Nichtveranlagungsbescheinigung: So bleiben hohe Kapitaleinnahmen steuerfrei

Viele Rentner und Pensionäre können Kapitaleinnahmen über dem Sparerpauschbetrag frei von Abgeltungsteuer kassieren. Sie müssen bei ihrer Bank nur eine Nichtveranlagungsbescheinigung vorlegen.

Mit einer Nichtveranlagungsbescheinigung bleiben auch hohe Beträge aus Zinsen, Dividenden und Verkaufsgewinnen von Wertpapieren von der Abgeltungsteuer verschont. Rentner und Pensionäre können das Papier beim Finanzamt beantragen, wenn sie nicht zur Einkommensteuer veranlagt werden.

Für Rentner lohnt sich der Antrag zum Beispiel, wenn sie zur gesetzlichen Rente noch Zinsen beziehen und ihre Einkünfte 2009 nicht höher als 7 834 (Ehepaare: 15 669) Euro im Jahr sind.

Für Pensionäre ist der Antrag sinnvoll, wenn sie eine Pension auf Steuerkarte mit der Steuerklasse I oder IV beziehen und höchstens noch Kapitaleinkünfte von jährlich 410 Euro haben.

Chance für Rentner

Nehmen wir eine 70-jährige Witwe, die seit 2005 in Rente ist. Sie bekommt im Jahr 2009 nach drei Erhöhungen 13 290 Euro gesetzliche Rente. Davon sind 6 430  Euro steuerfrei, das ist die Hälfte ihres Rentenbetrags von 2005. Dem Finanzamt bleiben 6 860  Euro und davon geht noch eine Werbungskostenpauschale von 102 Euro ab.

Kommt nichts dazu, hat die Witwe steuerpflichtige Einkünfte von 6 758 Euro. Weil der Grundfreibetrag von 7 834 Euro höher ist, verlangt das Finanzamt keine Steuererklärung.

Die Frau kann sogar noch 2 594 Euro Kapitaleinnahmen haben, ohne dass sie zum Fall für das Finanzamt wird:

Zinsen 2 594 Euro
Sparerpauschbetrag – 801 Euro
Einkünfte 1 793 Euro
Altersentlastungsbetrag (40 Prozent von 1 793 Euro) –717 Euro
Kapitaleinkünfte 1 076 Euro
Restlicher Grundfreibetrag (7 834 – 6 758 Euro) –1 076 Euro
Zu versteuern 0 Euro

Die Kapitaleinnahmen bleiben von der Abgeltungsteuer verschont, wenn die Frau ihrer Bank eine Nichtveranlagungsbescheinigung vorlegt.

Chance für Pensionäre

Auch ein Pensionär, der seine Pension auf Steuerkarte mit Steuerklasse I für Alleinstehende oder IV für Ehepartner bezieht, wird nicht zur Einkommensteuer veranlagt. Er kann noch Kapitaleinkünfte bis 410 Euro im Jahr haben, ohne dass er eine Steuererklärung abgeben muss.

War der Pensionär Anfang 2009 mehr als 64 Jahre alt, erhält auch er zum Sparerpauschbetrag noch den Altersentlastungsbetrag. So muss er mit Zinsen bis 1 484 Euro immer noch keine Steuererklärung machen.

Zinsen 1 484 Euro
Sparerpauschbetrag –801 Euro
Einkünfte 683 Euro
Altersentlastungsbetrag (40 Prozent von 683 Euro) –273 Euro
Kapitaleinkünfte 410 Euro

Chance für viele

Es gibt auch Rentner und Pensionäre, die zur Steuererklärung verpflichtet sind, hinterher aber keine Steuern zahlen müssen. Ihr Einkommen ist 2009 nicht höher als der Grundfreibetrag von 7 834 (Ehepaare 15 669) Euro, weil sie noch Versicherungsbeiträge, Arztkosten und andere Ausgaben absetzen können. Auch sie können sich ihre Nichtveranlagung (NV) zur Einkommensteuer bescheinigen lassen.

Sollte das Finanzamt die NV-Bescheinigung versagen, können Anleger auf das Ende des zweiseitigen Antrags verweisen. Dort steht: „Sie haben grundsätzlich Anspruch auf die Ausstellung einer NV-Bescheinigung, wenn Ihr Einkommen einschließlich Kapitalerträge ... den Grundfreibetrag je Person nicht übersteigt“.

Wichtige Angaben

Am Anfang des Antrags wird gefragt, für welches Jahr die NV-Bescheinigung das erste Mal gelten soll. Das kann 2009 aber auch erst das Jahr 2010 sein.

Am Ende der ersten Seite ist die Anzahl der benötigten Bescheinigungen wichtig. Rentner und Pensionäre erhalten sie als Original oder beglaubigte Kopie. Wenn sie das Original zur Bank mitbringen, müssen sie dort nur eine unbeglaubigte Kopie lassen, auf der vermerkt wird, dass das Original vorlag. Das ergibt sich aus einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums (Az. IV C 1 – S 2400 – 23/02, Bundessteuerblatt 2002 Teil I, S. 1346).

Auf Seite zwei gehören die erwarteten Einnahmen und Einkünfte des Jahres, in dem die Bescheinigung erstmals gelten soll. Belege sind kaum nötig, helfen aber, Nachfragen zu vermeiden.

Ebenfalls wichtig ist auf der zweiten Seite die Frage nach den Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen. Jeder gibt dort seine Krankenversicherungsbeiträge, Kirchensteuern, Spenden, Arztkosten, Praxisgebühren und anderen Ausgaben an, die er absetzen kann. Dadurch sinkt das Einkommen, das zu versteuern ist.

NV-Bescheinigungen gelten drei Jahre. Das Finanzamt kann den Zeitraum aber verkürzen, wenn sich abzeichnet, dass die Einkünfte steigen werden.

Erkennen Rentner und Pensionäre, dass ihnen keine NV-Bescheinigung mehr zusteht, müssen sie ihre zurückgeben. Ändern sich die Verhältnisse nicht, können sie dagegen immer wieder drei Jahre Verlängerung erhalten.

Tipp: Den Vordruck NV 1 A für die ­Bescheinigung erhalten Sie beim ­Finanzamt oder unter https://www.formulare-bfinv.de. Sie können das Formular am PC ausfüllen, müssen es aber ausdrucken, unterschreiben und dem Finanzamt auf traditionellem Weg zukommen lassen.

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