Wer glaubt, für alle Lebenslagen Rechtsschutz kaufen zu können, irrt sich. Streit über die Ehe, einen Hausbau und oft auch um Kapitalanlagen ist nicht versichert.

Jeder zweite Haushalt in Deutschland hat eine Rechtsschutzpolice. Rund drei Milliarden Euro zahlen die Versicherungskunden jährlich dafür und rund zwei  Milliarden geben die Versicherungsgesellschaften jährlich für ihre Kunden aus. Umgerechnet auf die rund 147 000 in Deutschland zugelassenen Rechtsanwälte bedeutet dies: Etwa 13 600 Euro jährlich erhält jeder Anwalt im Durchschnitt.

Die Versicherer finanzieren die Anwaltsgebühren, Gerichtskosten, Entschädigungen für Zeugen und Sachverständige und – wenn der Rechtsschutzversicherte den Prozess verliert – die Kosten des Gegners.

Doch vollmundige Werbesprüche vieler Gesellschaften wie „Rundum gut versichert“ lenken davon ab, dass wichtige Risiken überhaupt nicht versichert sind.

Wollen Ehepartner das Ende ihrer Beziehung vor Gericht klären, springen Rechtsschutzversicherer nicht ein. Sie helfen auch nicht im Streit um Unterhalt oder das Sorgerecht für das Kind. Im Erbstreit mit Geschwistern um das Elternhaus nützt die Police ebenfalls nichts.

Über eine halbe Million Verfahren haben allein die Familiengerichte jährlich im Durchschnitt zu bewältigen, darunter rund 192 000 Scheidungen im Jahr 2008. Doch die Rechtsschutzversicherer bezahlen allenfalls eine Beratung, wenn zum Beispiel eine Trennung der Ehepartner die bisherige Rechtslage des Versicherten verändert.

Auch beim Hausbau, bei einer Baufinanzierung oder beim Grundstückskauf gibt es häufig Streit, aber keinen Rechtsschutz.

„Es ist fast schon eine Binsenweisheit: Für Ereignisse, die mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreffen, ist den Versicherern das Kostenrisiko zu hoch“, sagt der Fachanwalt für Versicherungsrecht Frank Szeimies aus Berlin. Deshalb greifen auch Policen mit Verkehrsrechtsschutz nicht, wenn es um Falschparken oder Halteverstöße geht. Nur einzelne Versicherer schließen Parkverstöße mit ein. Wer sicher sein will, muss das Kleingedruckte genau studieren.

Manche ärgern sich über den eigenen Rechtsschutzversicherer und würden ihn gerne verklagen. Das müssen sie dann ebenfalls auf eigene Kosten tun.

Häufig ohne Anlegerschutz

Was ein- und ausgeschlossen ist, steht in den allgemeinen Rechtsschutz-Versicherungsbedingungen, den sogenannten ARB. Häufig gelten für neue Verträge aus dem Jahr 2009 die ARB 2009. Sie schließen nicht nur Familien- und Baustreitigkeiten, sondern auch Auseinandersetzungen um Kapitalanlagen und deren Finanzierung aus. Wer zum Beispiel in Unternehmensbeteiligungen, Aktien oder Fonds investiert, hat im Streitfall keinen Rechtsschutz.

Bessere Chancen haben Versicherte mit alten Verträgen, zum Beispiel aus den Jahren 1975 oder 1994. Die ARB gelten als kundenfreundlicher, weil die Ausschlüsse noch nicht so eindeutig formuliert sind. Im Zweifel werden die Bedingungen ausgelegt.

Einige Anleger, die in der Finanzkrise geschädigt wurden, haben Glück im Unglück. „Aus Kulanz haben Versicherer im Streit mit der isländischen Kaupthing-Bank gezahlt“, sagt Rechtsanwalt Wilhelm Segelken aus Bremen, der Sparer vertritt. Auch etliche Opfer der Lehman-Pleite, die ihre Bank wegen Falschberatung verklagen, erhalten vom Versicherer das Geld für das Gerichtsverfahren. Im Durchschnitt geht es um Streitwerte von 20 000 Euro. Doch Kulanz gibt keine Sicherheit für künftige Fälle.

Serie Löcher im Schutz
Bereits erschienen:
Private Haftpflichtversicherung 9/2009
Private Unfallversicherung 10/2009
Hausrat- und Wohngebäudeversicherung 11/2009
Nächste Folge:
– Reisekrankenschutz 2/2010

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