Serie Riester-Rente, Teil 1: Abschluss Special

Kunden können noch in diesem Jahr einen Riester-Vertrag schließen und die Förderung für 2011 mitnehmen. Bei einigen Anbietern ist dies noch bis Silvester möglich. Bei anderen ist früher Schluss.

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Eigentlich wollte Bettina Neuhaus damals noch die Riester-Förderung für das ganze Jahr mitnehmen. Kurz vor Jahresende 2006 wollte sie einen Riester-Vertrag unterschreiben. Der Berater verkaufte ihr eine fondsgebundene Rentenversicherung der Gothaer. Doch die Vertragslaufzeit begann erst im Januar 2007. „Damit war die Förderung für 2006 verloren“, ärgert sich die Berlinerin.

„Wenn uns die Antragsunterlagen bis zum 22. Dezember um zwölf Uhr vorliegen, beginnt der Vertrag noch in diesem Jahr“, sagt Jürgen Fuchs, Leiter der Abteilung Betrieb/Leistung der Gothaer. Warum dies 2006 bei Bettina Neuhaus nicht geklappt hat, lässt sich heute nur noch schwer nachvollziehen.

Womöglich stellte sie erst in den letzten Dezembertagen einen Antrag. Oder der Vermittler reichte die Unterlagen zu spät weiter. Die Gothaer sagt, der Antrag sei erst am 2. Januar unterschrieben worden.

Annahmeschluss nicht einheitlich

Einen einheitlichen Stichtag für die letzten Verträge eines Jahres gibt es nicht. Je nach Anbieter ist früher oder später Annahmeschluss. Bei der Debeka muss der Antrag „spätestens bis zum 30. Dezember 2011 unterschrieben in der Antragsabteilung vorliegen“, sagt Unternehmenssprecherin Dorothee Hoffmeier. So ist es auch bei DWS und Union Investment – beides Anbieter von Riester-Fondssparplänen.

Auch bei der Volksbank Gronau Ahaus gilt der 30. Dezember, dennoch nennt sie Kunden den 22. Dezember als „Empfehlung für den letzten Versand“ der Antragsunterlagen, sagt Nico Thesing, Sprecher der Bank. Der Riester-Banksparplan der Volksbank war in unserem jüngsten Test einer der besten. Anträge kommen daher nicht nur aus der näheren Umgebung, sondern auch von weither.

Bei der Sparkasse Detmold müssen die Antragsunterlagen sogar schon am 15. Dezember vorliegen, damit der Riester-Banksparplan noch 2011 beginnt.

Beim Direktversicherer CosmosDirekt können Kunden online bis zum 31. Dezember einen Versicherungsantrag stellen. Bei schriftlich eingereichten Anträgen ist schon früher Schluss: Sie müssen bis zum 28. Dezember bei CosmosDirekt eingegangen sein.

Direkt am Postschalter können Kunden der Postbankversicherung (PBV) an Silvester, einem Samstag, noch einen Vertrag abschließen. Die PBV bietet beispielsweise eine der ganz wenigen fondsgebundenen Riester-Versicherungen an, die wenigstens mit Einschränkungen zu empfehlen sind.

Nicht unter Druck setzen lassen

Wichtig ist , nicht blindlings Vertretern oder Bankberatern zu vertrauen. Sie verdienen zum Beispiel deutlich mehr, wenn sie eine Versicherung oder einen Fondssparplan verkaufen als einen Banksparplan. Kunden sollten deshalb selbst vergleichen und ein gutes Angebot wählen.

In unseren Tests der Riester-Rentenversicherungen ermitteln wir stets große Unterschiede bei der garantierten Rente und beim Kapitalanlageerfolg der Versicherer. Diese Unterschiede können sich während der gesamten Rentenlaufzeit auf weit mehr als 10 000 Euro Rente summieren.

Im Zweifel sollten Kunden warten, anstatt überhastet einen schlechten Vertrag zu unterschreiben. Wer jedoch ein gutes Angebot gefunden hat, sollte noch 2011 zugreifen. Dies hat neben der Förderung für 2011 noch einen anderen Vorteil: Die Riester-Rente kann schon mit 60 Jahren beginnen. Bei Verträgen, die ab 2012 geschlossen werden, beginnt die Rente frühestens mit 62 Jahren. Außerdem sinkt der Garantiezins für ab 2012 neu geschlossene Rentenversicherungen von 2,25 Prozent auf 1,75 Prozent.

4 Prozent für die volle Förderung

Um die volle staatliche Förderung zu nutzen, müssen Riester-Sparer jährlich 4 Prozent ihres Bruttoeinkommens des Vorjahres einzahlen – höchstens jedoch 2 100 Euro. Bei 50 000 Euro Einkommen sind 2 000 Euro nötig. Die Grundzulage und eventuelle Kinderzulagen werden mitgerechnet.

Hat der Sparer zum Beispiel zwei Kinder, die nach 2007 geboren sind, bekommt er für sie 600 Euro Zulage. Mit der Grundzulage von 154 Euro kommt er auf eine Förderung von 754 Euro. Er muss deshalb zu den 2 000 Euro Einzahlung selbst nur 1 246 Euro beisteuern. Kunden, die weniger einzahlen als ihrem Einkommen entspricht, erhalten nur anteilig gekürzte Zulagen. Manche Riester-Kunden zahlen aber gezielt mehr in ihren Vertrag ein. Denn die volle steuerliche Förderung ist erst mit 2 100 Euro ausgeschöpft. Außerdem sind Riester-Verträge von der Abgeltungsteuer befreit und die Mindestgarantie gilt auch für extra gezahlte Beiträge bis 2 100 Euro: Alle Einzahlungen und Zulagen müssen zu Anfang der Auszahlphase mindestens noch da sein.

Die Garantie ist vor allem für Fondssparer interessant, denn die Sicherheit, dass für die Auszahlung mindestens die Einzahlungen vorhanden sein müssen, bieten Fondssparpläne ohne Riester-Förderung nicht.

Ist das Gehalt so niedrig, dass die Zulagen allein schon mehr als 4 Prozent des versicherungspflichtigen Bruttoeinkommens ausmachen, muss der Riester-Sparer trotzdem 60 Euro im Jahr einzahlen. Das ist der Sockelbetrag, den jeder Förderberechtigte neuerdings mindestens selbst aufbringen muss. Sogar dann, wenn er gar nichts verdient, zum Beispiel als Hausfrau oder -mann oder während der Elternzeit. Wer zu wenig in seinen Vertrag eingezahlt hat, um die volle Zulage zu erhalten, kann den fehlenden Betrag nach Ablauf des Beitragsjahres nicht mehr nachzahlen. Er bekommt nur die gekürzte Zulage. Auch aus diesem Grund kann es sinnvoll sein, mehr als 4 Prozent des Einkommens in den Riester-Vertrag einzuzahlen. Dann muss ein Sparer, der jedes Jahr etwas Gehaltserhöhung bekommt, seinen Riester-Beitrag nicht ständig anpassen.

Bettina Neuhaus hat bei ihrem Versicherer einen Dauerzulagenantrag gestellt (siehe „Unser Rat“). Damit hat sie dafür gesorgt, dass sie die Zulage vom Staat jedes Jahr bekommt und dass sie sich im Weihnachtsstress nicht auch noch darum kümmern muss.

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