Längst nicht jeder Vertrag endet mit dem Tod. Die Hinterbliebenen erben mit Haus und Auto auch die Versicherungen. Policen, die sich auf den Verstorbenen selbst beziehen, enden dagegen.

Versicherungen sind zäh. Selbst wenn der Versicherungs­nehmer gestorben ist, läuft der Versicherungs­vertrag oft weiter. Für die Erben ist das sinn­voll oder ärgerlich – je nach Versicherungs­sparte und Qualität der Police.

Eine Klausel in den Bedingungen der Hausrat­versicherung schreibt vor, dass der Schutz spätestens „zwei Monate nach dem Tod des Versicherungs­nehmers“ endet. Es sei denn, der Erbe zieht vor Ablauf dieser Frist in die Wohnung ein. Dann hat er auch die – womöglich viel zu teure – Hausrat­police des Verstorbenen am Bein. Auf so ein Erbe möchte man gern verzichten!

Doch ein außer­ordentliches Kündigungs­recht haben die Erben nicht. Nur wenn sie bereits eine Hausrat­versicherung besitzen, dürfen sie die geerbte sofort kündigen. Sie müssen sich nicht doppelt versichern.

Bleibender Schutz für Sachen

Manchmal darf sich die Enkelin Groß­vaters Auto ausleihen. Später erbt sie es mitsamt der Versicherung. Von den Kfz-Versicherungs­rabatten des Groß­vaters kann sie aber nur einen ganz kleinen Teil über­nehmen.

Auch bei der Wohn­gebäude­versicherung gilt: Mit dem Tod des Kunden ist für die Versicherungs­gesell­schaft längst nicht alles aus, die Wohn­gebäude­versicherung bleibt beim Haus.

Der Erbe hat allerdings nach seinem Eintrag ins Grund­buch einen Monat lang ein außer­ordentliches Kündigungs­recht. Das hat seinen Sinn: Das Haus ist nach dem Tod des Versicherungs­nehmers nicht ohne Schutz. Und die Erben sind nicht unnötig lange an einen Vertrag gebunden.

Das Prinzip, dass die Versicherung bei der versicherten Sache bleibt, gilt auch für die Auto­haft­pflicht­versicherung und für den Kasko­schutz. Solange beispiels­weise die Enkelin das versicherte Fahr­zeug ihres verstorbenen Groß­vaters behält und auch die Beiträge bezahlt, muss der Versicherer bei einem Unfall für den Schaden aufkommen. Denn nicht der Versicherungs­nehmer ist versichert, sondern der Wagen.

Daran ändert sich auch nichts, wenn im Vertrag fest­gelegt ist, dass nur Personen über 25 Jahre mit dem Fahr­zeug fahren dürfen. Baut die 20-jährige Enkelin einen Unfall, muss der Auto­versicherer für den Schaden bezahlen.

Die Versicherungs­gesell­schaft kann allerdings nach­träglich einen erhöhten Versicherungs­beitrag verlangen. Manche Versicherer fordern auch Strafzah­lungen in Höhe des doppelten Jahres­beitrags.

Versicherungen enden nur dann, wenn mit dem Tod der versicherten Person oder des Versicherungs­nehmers auch das versicherte Risiko wegfällt. Nur wenn die Erben das Auto verkauft oder still­gelegt hätten, gäbe es das versicherte Risiko nicht mehr. Dann wäre der Versicherungs­vertrag erloschen. Den für das Jahr zu viel gezahlten Beitrag bekämen die Angehörigen zurück.

Will die Enkelin, die erst seit zwei Jahren den Führer­schein hat, das geerbte Auto auf ihren Namen versichern, kann sie den Rabatt des Groß­vaters für 40 Jahre unfall­freies Fahren nicht über­nehmen. Sie kann ihn nur für den Zeitraum bekommen, in dem sie sich den Rabatt auch selbst hätte „erfahren“ können – also für zwei Jahre.

Rechts­schutz von Fall zu Fall

Ein komplizierter Fall ist die Rechts­schutz­versicherung. Stirbt zum Beispiel derjenige, dem der Versicherer Rechts­schutz für Streitig­keiten in seinem Beruf gewährt, kann der Erbe den Vertrag nur über­nehmen, wenn er den gleichen Beruf ausübt.

Beim Verkehrs­rechts­schutz gibt es bei Tod des Versicherungs­nehmers zwei Varianten: Bezieht sich der Rechts­schutz nur auf eine bestimmte Person und nicht etwa auf ein Auto, wird der Vertrag mit dem Tod des Versicherten gegen­stands­los.

Gilt der Verkehrs­rechts­schutz aber für einen bestimmten Wagen, besteht er wie eine Kfz-Versicherung für den Erben fort.

Zahlt der Hinterbliebene den nächsten Beitrag, wird er neuer Versicherungs­nehmer. Ansonsten endet der Vertrag zu dem Zeit­punkt, an dem der nächste Beitrag fällig gewesen wäre.

Berufs­unfähigkeits­versicherungen, Unfall-, Lebens- und private Kranken­versicherung enden dagegen sofort, wenn die versicherte Person stirbt.

Die Regeln sind so unterschiedlich – am besten rufen die Angehörigen alle Versicherer des Verstorbenen bald an und fragen, wie es mit dem Schutz weitergeht.

Klauseln verstehen

Bereits erschienen:

- Vorerkrankungen, 04/2011

Nächste Folge:

- Obliegenheiten, 06/2011

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