Zum Riestern braucht man keinen Job. Teil zwei unserer Serie erklärt die neuen Regeln für Hausfrauen und -männer und zeigt, wie Erziehende, Arbeitslose, Erwerbsunfähige und Pflegende die geförderte Altersvorsorge nutzen.

Serie Riester-Rente, Teil 2: Förderung ohne Job Special

Kristina und Berthold Grochowski aus Berlin haben beide Elternzeit genommen, um ihren elf Monate alten Sohn Gregor zu betreuen. Auch Erziehende zuhause können von den Riester-Zulagen profitieren. Kristina Grochowski hat Ende letzten Jahres deshalb noch einen Riester-Vertrag abgeschlossen.

Die Erfinder der Riester-Rente hatten vor allem Arbeitnehmer im Sinn, als sie diese Art der staatlich geförderten Altersvorsorge vor zehn Jahren ins Leben riefen. Aber auch viele andere können von den staatlichen Zuschüssen profitieren.

Eine von ihnen ist Kristina Grochowski. Die Berlinerin ist seit zehn Monaten in Elternzeit und kümmert sich um ihren Sohn Gregor. „Ich habe schnell Mitte Dezember einen Riester-Banksparplan abgeschlossen, um die Zulagen für das Jahr 2011 noch mitzunehmen“, sagt die 40-Jährige. In ihrem Fall sind das Jahr für Jahr immerhin 454 Euro vom Staat. Grochowski selbst muss nur 60 Euro im Jahr selbst dazuzahlen.

Förderberechtigt in der Elternzeit

Serie Riester-Rente, Teil 2: Förderung ohne Job Special

Mütter und Väter, die in der Elternzeit kein Geld verdienen, müssen jährlich nur 60 Euro in den Riester-Vertrag einzahlen. Eltern, die Teilzeit arbeiten, müssen dagegen weiter inklusive Zulagen 4 Prozent ihres Einkommens überweisen.

Alle Erziehenden haben in den ersten drei Jahren nach der Geburt ihres Kindes unmittelbar Anspruch auf Riester-Förderung. Die Riester-Rente ist in diesem Punkt der ebenfalls staatlich geförderten betrieblichen Altersvorsorge klar überlegen.

Die Riester-Förderung für die Erziehenden hat mit dem deutschen Rentenversicherungssystem zu tun. Alle Erziehenden bekommen für jedes Kind drei Jahre Erziehungszeiten auf dem Rentenkonto gutgeschrieben. Sie sind damit in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert, selbst wenn sie sonst selbstständig arbeiten. Und Pflichtversicherte haben Anspruch auf Riester-Förderung.

In der Regel wird die Erziehungszeit dem Rentenkonto der Mutter gutgeschrieben. Sie kann aber auf Antrag auch ganz oder teils dem Vater zugutekommen.

Erziehende, die wie Grochowski während der Elternzeit kein Geld verdienen, müssen für die volle Förderung jährlich nur den Sockelbeitrag von 60 Euro einzahlen. Selbst wenn sie Elterngeld bekommen, muss es nicht mehr sein. Denn Elterngeld zählt nicht zu dem Bruttoeinkommen, aus dem normalerweise der Mindesteigenbeitrag errechnet wird.

Doch was passiert nach den drei Jahren Erziehungszeit? Die Sparer können Riester-Verträge auch ohne Förderung weiterführen. Meist ist das aber gar nicht nötig.

Wer wie Grochowski nach der Elternzeit einen sozialversicherungspflichtigen Job annimmt oder in seinen alten zurückkehrt, hat kein Problem. Denn damit bleibt die Rentenversicherungspflicht bestehen und somit auch das Recht auf Riester-Förderung.

Aber auch Eltern, die sich entscheiden, zuhause zu bleiben, um sich Vollzeit um Kinder und Haushalt zu kümmern, haben in vielen Fällen die Möglichkeit, weiter zu riestern. Und zwar immer dann, wenn sie mit einem Riester-Sparer verheiratet sind.

Riestern als Hausfrau und Hausmann

Der Ehepartner eines Riester-Sparers ist automatisch „mittelbar förderberechtigt“. Er muss dafür nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sein.

Solche mittelbar Förderberechtigten müssen wie die Erziehenden seit diesem Jahr mindestens den Sockelbetrag von 60 Euro jährlich in ihren Vertrag einzahlen, um die volle Zulage zu bekommen. Bis Ende 2011 war das nicht nötig. Sie konnten ganz ohne Eigenleistung Zulagen bekommen.

Die Höhe der Förderung für den Ehepartner ist aber heute wie früher abhängig von der Einzahlung des Riester-Sparers, mit dem er verheiratet ist. Dieser muss – zusammen mit den Zulagen – mindestens 4 Prozent seines rentenversicherungspflichtigen Vorjahresbruttoeinkommens in seinen Vertrag einzahlen. Dann bekommt auch der Ehepartner die Zulage in voller Höhe.

Beispiel Im Jahr 2011 hat ein Mann 50 000 Euro brutto verdient, 4 Prozent davon sind 2 000 Euro. So viel muss im Jahr 2012 aus Zulagen und Eigenbeitrag zusammenkommen, damit der Mann die Förderung ungekürzt erhält. In dieser Rechnung zählen alle Zulagen mit – die eigene des Mannes, die der mittelbar förderberechtigten Frau sowie eventuelle Zulagen für Kinder.

Haben die beiden ein Kind, das nach 2007 geboren wurde, sind das 300 Euro Zulage für das Kind und je 154 Euro für beide Erwachsene, zusammen 608 Euro. Der Mann müsste von den 2 000 Euro nur 1 392 Euro selbst beisteuern.

Zahlt der Mann nur halb so viel ein, gibt es die Zulagen nur zur Hälfte. Auch die mittelbar förderberechtigte Frau erhält nur die halbe Zulage – selbst wenn sie mehr als die 60 Euro einzahlt, die mindestens von ihr gefordert sind.

Steuervorteile gibts nur zusammen

Riester-Steuervorteile können mittelbar Förderberechtigte nur zusammen mit ihrem Ehepartner nutzen, denn er hat den Hauptvertrag. Nur er darf Beiträge und Zulagen als Sonderausgaben bis zur Obergrenze von 2 160 Euro beim Finanzamt geltend machen, selbst wenn er gar nicht der Hauptverdiener der Familie ist.

Auch die Obergrenze von 2 160 Euro ist seit Anfang dieses Jahres neu. Sie gilt nur für Ehepaare mit einem mittelbar förderberechtigten Partner. Für allen anderen Riester-Sparer beträgt sie weiterhin 2 100 Euro jährlich pro Kopf.

Riestern bei Arbeitslosigkeit

Nicht immer ist das Leben ohne Job freiwillig gewählt. Der Gesetzgeber hat extra vorgesehen, dass eine zusätzliche Altersvorsorge mit Riester möglichst wenig unter Phasen von Arbeitslosigkeit leiden soll.

Zunächst einmal gilt wie immer: Solange Sparer in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind, haben sie Anspruch auf Riester-Förderung – also auch dann, wenn sie ihren Job verlieren und auf Arbeitslosengeld I angewiesen sind. Empfänger von Arbeitslosengeld I sind gewöhnlich automatisch in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert.

Empfänger von Arbeitslosengeld II sind zwar nicht pflichtversichert, sie werden den Pflichtversicherten aber gleichgestellt und können die Riester-Förderung nutzen.

Problematisch kann der hohe Mindesteigenbetrag sein, den Sparer im ersten Jahr ihrer Arbeitslosigkeit noch in den Riester-Vertrag einzahlen müssen, um die volle Förderung zu erhalten.

Wer zum Beispiel 50 000 Euro brutto im Jahr 2011 verdient hat und im Jahr 2012 arbeitslos ist, muss 2012 dennoch 2 000 Euro in den Riester-Vertrag fließen lassen, um die volle Zulage zu erhalten. Denn der Mindesteigenbeitrag berechnet sich immer aus dem Einkommen des Vorjahrs.

Ein Jahr später passt sich der Mindesteigenbeitrag der neuen finanziellen Situation an – auch wenn der Sparer dann vielleicht schon wieder einen neuen Job hat.

Riester-Sparer, die den vollen Beitrag nicht aufbringen, dürfen weniger einzahlen und bekommen dann weniger Zulage. Notfalls setzen sie eine Zeit lang aus und verzichten auf die Zulagen . Das ist allemal besser, als zu kündigen (siehe „Flexible Förderung“).

Riester-Vermögen geschützt

Für das Arbeitslosengeld I, das im Anschluss an den Arbeitsplatzverlust gezahlt wird, spielt persönliches Vermögen keine Rolle. Bei der Auszahlung von Arbeitslosengeld II wird es dagegen angerechnet. Hier haben Riester-Sparer einen Vorteil, denn das angesparte Riester-Vermögen ist davon ausgenommen. Geldanlagen wie Festgeld, Sparbücher und Aktien müssen sie dagegen je nach Alter bis auf einige tausend Euro für ihren Lebensunterhalt einsetzen, bevor sie die staatlichen Leistungen für Arbeitslose bekommen.

Riestern bei Erwerbsunfähigkeit

Neben Arbeitslosigkeit können lange Krankheit oder Erwerbsunfähigkeit Menschen in finanzielle Schwierigkeiten und die Altersvorsorge in Schieflage bringen.

Solange Sparer Krankengeld beziehen, bleibt ihr Anspruch auf Riester-Förderung bestehen. Der Mindesteigenbetrag, den sie in ihren Vertrag einzahlen müssen, passt sich aber erst im darauffolgenden Jahr ihrem geringeren Einkommen an.

Auch wer eine Rente wegen voller Erwerbsminderung oder Erwerbsunfähigkeit erhält, kann seit 2008 staatlich gefördert riestern. Voraussetzung ist, dass er unmittelbar vor dem Bezug der Erwerbsminderungsrente in der gesetzlichen Rentenversicherung versicherungspflichtig war.

Altersvorsorge für Helfer

Auch Sparer, die nicht arbeiten, weil sie einen Angehörigen pflegen, können die staatliche Förderung bekommen. Das geht, wenn sie sich mindestens 14 Stunden wöchentlich nicht erwerbsmäßig zuhause um einen pflegebedürftigen Menschen kümmern und die Pflegeversicherung die Rentenversicherungsbeiträge bezahlt.

Kristina Grochowski hat sich für einen Riester-Vertrag entschieden, weil sich die Förderung verschiedenen Lebenssituationen anpasst und sie so als Erziehende davon profitieren kann.

„Ich hatte ein gutes Vorbild“, sagt sie, „meinen Mann.“ Ihr Mann Berthold riestert schon seit vielen Jahren. Auch er hat vergangenes Jahr Elternzeit genommen.

Serie Riester-Rente

Bereits erschienen:

Riester-Vertrag abschließen, Finanztest 01/2012

Nächste Folge:

– Mit der richtigen Beratung zum guten Vertrag 3/2012

Dieser Artikel ist hilfreich. 274 Nutzer finden das hilfreich.