Nicht immer erstatten Auslandsreise-Krankenversicherer das, was sich Versicherte vorstellen. Mancher Urlauber zahlt den Rückflug aus eigener Tasche.

Der wohlverdiente Urlaub in der Schweiz hatte noch gar nicht richtig begonnen, da war er schon wieder zu Ende. Bei idealen Wintersportbedingungen in Davos stürzte Heike Rauser-Boldt auf der Piste. Diagnose: Bruch des Oberarms und der Schultergelenkpfanne.

Extra für diesen Urlaub hatte die Dortmunder Ärztin beim Auto Club Europa ACE, wo sie seit Jahren Mitglied ist, eine Auslandsreise-Krankenversicherung abgeschlossen. Denn ihre private Krankenversicherung hat dieselbe Lücke wie die gesetzlichen Krankenkassen: Sie deckt die Kosten für einen Krankenrücktransport aus dem Ausland nicht ab. Dieser Zusatzschutz war ihr aber wichtig.

Ihren vorzeitigen Rückflug musste Rauser-Boldt trotzdem selbst bezahlen – rund 500 Euro. Bis heute ist für die 54-Jährige nicht nachvollziehbar, warum der Versicherer die Kosten nicht übernimmt: „Für mich lag ein klarer Versicherungsfall vor.“

Im Krankenhaus hatte sich herausgestellt, dass der auf Schultern spezialisierte Arzt außer Haus war. Rauser-Boldt wollte aber schnellstmöglich eine medizinische Versorgung und die behandelnden Ärzte bestätigten ihr die Notwendigkeit einer Operation. Als sie mit ihrem Versicherer ACE telefonierte, sagte dieser, dass ein Rücktransport mit Begleitperson möglich sei – unter dem Vorbehalt der Prüfung durch den eigenen medizinischen Dienst.

Die Dortmunderin verließ die Klinik mit einem Schutzverband und organisierte einen Rückflug. Als sie abends ihren Versicherer anrief, um alles Weitere zu klären, stieß sie auf Ablehnung: Sie habe vorzeitig allein die Klinik verlassen und habe keinen Anspruch auf Leistung.

Das Kleingedruckte

In den Bedingungen des ACE steht wie in vielen Verträgen von Reisekrankenversicherern eine Klausel, die das Recht auf einen Rücktransport einschränkt. Der Versicherer hilft immer unter folgenden Voraussetzungen: Der Rücktransport muss medizinisch notwendig und ärztlich angeordnet sein.

„Bei der Prüfung der Notwendigkeit durch unseren medizinischen Dienst spielt es auch eine Rolle, ob sich der Versicherte in einem Land mit tendenziell medizinischer Unterversorgung aufhält, zum Beispiel in einer abgelegenen Bergregion in der Türkei“, sagt Inge Stadel, Leiterin des Beschwerdemanagements vom ACE. „In einem Spital in Davos mit Spezialisten für Wintersportverletzungen gehen wir nicht unbedingt von einer Unterversorgung aus.“

Schwerer wog in Rauser-Boldts Fall aber die Tatsache, dass sie ohne Rücksprache mit dem Notrufbetreuer die Krankenstation verließ. Denn einen Rücktransport per Bahn, Auto oder Flugzeug – mit oder ohne Begleitung oder medizinische Betreuung – organisiert der Versicherer selbst.

Akuter Notfall

Klare Klauseln für mehr Durchblick bei der Auslandsreise-Krankenversicherung wünscht sich die Ärztin Heike Rauser-Boldt aus Dortmund. Nach einem Skiunfall in der Schweiz flog sie auf eigene Kosten nachhause, um sich dort operieren zu lassen. Ihr Versicherer, der Auto Club Europa ACE, zahlte nicht.

Trotz solcher Tücken brauchen Urlauber den Auslandsreiseschutz für den Rücktransport bei schwerer Erkrankung oder nach einem Unfall. Für Behandlungen im Ausland benötigen privat Krankenversicherte den Extraschutz dagegen nicht, denn diese Kosten bekommen sie in der Regel ohnehin weltweit bezahlt. Das ist bei gesetzlich Krankenversicherten anders.

Kassenpatienten sind nur in Europa über die Krankenkasse versichert. Mit der europäischen Krankenversicherungskarte, die auf der Rückseite ihrer Versichertenkarte abgedruckt ist, haben sie Anspruch auf Behandlungen in den EU- und EWR-Ländern sowie in den Staaten, mit denen ein Sozialversicherungsabkommen besteht, zum Beispiel Türkei oder Tunesien.

Außerhalb dieser Länder wird die Reisekrankenversicherung für Kassenmitglieder wichtig, wenn sie ambulant oder stationär behandelt werden müssen. Doch sie hilft nur im Notfall. War eine Behandlung schon bei Urlaubsantritt vorhersehbar, wird es mit der Kostenerstattung problematisch.

Dialysepatienten brauchen zum Beispiel ihre regelmäßige Blutwäsche, auch wenn sie in die USA oder nach Indien verreisen. Diese notwendigen Behandlungen können sie nicht einfach mit dem Auslandsreise-Krankenversicherer abrechnen. Für Patienten mit schwerer Epilepsie oder Bluterkrankheit gilt Ähnliches.

Dennoch können chronisch Kranke an ein Urlaubsziel ihrer Wahl verreisen. In solchen Fällen schließt ausnahmsweise die gesetzliche Krankenkasse die Versicherungslücke. Sie übernimmt dann auch außerhalb Europas bis zu sechs Wochen im Jahr bis zu der Höhe die Behandlungskosten, wie sie auch in Deutschland entstanden wären. Die Patienten müssen ihren Urlaub allerdings im Detail mit der Kasse absprechen und die Behandlungen vor Ort genehmigen lassen.

Attest vom Arzt

Für den privaten Reisekrankenversicherer ist entscheidend, ob eine Behandlung im Urlaub aufgrund einer medizinischen Diagnose absehbar war. Denn er kommt immer nur für das Unvorhergesehene auf.

Wer zum Beispiel mit einer Vorerkrankung wie einem Herz-, Lungen- oder Krebsleiden in ärztlicher Behandlung ist und regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte den Urlaub und Langstreckenflug nach Thailand, Mexiko oder USA unbedingt mit dem Arzt besprechen. Nur wenn der Arzt keine Bedenken hat und schriftlich bestätigt, dass der Patient gesundheitlich stabil ist und eine medizinische Behandlung nicht absehbar ist, sollte dieser verreisen.

Die Bestätigung vom Arzt gibt dem Urlauber die höchstmögliche Sicherheit, aber immer noch keine Garantie, dass der Versicherer zahlen wird, wenn doch etwas passiert. Die Versicherer prüfen dann manchmal selbst, ob eine Vorerkrankung Ursache für die Behandlung war – vor allem bei Kosten von mehreren hunderttausend Euro.

Dann begutachtet der medizinische Dienst des Versicherers den Fall und kann auch die Krankenakte des Patienten heranziehen. War die Behandlung im Urlaub doch „vorhersehbar“, bleibt der Patient auf den Kosten sitzen.

Löcher im Schutz
Bereits erschienen:
Private Haftpflichtversicherung 9/2009
Private Unfallversicherung 10/2009
Wohngebäude und Hausrat 11/2009
Rechtsschutzversicherung 1/2010
Nächste Folge:
Private Krankenversicherung 3/2010

Dieser Artikel ist hilfreich. 374 Nutzer finden das hilfreich.