Versicherungsombudsmann: Mehr Beschwerden

Serie Löcher im Schutz, Teil 4 Meldung

Professor Dr. Günter Hirsch

Professor Dr. Günter Hirsch ist Ombudsmann für Versicherungen. Der ehemalige Richter am Bundesgerichtshof beobachtet, dass der Ärger über die Rechtsschutzversicherer zunimmt.

Vergangenes Jahr beschwerten sich 1 757 Rechtsschutzversicherte bei Ihnen. Worüber ärgern diese sich?

Hirsch: Viele Beschwerden betreffen die Frage, ob der Versicherungsfall während der Vertragslaufzeit oder vor Abschluss des Vertrages eingetreten ist. In der Fachsprache wird dies als Vorvertraglichkeit eines Rechtsschutzfalles bezeichnet.
In einigen Fällen entsteht der Eindruck, dass der Kunde wusste, dass ein Rechtsstreit droht, und deshalb einen Vertrag abgeschlossen hat. Es kommt aber auch vor, dass Versicherer die Kostenzusage ohne Rechtsgrund ablehnen und sich fantasievolle Ablehnungsgründe ausdenken.

Sind die Klauseln nicht eindeutig genug?

Hirsch: Ein nicht unwesentlicher Teil der Beschwerden geht erkennbar auf die recht komplizierte Konstruktion des Bedingungswerkes zurück, das durch besonders viele Risikoein- und -ausschlüsse gekennzeichnet ist. Auch beim Wechsel von Versicherern kommt es nicht selten zu Streitigkeiten, die gelegentlich auf dem Rücken der Kunden ausgetragen werden.

Haben Sie Tipps für Versicherte?

Hirsch: Wichtig ist, vor Abschluss des Vertrags die – zugegebenermaßen manchmal schwierigen – Bedingungen genau zu studieren.

Was können Sie für Versicherte tun?

Hirsch: Wir klären den Sachverhalt und führen eine gründliche Prüfung durch. Entweder entscheiden wir nach Recht und Gesetz oder wir versuchen zu schlichten. Bei einem Beschwerdewert bis zur Höhe von 5 000 Euro können wir Entscheidungen treffen, die den Versicherer binden.

Kontakt: Versicherungsombudsmann, Postfach 08 06 32, 10006 Berlin. Tel. 0 180 4/22 44 24 (20 Cent pro Anruf), www.versicherungsombudsmann.de.
Versicherungskunden können sich beim Versicherungsombudsmann e. V. beschweren, wenn ihr Versicherer dem Verein angeschlossen ist. Die Hilfe ist kostenlos.

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