Serie Rentner und Pensionäre, Teil 2: So prüfen Sie Ihre Steuerpflicht

Viele Rentner und Pensionäre haben Steuererklärungen versäumt. Bald fliegen sie auf. Finanztest zeigt, wer Ärger bekommen kann und seinem Finanzamt lieber zuvorkommt.

Ende dieses Jahres beginnt der große Datenaustausch. Die Finanzämter werden peu à peu Kontrollmitteilungen über alle Renten, Pensionen und Versicherungsgelder erhalten, die Rentner und Pensionäre seit 2005 bezogen haben. Bei allen, die bis 2008 Steuererklärungen versäumt haben, bohren die Finanzbeamten nach.

Die Kontrollen beginnen aber nicht vor der Bundestagswahl am 27. September. Stephanie Hagelüken vom Finanzministerium in Nordrhein-Westfalen erwartet, dass alle wichtigen Daten den Finanzämtern erst zum Jahresende vorliegen. Die ersten Briefe erhalten Rentner und Pensionäre nach Einschätzung der Pressesprecherin Ende März 2010. In Nordrhein-Westfalen lief der Datenaustausch aber schon mal zur Probe. Dabei hat sich gezeigt, dass einige der Betroffenen Steuererklärungen nachholen müssen (siehe Interview).

Bis zum Beginn der richtigen Kontrollen haben Rentner und Pensionäre aber noch Zeit. Sie können Steuererklärungen vorher ohne Druck und garantiert straffrei nachträglich abgeben. Dabei begleitet sie unsere Serie „Rentner und Pensionäre“, die wir im Juli-Heft gestartet haben, siehe Steuerpflicht prüfen.

Diesmal geht es vor allem um die Frage: Wer muss für die Jahre 2005 bis 2008 überhaupt eine Steuererklärung abgeben?

Die Ausgangssituation

Die Abgabepflicht klärt die 70-jährige Rentnerin Rita Weber völlig anders als der 64-jährige Pensionär Werner Holtmann, mit dem wir unsere Serie begonnen haben.

Holtmann bezieht vom früheren Arbeitgeber eine Pension auf Lohnsteuerkarte. Wenn einer der vier Punkte in der linken Hälfte unserer Grafik auf ihn zutrifft, verlangt das Finanzamt eine Steuererklärung. Das Gleiche gilt für Rentner, die nebenbei Arbeitslohn verdienen oder deren Ehepartner noch berufstätig ist und auf Steuerkarte arbeitet.

Rita Weber dagegen bezieht keine Pension und keinen Lohn auf Steuerkarte. Die 70-Jährige hat zwei gesetzliche Renten und eine VBL-Rente aus der betrieblichen Zusatzversorgung ihres verstorbenen Mannes. Dazu kommen Zinsen und Mieten.

Liegen Rita Webers Einkünfte von 2005 bis 2008 in einem Jahr über 7 664 (Ehepaare: 15 329) Euro, ist die Steuererklärung für sie Pflicht. Die Witwe aus Saulheim rechnet deshalb erst einmal ihre Einkünfte aus.

Rita Webers gesetzliche Renten

Rita Weber nimmt sich das Jahr 2008 vor und ermittelt zunächst ihre gesetzlichen Renteneinkünfte. Die Witwe hat rund 2 300 Euro eigene Rente und 13 000 Euro Witwenrente bezogen. Davon kann sie den steuerfreien Teil abziehen, der vom Jahr des Rentenbeginns abhängt:

Freibetrag je nach Jahr des Rentenbeginns
Bis 2005  50 Prozent
2006  48 Prozent
2007  46 Prozent
2008  44 Prozent

Rentner, die 2005 oder später in Rente gegangen sind, berechnen den Freibetrag von der Rente im Jahr nach Rentenbeginn. Waren sie früher Rentner, nehmen sie die im Jahr 2005 erhaltene Rente.

Der verstorbene Herr Weber bekam die Rente, aus der seine Frau eine Witwenrente bekommt, zum ersten Mal 1989.

Ihre erste eigene gesetzliche Rente hat Rita Weber im Jahr 2003 bezogen.

Da beide Renten vor 2005 anfingen, prüft die Witwe, wie hoch sie im Jahr 2005 waren. 50 Prozent davon erhält sie lebenslang als Freibetrag.

Von der Witwenrente, die 2008 nach zwei Erhöhungen 13 000 Euro ausmacht, sind 6 430 Euro steuerfrei. 6 570 Euro bleiben für das Finanzamt.

Die eigene gesetzliche Rente, die 2008 bei rund 2 300 Euro liegt, kann Rita Weber um 1 138 Euro kürzen. Die restlichen 1 162 Euro sind steuerpflichtig.

Die steuerpflichtige Summe aus beiden Renten beträgt 7 732 (6 570 + 1 162) Euro.

Rita Webers Firmenrente

Als Nächstes rechnet Rita Weber die Einkünfte aus der VBL-Rente aus, die sie als Witwe aus der Zusatzversorgung des öffentlichen Dienstes bezieht. Diese Zahlung wird nicht auf ihrer Lohnsteuerkarte abgerechnet.

VBL-Renten wie die von Weber gehören zu den Privat- und Firmenrenten, die im Berufsleben mit versteuerten Beiträgen finanziert wurden. Je nach Alter bei Rentenbeginn ist deshalb davon nur so viel beim Finanzamt steuerpflichtig:

Steuerpflicht je nach Alter bei Rentenbeginn
Beginn mit 60/61 Jahren  22 Prozent
Beginn mit 62 Jahren  21 Prozent
Beginn mit 63 Jahren  20 Prozent
Beginn mit 64 Jahren  19 Prozent
Beginn mit 65/66 Jahren  18 Prozent

Der verstorbene Herr Weber hat seine erste VBL-Rente mit 65 Jahren bekommen. Rita Weber muss deshalb nur 18 Prozent als steuerpflichtigen Teil mitrechnen.

Wir lassen jetzt die genauen Einkommensverhältnisse außer Acht und setzen für die VBL-Rente einfach 10 000 Euro an. 1 800 Euro (18 Prozent) sind davon steuerpflichtig und gehen in die Ermittlung der Einkünfte ein.

Eine Riester- oder Firmenrente, die im Berufsleben mit steuerfreien Einzahlungen oder Zulagen finanziert wurde, müsste die Witwe in voller Höhe mitrechnen.

Alle Renteneinkünfte zusammen

Durch die VBL-Rente steigt der steuerpflichtige Teil von Rita Webers Renten um 1 800 Euro. Die Summe kann sie noch um die Werbungskostenpauschale von 102 Euro kürzen, die es für solche Renten gibt.

Die Summe aller Renteneinkünfte

Eigene zu versteuernde Rente   1 162 Euro
Zu versteuernde Witwenrente  + 6 570 Euro
Zu versteuernde VBL-Rente  + 1 800 Euro
Summe  =  9 532 Euro
Werbungskostenpauschale  – 102 Euro
Renteneinkünfte 9 430 Euro

Damit liegt Rita Weber über der Grenze von 7 664 Euro im Jahr, ab der sie eine Steuererklärung machen muss.

Die Einkünfte aus den Zinsen und der Miete braucht die 70-Jährige für ihre Steuerpflicht nicht mehr zu ermitteln. Trotzdem rechnet sie weiter. Sie will wissen, wie hoch ihre Einkünfte insgesamt sind.

Rita Webers Kapitaleinkünfte

Rita Weber nimmt ihre Zinsen und kürzt sie um den Freibetrag und die Werbungskostenpauschale für Sparer. Von 2005 bis 2008 beträgt beides zusammen:

Das steuerfreie Limit für Sparer
2005 und 2006  1 421 (Ehepaare: 2 842) Euro
2007 und 2008  801 (Ehepaare: 1 602) Euro

Hatte Rita Weber im Jahr 2008 Zinsen von 5 000 Euro, muss sie 4 199 Euro beim Finanzamt abrechnen. Dividenden waren dagegen in den Jahren 2005 bis 2008 zur Hälfte steuerfrei. Von 5 000 Euro mussten Anleger im Jahr 2008 nur 1 699 (2 500 – 801) Euro beim Finanzamt abrechnen.

Rita Webers Mieteinkünfte

Jetzt betrachtet die Rentnerin die Mieteinnahmen für das Studentenapartment. Sagen wir, es sind 4 800 Euro. Die kürzt die Witwe um Abschreibungen, Grundsteuern, Instandsetzungs- und alle anderen Werbungskosten, die sie für das Apartment hat. Es bleiben Mieteinkünfte von 2 500 Euro.

Alle Einkünfte zusammen

Dann addiert Rita Weber ihre Einkünfte:

Die Summe aller Einkünfte

Renteneinkünfte  9 430 Euro
Kapitaleinkünfte  + 4 199 Euro
Mieteinkünfte  + 2 500 Euro
Summe der Einkünfte 16 129 Euro

Die Summe der Einkünfte beträgt 16 129 Euro. So viel muss die Witwe im Jahr 2008 aber nicht versteuern.

Der Altersentlastungsbetrag

Rita Weber hat 2008 Zins- und Mieteinkünfte gehabt. Für solche Nebeneinkünfte erhalten Rentner und Pensionäre einen Altersentlastungsbetrag, wenn sie zum Jahresbeginn mindestens 64 Jahre alt waren.

Der jährliche Altersentlastungsbetrag beträgt bei Geburt vor dem:
2. Januar 1941 40,0%  maximal 1 900 Euro
2. Januar 1942 38,4%  maximal 1 842 Euro
2. Januar 1943 36,8%  maximal 1 748 Euro
2. Januar 1944 35,2%  maximal 1 672 Euro

Den Altersentlastungsbetrag gibt es für Arbeitslohn, der zusätzlich zur Rente oder Pension bezogen wird und für Nebeneinkünfte aus:

  • Kapitalvermögen,
  • Vermietung und Verpachtung,
  • privaten Veräußerungsgeschäften,
  • selbstständiger Arbeit,
  • Riester-Verträgen und
  • Firmenrenten auf Steuerkarte, die aus Pensionsfonds oder Pensionskassen stammen und voll steuerpflichtig sind.

Ehepartner erhalten den Altersentlastungsbetrag zweimal, wenn jeder Arbeitslohn oder Nebeneinkünfte hat und am Jahresanfang mindestens 64 Jahre alt war.

Während der Bruttolohn in voller Höhe in die Rechnung eingeht, müssen Pensionäre und Rentner ihre anderen Nebeneinnahmen vorher um die Werbungskosten oder Betriebsausgaben kürzen. Von Kapitaleinnahmen ziehen sie auch den Sparerfreibetrag ab.

Die 70-jährige Rita Weber wurde vor dem 2. Januar 1941 geboren. Ihr Altersentlastungsbetrag beträgt deshalb 40 Prozent, höchstens aber 1 900 Euro im Jahr.

Die Zins- und Mieteinkünfte der 70-jährigen Witwe betragen 6 699 Euro. 40 Prozent davon sind rund 2 680 Euro. Rita Weber bekommt deshalb den Höchstbetrag von 1 900 Euro als Altersentlastungsbetrag.

So viel zieht Rita Weber von der Summe ihrer gesamtem Einkünfte ab. Danach steht der Gesamtbetrag ihrer Einkünfte fest. Es sind 14 229 (16 129 – 1 900) Euro.

Das ist aber immer noch nicht das Einkommen, dass Rita Weber versteuern muss. Vorher setzt sie noch viele Ausgaben ab.

Rita Webers Versicherungen

Rentner und Pensionäre wie Rita Weber müssen auf jeden Fall ihre Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge in der Steuererklärung angeben. Auch Ausgaben für Schutz wie Haftpflicht-, Unfall- und Sterbegeldversicherungen dürfen sie nicht vergessen. Solche Versicherungsausgaben senken immer das Einkommen, das sie versteuern müssen.

Weber kann von ihren Einkünften dieselben Höchstbeträge abziehen wie die meisten anderen Rentner und Pensionäre:

  • Bis zur Höhe von 4 402 Euro zählen ihre Versicherungsausgaben voll.
  • Zusätzlich kann sie Beiträge bis 1 334 Euro zur Hälfte absetzen.
  • Insgesamt lohnen sich Ausgaben bis 5 069 (Ehepaare: 10 138) Euro in der Steuererklärung.

Hatte Rita Weber 2008 Versicherungsausgaben von 5 002 Euro, gehen die ersten 4 402 Euro komplett und weitere 600 Euro zur Hälfte von ihren Einkünften ab. Es bleiben 9 527 Euro.

Andere Posten in der Steuererklärung

Dazu kommen die anderen Ausgaben, die Rentner und Pensionäre noch abrechnen können. Bei Rita Weber sind das zum Beispiel noch:

  • Spenden und Mitgliedsbeiträge für das Mainzer Hospiz und den Feuerwehrverein Saulheim,
  • Schornsteinfegergebühren und Löhne für die Handwerker in Haus und Garten,
  • Praxisgebühren, Kosten für die Brille, Fahrten zur Klinik und Ausgaben in der Apotheke.

Im nächsten Finanztest-Heft erfahren Rentner und Pensionäre, was das Finanzamt noch alles anerkennt. Wir zeigen, welche Formulare sie brauchen und wie sie ihre Einnahmen und Ausgaben bei ihrem Finanzamt abrechnen.

Serie Rentner und Pensionäre
Bereits erschienen:
Freibeträge für Rentner und Pensionäre 7/09
Die nächsten Folgen:
– Schritt für Schritt durch die Formulare 9/2009
– Freibrief vom Finanzamt 10/2009
– Blick in die Zukunft 11/2009

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