Rentner und Pensionäre wollen endlich ihre lästige Pflicht erfüllen und ihre Steuererklärung machen. Wir führen sie Schritt für Schritt durch die Formulare.

Auf der Gartenparty ist die Steuer Thema. Am 1. Juli gab es eine Rentenerhöhung. Manche Musiker aus der Gitarrengruppe des Seniorenchores glauben, dass sie nun bestimmt Steuern zahlen müssen.

Sie wollen sich schlaumachen. Aber wo? Der Rentenversicherer schreibt: „... zu Einzelheiten der Besteuerung wenden Sie sich bitte an das zuständige Finanzamt.“

Aber das Finanzamt blocke Rentner ab, erzählt eine Frau aus der Runde. Als sie dort fragte, was sie tun müsse, wenn sie nichts weiter als die gesetzliche Rente habe, drückte ihr eine Dame das Formular „Anlage R“ in die Hand und sagte:. „Beim Ausfüllen fragen Sie am besten Ihre Kinder.“

Gerade das Formular für Renten strotzt vor Steuerlatein. Kein Wunder, dass in einer Stichprobe in Nordrhein-Westfalen 40 Prozent der Steuererklärungen von Rentnern falsch waren. Viele hatten ihre Krankenversicherungsbeiträge nicht eingetragen und hätten deshalb zu viel Steuern gezahlt.

Damit so etwas nicht passiert, führen wir anhand der Steuererklärung eines Rentners aus Westfalen durch die Formulare.

Schritt für Schritt

Der 70-jährige Oskar Fritsche ging schon mit 63 Jahren in Rente, weil er schwerbehindert ist. Neben der gesetzlichen Rente von gut 1 000 Euro im Monat bekommt er 400 Euro VBL-Rente von der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder. Außerdem hatte er im Jahr 2008 Zinsen über dem Sparerfreibetrag von 801 Euro.

Fritsche muss eine Steuererklärung machen, weil seine Einkünfte die steuerfreie Grenze von 7 664 Euro für 2008 (2009: 7 834 Euro) übersteigen. Ob er wirklich Steuern zahlen muss, zeigt sich aber erst am Ende der Abrechnung.

Zuerst legt sich der Rentner die Formulare zurecht: Die Anlage R für seine Renten, den Mantelbogen für seine persönlichen Angaben und Krankheitskosten. Diese beiden Formulare brauchen alle Rentner. Fritsche muss außerdem die Anlage KAP für Kapitalerträge ausfüllen, weil er Zinsen über dem Sparerfreibetrag hatte.

Seit die Steuerpflicht für Renten im Jahr 2005 verschärft wurde, gibt es die Anlage R für alle gesetzlichen und privaten Renten und für Betriebsrenten.

Pensionen von der ehemaligen Firma, Pensionen und Versorgungsbezüge von Beamten gehören nicht in die Anlage R. Beamte oder Werkspensionäre übertragen die Angaben aus ihrer besonderen Lohnsteuerbescheinigung in die Anlage N.

Die ersten wichtigen Zeilen

Fritsche muss seine Renten in die Anlage R eintragen. Ab Zeile 4 geht es los mit „Leibrenten“. Dieser mittelalterliche Begriff meint nichts anderes als ganz normale Renten, die meist lebenslang gezahlt werden, zum Beispiel die gesetzliche Rente.

Jede Rentenart ist im Formular mit einer Zahl verschlüsselt. Zum Beispiel steht „1“ für gesetzliche Renten, „2“ für landwirtschaftliche Alterskassen. Der Westfale hat eine gesetzliche Rente und trägt deshalb in das Kästchen in Zeile 4 eine „1“ ein.

Bekäme er noch eine weitere gesetzliche Rente, beispielsweise eine Witwerrente, müsste er sie in der Spalte daneben unter „2. Rente“ angeben.

In Zeile 5 fragt das Finanzamt nach der Rentenhöhe. Hier muss Fritsche wie die meisten den Bruttobetrag vor Abzug der Kranken- und Pflegeversicherung eintragen und nicht die ausgezahlte Rente.

Nur wenn die Rentenkasse den Beitrag nicht direkt von der Rente an die Krankenkasse überweist, sondern einen Zuschuss auszahlt – zum Beispiel für Privatversicherte – bleibt dieser außen vor. Diese Rentner geben den Rentenbetrag ohne Zuschüsse an, weil sie steuerfrei sind.

Fritsche entnimmt seine monatliche Bruttorente der letzten Rentenmitteilung aus dem Jahr 2008. Im Juli 2008 erhöhte sich die Rente. So errechnet sich sein Rentenbetrag:

Januar bis Juni 2008 je 1 005 Euro
Bruttorente: 6 x 1 005 Euro 6 030 Euro
Juli bis Dezember je 1 016 Euro Bruttorente: 6 x 1 016 Euro 6 096 Euro
= Rentenbetrag 2008 in Zeile 5: 12 126 Euro

Zum Rentenbetrag gehören auch Nachzahlungen aus dem Jahr 2008. Nachzahlungen für mehrere Jahre sind außerdem nochmal in Zeile 10 einzutragen.

Damit nicht genug. In Zeile 6 will das Finanzamt für die Zeit nach 2005 wissen, wie stark die Rente nach dem Jahr des Rentenbeginns gestiegen ist. Auch Fritsche, der 2005 längst Rentner war, muss nur die Erhöhungen seit 2006 eintragen: Im Jahr 2006 gab es keine Steigerung, am 1. Juli 2007 stieg die gesetzliche Rente um 0,54 Prozent, am 1. Juli 2008 um 1,1 Prozent. Fritsches Rente erhöhte sich um 126 Euro:

Rentenerhöhung in Anlage R Seite 1 Zeile 6

Rentenbruttobetrag 2008 in Zeile 5: 12 126 Euro
Rentenbruttobetrag 2005 12 000 Euro
Rentenerhöhung in Zeile 6: 126 Euro

Die Behörde erfasst die Erhöhungen seit Ende 2005, weil diese Teile der Rente voll steuerpflichtig sind. Nur für die Ausgangsrente ermittelt das Finanzamt einen Freibetrag, der je nach Rentenbeginn maximal 50 Prozent beträgt und für immer feststeht.

Tipp: Die Rentenerhöhung entnehmen Sie Ihren Rentenbescheiden oder Sie fragen Ihre Rentenkassen. Lassen Sie sich auch eine Kopie der Rentenbezugsmitteilung schicken, die der Versicherer dem Finanzamt ab Herbst übermitteln muss. Dann wissen Sie, welche Daten dem Finanzamt vorliegen.

In Zeile 7 wird es einfach. Hier fragt das Finanzamt nach dem Rentenbeginn, bei Fritsche war das der 1. Januar 2002.

Steuervorteil mit Zusatzrenten

Nach dem ersten Rentenblock geht es in den Zeilen 14 bis 19 weiter mit privaten Zusatzrenten. Dazu gehören lebenslange Renten aus privaten Versicherungen oder eine Rente aus dem Verkauf eines Mietshauses.

Oskar Fritsche hat keine private Rente. Wer eine hat, gibt sie an, muss sich aber wegen der Steuer nicht sorgen. Denn diese Renten haben den Vorteil, dass nur ein geringer Teil davon für die Steuer zählt. Beginnt die private Rente mit 65 Jahren, sind nur 18 Prozent davon steuerpflichtig.

Manche anderen Renten tauchen sogar gar nicht in der Steuererklärung auf, weil sie steuerfrei sind. Das sind:

  • Renten aus der gesetzlichen Unfallversicherung (Berufsgenossenschaft),
  • Kriegs- und Schwerbeschädigtenrenten,
  • Geldrenten zur Wiedergutmachung von Nazi- oder DDR-Unrecht,
  • Schadenersatzrenten zum Ausgleich vermehrter Bedürfnisse und Schmerzensgeldrenten (Bundesfinanzhof, Az. X R 31/07).

Auch Kapitalauszahlungen aus einer privaten Renten- oder Kapitallebenspolice bleiben steuerfrei, wenn der Vertrag vor 2005 abgeschlossen wurde und mindestens zwölf Jahre lief.

Renten und Pensionen trennen

Schon kann Fritsche die Anlage R umdrehen. Auf der Rückseite werden neben staatlich geförderten Riester- oder Rürup-Renten auch Renten aus betrieblicher Altersvorsorge wie Fritsches VBL-Rente abgefragt. Das sind Renten aus betrieblichen Direktversicherungen, Pensionsfonds, Pensionskassen und Zusatzversorgungskassen.

Firmenpensionen gehören anders als Firmenrenten nicht hierhin, sondern nur in die Anlage N. Solche Zahlungen werden – anders als Renten – über eine Lohnsteuerkarte abgerechnet.

Die Zeilen 31 bis 46 sind schnell ausgefüllt, denn es gibt eine Hilfe: Aus der „Mitteilung zur Vorlage beim Finanzamt über steuerpflichtige Leistung aus einem Altersvorsorgevertrag oder aus einer betrieblichen Altersvorsorge“ geht genau hervor, was in welcher Zeile einzutragen ist.

Fritsche trägt 4 800 (12 x 400) Euro Bruttobetrag seiner VBL-Rente in Zeile 38 ein.

Auch Rentner haben Werbungskosten

Der letzte Abschnitt der Anlage R mindert die Steuerlast schon, ohne etwas einzutragen. Automatisch ziehen die Beamten 102 Euro Werbungskosten von den steuerpflichtigen Renten ab – auch wenn die Rente erst während des Jahres begonnen hat.

Die Senioren dürfen aber auch höhere Ausgaben geltend machen, zum Beispiel solche für Gewerkschaftsbeiträge, für einen Rentenberater oder Schuldzinsen für kreditfinanzierte Einzahlungen auf das Rentenkonto. Der Finanzbeamte zieht diese Posten von den steuerpflichtigen Einnahmen ab, wenn sie in den Zeilen 47 bis 52 eingetragen und belegt sind.

Fritsche lässt diese Zeilen leer. Die Anlage R hat er schon erledigt.

Viele Abzüge im Hauptformular

Nach der Anlage R kommt der Mantelbogen, das Hauptformular für jeden Steuerzahler. Ehepaare können es zusammen ausfüllen. Hier ist Platz für Krankheitskosten, Spenden, Ausgaben für Haushaltshilfen, Handwerkerarbeiten im Haushalt und viele weitere persönliche Posten.

Zuvor wird erst mal in Zeile 4 die neue Steuer-Identifikationsnummer abgefragt. Fritsche erhielt sie im letzten Herbst per Post. Wer sie nicht hat, lässt die Zeile leer.

Fritsche füllt die Seiten 3 und 4 sehr genau aus. Dort werden Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen abgefragt, die bei allen Senioren die Steuerlast kräftig mindern (siehe Vorbereitung).

Zuerst addiert der Westfale für 2008 seine monatlichen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Im Juli 2008 ist der Beitrag gestiegen. Wie viel der Rentenversicherer direkt von seiner Rente überwies, liest er aus dessen Mitteilung aus dem Jahr 2008 ab. Auch von seiner VBL-Rente gingen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung ab. Insgesamt hat er 2 200 Euro gezahlt, diese Summe schreibt er in Zeile 70 des Mantelbogens.

Die Beiträge für die private Haftpflicht und die Unfallversicherung entnimmt er seinen alten Kontoauszügen. Dafür gibt er in Zeile 72 insgesamt 550 Euro an.

Außerdem hat er noch einen Beleg für eine 200-Euro-Spende an das Deutsche Rote Kreuz, die er in Zeile 83 einträgt.

Zum Schluss erklärt Oskar Fritsche im Mantelbogen in Zeile 91, dass der Grad seiner Behinderung 50 Prozent beträgt. Er kreuzt an, dass er den Nachweis, eine Kopie seines Ausweises vom Versorgungsamt, beifügt. Dieser Eintrag bringt ihm einen zusätzlichen Steuerfreibetrag von 570 Euro .

Die Anlage KAP bringt Geld zurück

Fast ist die Steuererklärung geschafft. Fritsche muss nur noch das letzte Formular, die Anlage KAP ausfüllen. Sie ist Geld wert – insbesondere für Rentner.

Weil die Bank für den Rentner im letzten Jahr Zinsabschlagsteuer abgeführt hat, muss das Finanzamt die Vorauszahlung jetzt anrechnen.

Angaben in Anlage KAP

Zinsen Zeile 4 in Spalte 1: 6 000 Euro
Zinsabschlagsteuer, Zeile 4 in Spalte 3 plus Solidaritätszuschlag Zeile 44: 1 899 Euro
So rechnet das Finanzamt: Steuerpflichtige Zinsen  6 000 Euro
– 750 Euro Sparerfreibetrag plus 51 Euro Werbungskostenpauschale  801 Euro
Steuerpflichtig 5199 Euro
Darauf fällige Steuern 0 Euro
Erstattung der Vorauszahlung 1 899 Euro

Die 1 899 Euro bekommt Fritsche komplett zurück. Weil das Finanzamt nach der Steuererklärung von seinen steuerpflichtigen Einnahmen – den Renten und Zinsen – jetzt seine Ausgaben und Freibeträge abziehen muss, bleibt alles steuerfrei. Am Ende der Abrechnung liegt Fritsche wie die meisten Rentner unter dem Grundfreibetrag von 7 664 Euro und muss keine Steuern zahlen.

Die Steuererklärung hat sich für ihn gelohnt. Im nächsten Jahr kann er sich sogar die Mühe sparen. Denn er kann eine Nichtveranlagungsbescheinigung beim Finanzamt beantragen. Dann zahlt ihm die Bank die Zinsen gleich steuerfrei aus. Wie das geht, erläutern wir im nächsten Heft.

Serie Rentner und Pensionäre
Bereits erschienen:
– Freibeträge für Rentner und Pensionäre 7/09
– Steuererklärung ja oder nein 8/09
Die nächsten Folgen:
– Freibrief vom Finanzamt 10/2009
– Blick in die Zukunft 11/2009

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