Serie Rentner und Pensionäre, Teil 5: Künftige Steuern einplanen

Je jünger Menschen sind, desto mehr Steuern müssen sie später als Rentner oder Pensionär zahlen. Wir zeigen, wie sie richtig für ihr Alter sparen.

Für die 70-jährige Rita Weber kam der Schock schon im Jahr 2005. Von heute auf morgen sank der steuerfreie Teil ihrer gesetzlichen Rente von 73 auf 50 Prozent. Schuld war das neue Alterseinkünftegesetz.

Rita Weber konnte den Einschnitt verkraften, denn sie hat mit ihrem verstorbenen Mann gut für das Alter vorgesorgt. Die Witwe muss deshalb auch eine Steuererklärung abgeben. Kommt ihr Steuerbescheid, prüft sie, ob er zur gesetzlichen Rente, die offiziell Leibrente heißt, einen Vorläufigkeitsvermerk enthält. Die Gerichte müssen klären, ob die höhere Besteuerung verfassungsgemäß ist. Sollten sie diese rückwirkend kippen, können Rentner mit Vorläufigkeitsvermerk Erstattungen erwarten.

Mehr Sorgen macht sich Rita Weber aber um ihre Kinder und Enkel. Je jünger sie sind, desto mehr Steuern müssen sie später für ihre Renten, Pensionen und Nebeneinkünfte zahlen. Ihre Rentenlücke wird viel größer sein. Darum geht es in diesem letzten Teil der Serie für Rentner und Pensionäre.

Freibeträge für Rentner

Tochter Ute ist Projektmanagerin in einem Medienunternehmen und im September 50 Jahre alt geworden. Sie kann regulär im Jahr 2025 in Ruhestand gehen und muss damit rechnen, dass sie für ihre gesetzliche Rente nur noch 15 Prozent als Freibetrag erhält. Hat sie zum Rentenbeginn 14 000 Euro im Jahr, sind 2 100 Euro steuerfrei.

Utes 18-jähriger Sohn Benjamin wird im Jahr 2040 noch kein Rentner sein. Er muss sich darauf einstellen, dass seine gesetzliche Rente später voll steuerpflichtig ist.

Erhalten Mutter und Sohn eine Rente aus Versorgungswerken oder Rürup-Verträgen, sieht die Situation genauso aus.

Steuerpflicht für Pensionäre

Pensionen, die Beamte und Angestellte auf Steuerkarte beziehen, bleiben ebenfalls nicht von dem Alterseinkünftegesetz verschont. Die Freibeträge sinken in den nächsten 30 Jahren ebenfalls bis auf null (siehe Tabelle: Beamten- und Firmenpensionen).

Bezieht die 50-jährige Ute Weber später eine Firmenpension auf Steuerkarte, die im Jahr 2025 beginnt, erhält sie 12 Prozent als Versorgungsfreibetrag, jedoch maximal 900 Euro im Jahr. Dazu kommt ein Zuschlag von 270 Euro, sodass höchstens 1 170 Euro Pension im Jahr steuerfrei sind.

Sohn Benjamin erhält später gar keine Freibeträge mehr, weil er im Jahr 2040 noch arbeiten wird.

Entlastung für Nebeneinkünfte

Auch vom Altersentlastungsbetrag werden Schüler wie Benjamin nichts mehr haben.

Großmutter Rita Weber erhält ihn für ihre Nebeneinkünfte. Wenn sie zur Rente oder Pension noch Arbeitslohn verdienen würde, wäre dieser ebenfalls begünstigt.

Das Finanzamt zieht den Altersentlastungsbetrag das erste Mal für das Jahr ab, in dem Rentner und Pensionäre am 1. Januar 64 Jahre alt sind. Für jeden Jahrgang, der dieses Lebensjahr neu erreicht, sinkt die Entlastung (siehe Tabelle: Nebeneinkünfte).

Hat Rita Weber letztes Jahr 9 000 Euro Miete erzielt, gehen davon Abschreibungen, Instandsetzungs- und andere Werbungskosten ab. Sind es 2 500 Euro, erzielt die 70-Jährige 6 500 Euro Mieteinkünfte. Davon sind 1 900 Euro steuerfrei, weil sie Anfang 2005 bereits über 64 Jahre alt war.

Tochter Ute kann den Altersentlastungsbetrag erstmals im Jahr 2024 erhalten und von ihren Nebeneinkünften höchstens noch 608 Euro im Jahr steuerfrei kassieren.

Neue Rechnung für Sparer

Seit der Einführung der Abgeltungsteuer von 25 Prozent erhalten Anleger den Altersentlastungsbetrag für ihre Kapitaleinkünfte nur noch, wenn sie relativ wenig Einkommen versteuern müssen.

Ist das bei Rita Weber der Fall, gibt sie ihre Zinsen in der Steuererklärung an. Damit erreicht sie, dass ihr Finanzamt den Altersentlastungsbetrag berücksichtigt und zu hohe Abgeltungsteuern zurückzahlt.

Als groben Richtwert können Rentner und Pensionäre sich merken: Wenn sie inklusive Kapitaleinkünften Einkommen unter 15 000 Euro (Ehepaare unter 30 000 Euro) versteuern müssen, ist ihr Grenzsteuersatz niedriger als 25 Prozent. Mit Altersentlastungsbetrag können sich Kapitaleinnahmen in der Steuererklärung auch mit etwas höherem Einkommen lohnen. Unsichere geben einfach alles an. Dann erhalten sie vom Finanzamt die beste Lösung.

Ist die Abgeltungsteuer günstiger als der persönliche Grenzsteuersatz, können Rentner und Pensionäre den Altersentlastungsbetrag für andere Nebeneinkünfte nutzen. Rita Weber versteuert in diesem Fall 1 900 Euro weniger von ihren Mieteinkünften.

Aktien und Fonds für die Rente

Der 18-jährige Benjamin weiß, dass er später längst nicht so viel Rente, Pension und Nebeneinkünfte steuerfrei erhält wie seine Mutter und Großmutter. Ihm ist klar, dass er für seine Rente viel Geld sparen muss.

Für junge Leute wie Benjamin sind Fondssparpläne sehr attraktiv. Die Chance auf eine überdurchschnittliche Rendite ist höher als bei jeder sicheren Geldanlage. Je länger der Zeitraum, desto eher lassen sich Verluste vermeiden.

In den ersten Sparjahren kann die Börsenentwicklung Benjamin egal sein, denn über die Wertentwicklung entscheidet der langfristige Verlauf. Schafft er es, den Sparplan in ferner Zukunft direkt nach mehreren guten Börsenjahren zu beenden, hat er beste Aussichten auf eine hohe Rendite. Fondssparpläne sind außerdem äußerst flexibel. Man kann jederzeit ein- oder aussteigen und meist auch die Höhe der Sparraten kurzfristig ändern.

Auf die meisten von Finanztest gut bewerteten Aktienfonds gibt es auch Sparpläne. Allerdings eignen sich für Normalanleger nur breitgestreute Fonds, die weltweit oder zumindest europaweit investieren. Die zurzeit besten Aktienfonds Welt und Europa stehen im Produktfinder Investmentfonds.

Interessiert Benjamin sich nicht für Börsen im Allgemeinen und Fonds im Speziellen, sind für ihn Sparpläne auf Indexfonds eine gute Alternative. Damit nimmt er exakt an der Wertentwicklung eines Indexes teil: zum Beispiel am deutschen Dax oder europäischen Euro Stoxx 50. Besser sind allerdings umfassendere Indizes wie der globale MSCI Welt oder der breite Europa-Index DJ Stoxx 600. Sparpläne auf Indexfonds gibt es bisher vor allem von Direktbanken.

Auch für ältere Anleger wie Ute Weber müssen Aktienfonds nicht tabu sein. Allerdings sollten sie nur Summen investieren, die sie notfalls entbehren könnten. So haben sie die Chance, durch bessere Renditen die spätere Rente aufzupeppen.

Bei dem Finanzamt sind Kursgewinne aus Fondssparplänen Kapitaleinnahmen, wenn Ute Weber die Anteile 2009 oder später gekauft hat. Sie zahlt dafür 25 Prozent Abgeltungsteuer, wenn der Sparerpauschbetrag überschritten ist. Dasselbe gilt für ihre Dividenden. Ist der persönliche Grenzsteuersatz niedriger als 25 Prozent, nimmt das Finanzamt diesen. Ist er höher, kommt Ute Weber mit der Abgeltungsteuer besser weg. Verluste kann sie mit anderen Kapitaleinkünften verrechnen lassen.

Riester-Vertrag für das Alter

Ute Weber spart aber lieber mit Hilfe vom Staat für die Rente. Als Arbeitnehmerin hat sie Anspruch auf Riester-Förderung und dafür den passenden Vertrag geschlossen.

Die Rente daraus ist später voll steuerpflichtig. Im Gegenzug zahlt der Staat Zulagen in den Vertrag ein: 154 Euro für jeden persönlich und 185 Euro für jedes Kind, für das Anspruch auf Kindergeld besteht. Für seit 2008 geborene Kinder beträgt die Zulage 300 Euro. Viele Riester-Sparer profitieren außerdem von Steuerersparnissen.

Die Förderung lohnt sich für Jüngere genauso wie für Ältere, für Gutverdiener ebenso wie für Sparer mit relativ geringem Einkommen. Sie erhalten sie aber nur für Einzahlungen bis 2 100 Euro im Jahr.

Junge Leute investieren ihr Geld am besten in einen Riester-Fondssparplan, weil sie damit an den Renditechancen der Börseninvestments teilhaben können, die im Vergleich zum Festzinssparen höher sind.

Für Ute Weber kann sich auch eine kostengünstige Riester-Rentenversicherung mit garantierter Mindestverzinsung von derzeit 2,25 Prozent lohnen, wenn sie den Vertrag durchhält.

Durchhalten können am ehesten Anleger mit langfristig sicherem Einkommen, die zwischen 40 und 50 Jahren einen Vertrag beginnen. Wer aussteigt oder zwischendurch weniger oder gar nichts einzahlt, tappt bei Versicherungen in eine Kostenfalle, die die Rendite verdirbt.

Für Einsteiger über 50 Jahre ist ein Riester-Banksparplan erste Wahl, denn damit sind sie auf der ganz sicheren Seite. Es geht immer aufwärts und Kosten fallen nicht an.

Klassische Riester-Rentenversicherungen haben wir schon im Oktober-Heft getestet. Über Riester-Verträge mit Fonds informieren wir in dieser Ausgabe und Banksparpläne folgen in der Dezember -Ausgabe.

Rente vom Chef

Arbeitnehmer wie Ute Weber können dieses Jahr auch bis zu 2 592 Euro Lohn für eine Direktversicherung, Pensionskasse oder einen Pensionsfonds der Firma abzweigen. Wer maximal 44 100 Euro brutto verdient, spart auch alle Sozialabgaben. Für höhere Löhne bis 54 600/64 800 Euro (neue/alte Bundesländer) fällt zumindest die Arbeitslosen- und Rentenversicherung weg.

Dafür ist die Rente oder Kapitalauszahlung später voll steuerpflichtig. Auch Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge sind fällig, wenn die versicherungspflichtigen Einnahmen unter der Bemessungsgrenze für die Krankenversicherung liegen.

Betriebsrenten können sich trotzdem rechnen – vor allem, wenn sie der Arbeitgeber mitfinanziert oder Arbeitnehmer für den Beitrag alle Sozialabgaben sparen.

Manchmal spricht allerdings die berufliche Planung gegen eine Betriebsrente. Ist der Arbeitsplatz gefährdet oder ein Jobwechsel geplant? Das kann trotz verbesserter Mitnahmemöglichkeiten zu Einbußen bei der späteren Rente führen.

Mit Rürup sparen

Eine Alternative sind Rürup-Rentenversicherungen. Hier sind relativ hohe Einzahlungen steuerfrei. Die Höhe hängt bei Arbeitnehmern, deren gesetzliche Rente der Arbeitgeber zur Hälfte mitfinanziert, vom Bruttolohn ab. Verdient Ute Weber 40 000 Euro, kann sie bis zu 12 040 Euro Beitrag absetzen. So viel ist es bei anderen Löhnen:

So viel Rürup-Beitrag wird 2009 gefördert
Bruttolohn (Euro): Höchstbetrag (Euro)
Alleinstehende
20 000: 16 020
30 000: 14 030
40 000: 12 040
50 000: 10 050
ab 54 600 (neue Bundesländer): 9 135
ab 64 800 (alte Bundesländer): 7 105

Ehepaare
40 000: 32 040
50 000: 30 050
60 000: 28 060
70 000: 26 070
80 000: 24 080
90 000: 22 090
100 000: 20 100

Auch für Beamte gelten die Höchstbeträge. Ehepaare können damit rechnen, wenn kein Partner über 64 800 / 54 600 Euro (alte/neue Bundesländer) verdient.

Für Angestellte ist eine Riester- oder geförderte Firmenrente trotzdem besser als die sehr unflexible Rürup-Rente. Selbstständige können sie aber ruhig ins Auge fassen. Durch die Steuerersparnis sind höhere Renditen als mit vergleichbaren privaten Verträgen möglich, wenn sie die Beiträge bis zur Rente wie vereinbart zahlen.

Verträge gibt es fast nur bei den Lebensversicherern. Günstig sind Angebote mit hoher garantierter Rente. Sieger unserer Untersuchung klassischer Rürup-Renten waren 2008 Angebote der CosmosDirekt, Europa und Debeka.

Serie Rentner und Pensionäre
Bereits erschienen:
Freibeträge für Rentner und Pensionäre 7/09
Steuererklärung ja oder nein 8/09
Schritt für Schritt durch die Formulare 9/09
 – Steuerbescheid 10/09

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