Wohngebäude und Hausrat. Rund ums Haus gibt es immer was zu tun. Hausbesitzer sollten auch regelmäßig prüfen, ob sie bei Unwetter richtig versichert sind.

Das vergangene Weihnachtsfest hat Walter Selbach nicht in bester Erinnerung. Es regnete, stürmte und plötzlich fegte eine Windböe den Windschutz aus Drahtglas vom Balkon. „Die Böe hat den Windfang komplett aus der Hauswand herausgerissen“, berichtet der Hauseigentümer aus Odenthal in Nordrhein-Westfalen. Noch am ersten Weihnachtstag meldete Selbach seinem Wohngebäudeversicherer Grundeigentümer-Versicherung den Schaden via Anrufbeantworter. Ein paar Tage später kam ein Gutachter vorbei. Ohne Wenn und Aber regulierte der Versicherer den Schaden von rund 1 300 Euro. „Ich bin hochzufrieden“, sagt Selbach.

Ein Muss für Hauseigentümer

Rund 70 Prozent der Schäden durch Sturm und Gewitter sind ein Fall für die Wohngebäudeversicherung. Für Hauseigentümer ist sie deshalb ein Muss, auch wenn es keine gesetzliche Pflicht gibt, die Versicherung abzuschließen. Wer eine Immobilie über Kredit finanziert, muss den Nachweis für den Feuerschutz gegenüber der Bank meistens ohnehin erbringen.

Sturm und Hagel, Feuer und Leitungswasser können bei einer Immobilie großen Schaden anrichten. Der Wiederaufbau nach einem Brand, die Sanierung nach einem Rohrbruch oder die Reparatur eines Dachs kann die eigenen finanziellen Möglichkeiten schnell überschreiten.

Allerdings ist in Standardverträgen der Versicherungsschutz für die mit einem Wohngebäude nicht fest verbundenen Gebäudeteile oder Sachen oft ausgeschlossen. Wer einen Carport, ein Aufstellschwimmbecken oder eine alte Scheune, die als Garage genutzt wird, nicht extra versichert, bleibt dann auf dem Schaden sitzen.

Auch die sogenannten Obliegenheitspflichten spielen eine große Rolle, wenn es um die Schadensregulierung geht. Ein Versicherter erhielt nach einem Sturm die Reparaturkosten von 1 800 Euro für eine beschädigte Markise nicht erstattet. Er hatte die Markise bei einem Unwetter nicht einrollt und darauf vertraut, dass eine moderne Markise einen Sturm aushalten würde (Amtsgericht München, Az. 112 C 31663/08).

Schutz für das Inventar

Gegen Unwetter ist auch das Inventar einer Wohnung über die Hausratversicherung geschützt. Sie springt ein, wenn ein Sturm das Dach abdeckt und es infolgedessen zu Beschädigungen an Möbeln oder an der Einrichtung kommt. Die Hausratversicherung ist ein sinnvoller Schutz für Mieter und Hauseigentümer, die ihre Immobilie selbst nutzen und höherwertiges Mobiliar haben. Sie zahlt für Schäden nach einem Einbruch ebenso wie für Schäden durch Feuer, Leitungswasser, Sturm oder Blitz.

Zusatzdeckung gegen Überspannung

In den Standardverträgen für Wohngebäude- und Hausratversicherungen sind allerdings nur Schäden mitversichert, die durch einen direkten Blitzeinschlag verursacht werden.

Sogenannte Überspannungsschäden dagegen müssen meistens extra versichert werden. Kurzschluss und Defekte durch Überspannung an elektrischen Einrich­tungen und Geräten sind klassische Folgeerscheinungen eines Blitzeinschlags. Vor allem empfindliche elektronische Geräte wie Computer, Fernseher, Hifi- und Telefonanlagen können betroffen sein. Selbst wenn der Blitz mehrere hundert Meter entfernt einschlägt, können noch gefährliche Spannungsspitzen bis zum Endgerät im Wohnzimmer gelangen. Der Strom sucht sich immer den kürzesten Weg. In der Regel halten Hauselektrik und Schutz­vor­rich­tungen solche Blitzstromwanderwellen, wie sie in der Fachsprache heißen, ab. Trotzdem kann es zu Ausfällen und Defekten kommen.

Häufig ist die Entschädigungssumme für Überspannungsschaden je Versicherungsfall auf zum Beispiel 10 oder 20 Prozent der Versicherungssumme begrenzt. Wer teure elektronische Geräte hat, sollte eine höhere Entschädigungsgrenze vereinbaren. Manche Hausratversicherer ersetzen bei Über­spannungsschäden sogar die volle Versicherungssumme (siehe „Unser Rat“).

Sturmschäden ab Windstärke 8

Versicherer zahlen für Sturmschäden erst ab Windstärke 8. Versicherer lassen meistens durch Sachverständige prüfen, ob tatsächlich ein Sturm Auslöser für einen Schaden war. Dabei spielt auch der bauliche Zustand einer Immobilie und die Art und Weise der Befestigung von angebrachten Satellitenschüsseln, Markisen oder Windschutz eine Rolle. Für unsachgemäße Befestigungen oder „Altschäden“ kommen Versicherer nicht auf. In Walter Selbachs Fall gab es darüber keine Auseinandersetzung. Bei ihm war alles tipptopp in Ordnung.

Serie Löcher im Schutz
Bereits erschienen:
Private Haftpflichtversicherung 9/2009
Private Unfallversicherung 10/2009
Die nächsten Folgen:
– Reiseversicherungen 12/2009
– Rechtsschutzversicherung 1/2010

Dieser Artikel ist hilfreich. 927 Nutzer finden das hilfreich.