Serie Energie sparen, Teil 5: Fahrtkosten Meldung

Zwei Drittel aller Berufstätigen nutzen täglich das eigene Auto, um zur Arbeit zu fahren. Dabei kämen viele mit Fahrgemeinschaften oder einem Jahresticket für Bus und Bahn kostengünstiger und umweltfreundlicher ans Ziel. Auch Mitfahrgelegenheiten und Carsharing können Geldbörse und Umwelt schonen. test.de gibt Tipps.

Semesterticket für Studenten

Insgesamt 160 000 Berliner und Brandenburger Studenten haben ein sogenanntes Semesterticket.  Ein Semester lang steht den Brandenburger Studierenden dank der Kooperation des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) mit den Universitäten und Fachhochschulen das gesamte Schienennetz Berlins und Brandenburgs zur Verfügung. Die Berliner Studierenden können den gesamten Berliner Tarifbereich und angrenzende Gebiete Brandenburgs inklusive Potsdam nutzen. Für Karoline Preißler, 24, Lehramtsstudentin an der Uni Potsdam, lohnen sich die 131,25 Euro für das Semesterticket auf jeden Fall. Sie pendelt täglich zwischen Berlin-Friedrichshain und Potsdam. Würde sie die 42 Kilometer hin und zurück mit dem Auto fahren, müsste sie pro Semester – selbst mit einem Fünf-Liter-Auto – rund 600 Euro nur für Spritkosten aufbringen.

Monatskarten für Berufstätige

Auch für Berufstätige und Schüler lohnt sich der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV). Sie können sparen und die Umwelt entlasten, indem sie Azubi-, Monats- und Jahreskarten der örtlichen Verkehrsbetriebe nutzen. Ursula Dziambor, Statistikerin vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), bekräftigt: „Die deutschen Verkehrsunternehmen befördern täglich 28 Millionen Kunden. Damit werden bei ­einem mittleren Besetzungsgrad von 1,5 Personen je Pkw am Tag über achtzehn Millionen Autofahrten ersetzt. Für den Preis ­einer Tankfüllung kann man mit einer Monatskarte mit Bussen und Bahnen einen ganzen Monat in seiner Stadt oder Region mobil sein.“ Und mal abgesehen davon, dass es zur Rushhour mit dem ÖPNV oft schneller geht als mit dem Auto, kann die Zeit wunderbar genutzt werden, um ein gutes Buch oder die Zeitung zu lesen.

Rad statt Auto

Im Sommer kein Problem, im Winter kostet es Überwindung: Fahrrad fahren. Ist die Strecke nicht zu lang und stimmt die Kleidung, ist das Rad jedoch die beste Alterna­tive zum Auto. Die lästige Parkplatzsuche entfällt, Staus sind kein Thema und kostengünstig ist es allemal. Sie verbrauchen zwar Energie, aber in Form von Kalorien. Das ist umweltbewusst und gesund obendrein. Die Stadtwerke Bochum haben zum Beispiel im letzten Jahr an der Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit“ des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs e. V. (ADFC) und der AOK teilgenommen. Pressesprecher Thomas Schönberg: „Jeder der 30 Mitarbeiter sparte in den drei Monaten täglich 1,50 ­Euro Spritkosten!“

Kohlendioxid vermeiden

Das Bundesverkehrsministerium hat ermittelt: Würden übers Jahr 30 Prozent der Kurzstrecken bis sechs Kilometer in den Innenstädten mit dem Fahrrad statt mit dem Auto zurückgelegt, ließen sich 7,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) vermeiden. Immerhin besitzen über 80 Prozent der deutschen Haushalte mindestens ein Rad. Das sind zirka 67 Millionen Fahrräder! Bettina Cibulski vom ADFC fügt hinzu: „Knapp 30 Millionen Deutsche nutzen ein- bis zweimal in der Woche ihr Rad. Insgesamt ­jedoch werden bisher nur 9 Prozent aller Wege mit dem Fahrrad erledigt.“ Nicht in Münster: In der westfälischen Fahrrad-­Metropole hat der Drahtesel bereits 2007 das Auto als meistgenutztes Verkehrsmittel ­abgehängt.

Gemeinsam Sprit sparen

Noch immer nutzen zwei Drittel aller Berufstätigen täglich das eigene Auto. Doch auch das geht umweltschonend und kostengünstig – mit den sogenannten Pendler-Fahrgemeinschaften. Auf Vermittlungsplattformen wie www.pendlernetz.de können sich Interessenten kostenlos registrieren und sowohl mitfahren als auch andere Pendler mitnehmen. Die Insassen teilen sich die Spritkosten. Das Prinzip ähnelt dem der Mitfahrgelegenheiten, die vor allem für unregelmäßige Fahrten auf längeren Strecken genutzt werden.

Florian Girnuweit, 26, Polizeimeister aus Hamburg, pendelt mehrfach im Jahr zwischen der Hansestadt und seinem Heimatort Berlin. Inzwischen nutzt er fast ausschließlich Mitfahrgelegenheiten: „Ich gehe zum Beispiel auf www.mitfahrgelegenheit.de, gebe als Mitfahrer Start, Ziel und Datum in die Suchmaske ein und erhalte eine Liste der passenden Fahrer mit Kontaktdaten, Uhrzeit, Mitnahmepreis, Anzahl der freien Plätze und Daten zum Pkw. Für eine Fahrt von Hamburg nach Berlin zahle ich meist so um die 13 Euro. Günstiger gehts eigentlich nicht. Oft kann man auch noch handeln. Und bisher habe ich fast nur interessante, nette Menschen kennengelernt. Dann ist die Fahrzeit ruckzuck um.“

Sparangebote der Bahn

Für alle, die dem trotzdem nichts abgewinnen können, bietet sich die Deutsche Bahn an. Bei rechtzeitiger Buchung sind auf vielen innerdeutschen Verbindungen Sparangebote ab 29 Euro eine gute Möglichkeit. Auf kurzen Strecken bis 250 Kilometer kommt man sogar schon ab 19 Euro ans Ziel. Ebenso sinnvoll sind die Gruppentickets für fünf Personen, die pro Tag ab 25 Euro kosten.

Ein Auto, viele Fahrer

In dieser Liste darf das Carsharing, zu Deutsch „Autoteilen“, natürlich nicht fehlen. Die organisierte, gemeinschaftliche Nutzung eines Autos wird derzeit in Deutschland an rund 270 Orten – von Kiel bis München – angeboten. Carsharing-Firmen stellen ihre Pkws meist auf festangemieteten Parkplätzen in der Nähe gut erreichbarer Knotenpunkte, wie Bahnhöfen, ab. Denn Carsharing und ÖPNV sollen sich ergänzen. In über 50 Städten kooperieren Anbieter mit den jeweiligen Verkehrsverbünden. So erhalten Jahreskarten-Inhaber günstigere Zugangskonditionen zum Car­sharing.

Für unregelmäßige Autofahrten

Kunden schließen einmalig einen Vertrag ab, zahlen eine Aufnahmegebühr, eine Kaution und eventuell einen Mitgliedsbeitrag. Nach telefonischer oder Internetbuchung können sie dann jederzeit die Pkws nutzen. Am Ende der gebuchten Zeit wird das Auto wieder am Startpunkt abgestellt. Um Versicherung, Reparaturen und Kfz-Steuer kümmert sich das Carsharing-Unternehmen. Geeignet ist Carsharing vor allem für unregelmäßige Autofahrten. Denn berechnet werden die gefahrenen Kilometer und die Nutzungszeit. Steht das Auto also mehrere Stunden herum, wird es teuer. Ob es sich als Autobesitzer lohnt, auf Carsharing umzusteigen, hängt vor allem vom individuellen Fahrverhalten und den Tarifen der Anbieter ab. Wer im Jahr nur wenige Tausend ­Kilometer fährt, kann mit Carsharing mehrere Hundert Euro sparen. Spart man auch mit Hybridautos? Um solche und andere umweltschonende Pkws geht es im nächsten Teil unserer Serie Energie sparen (2/2009).

Serie Energie sparen

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