müssen besser werden

Das Fazit: Wer sich heute eine Zusatz­rente oder Wohn­eigentum fürs Alter sichern will, kann mit einem Riester-Vertrag besser fahren als mit anderen Alters­vorsorgever­trägen oder Baukrediten. Das liegt an den Zulagen und den Steuer­vorteilen, aber nicht daran, dass die Riester-Produkte so toll wären. Kunden müssen bei der Auswahl auf einen guten Vertrag achten. Und Banken und Versicherungen müssen mehr gute Verträge anbieten. Eine staatlich geförderte Alters­vorsorge sollte höhere Stan­dards erfüllen als rein private Vorsorgever­träge.

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