Europa bekommt ein neues Zahlungs­system: Sepa. Aber noch nicht am 1. Februar. Weil viele kleine und mittel­stän­dische Unternehmen die Umstellung nicht recht­zeitig geschafft haben, will die EU-Kommis­sion die Frist um sechs Monate bis August verlängern. Über­weisungen und Last­schriften über Länder­grenzen hinweg werden dann einfacher. Die Verschiebung hat zunächst keine Auswirkungen auf Privatpersonen. test.de beant­wortet die wichtigsten Fragen und sagt, was auf Verbraucher zukommt.

Störungen des Zahlungs­verkehrs befürchtet

Sepa-Zahlungen Special

Der europäische Zahlungs­raum Sepa.

Der einheitliche europäische Zahlungs­raum Sepa umfasst die 28 Länder der Europäischen Union sowie Island, Liechten­stein, Monaco, Norwegen und die Schweiz. Die blau markierten Länder bilden den einheitlichen europäischen Zahlungs­raum Sepa.

Alle paar Tage kam in den vergangenen Wochen ein Brief: Banken, Strom­versorger, Versicherungen, Kreditkarten­heraus­geber und Vereine informierten ihre Kunden und Mitglieder über Veränderungen im Zahlungs­verkehr. Ab 1. Februar 2014 sollten die nationalen Zahlungs­verfahren der EU-Länder wie Über­weisungen und Last­schriften auf einen gemein­samen Stan­dard umge­stellt werden und damit ein einheitlicher Euro-Zahlungs­verkehrs­raum, eng­lisch „Single Euro Payments Area“, kurz Sepa entstehen. Die EU-Kommis­sion hat eine Verlängerung der Frist um ein halbes Jahr vorgeschlagen. Die Umstellungs­rate auf Sepa sei noch nicht hoch genug und könnte zu Störungen des Zahlungs­verkehrs führen.EU-Mitglieds­staaten und Europa­parlament haben sich darauf­hin geeinigt, dem Antrag auf Verschiebung zuzu­stimmen und das SEPA-Zahlungs­system erst bis zum 1. August endgültig einzuführen.

Was ändert sich für mich als Bank­kunde mit der Umstellung auf die europäischen Zahlungs­verfahren?

Sie müssen sich an neue Zahlen und Buch­stabenreihen gewöhnen. Statt der alten Konto­nummer und Bank­leitzahl gelten für Über­weisungen und Last­schriften künftig die 22-stel­lige interna­tionale Bank­konto­nummer (Iban) und der 8-stel­lige Bank­code (Bic). Die neuen Daten erfahren Sie bei Ihrer konto­führenden Bank. Sie stehen auch auf dem Konto­auszug, beim Online­banking in den Konto­informationen und zum Teil schon auf der Girocard (frühere ec-Karte). Die Bic müssen Sie bei Zahlungen im Inland nicht mehr angeben, sondern nur noch für Euro-Zahlungen inner­halb der EU.

Was passiert, wenn ich nach dem Umstellungs­termin noch die alten Zahlen verwende?

Bei Über­weisungen macht das nichts, bei Last­schriften schon. Für Über­weisungen gibt es noch eine Über­gangs­frist. Die Banken wandeln für Sie die alten Konto­angaben in die Iban und Bic um, sowohl für Ihr eigenes Konto als auch für das Ihrer Zahlungs­empfänger. Dagegen sind Last­schriften ab dem Umstellungs­termin nur noch mit den neuen Sepa-Bank­daten möglich. Besser ist es in jedem Fall, sich schon gleich an Iban und Bic zu gewöhnen.

Eine Prüfziffer verhindert Fehl­buchungen

Die neue Konto­nummer ist jetzt fast doppelt so lang wie bisher. Sind da nicht Zahlendreher und Tipp­fehler vorprogrammiert?

Dafür gibt es einen Schutz: Jede Iban wird durch eine zwei­stel­lige Prüfziffer abge­sichert. Sie folgt auf das Länderkürzel am Anfang (siehe Grafik). Die Prüfziffer wird für jede Iban extra berechnet. Dabei fallen Tipp­fehler sofort auf und die Bank führt die Über­weisung gar nicht aus.

Sepa-Zahlungen Special

Die Iban setzt sich übrigens aus den bisher bekannten Zahlen zusammen: der alten Bank­leitzahl und Konto­nummer. Zur Erleichterung trägt auch bei, dass die aus Buch­staben bestehende Bic beim Online­banking meist auto­matisch einge­tragen wird. Sie kann bei Inlands­zahlungen auch weggelassen werden.

Welche Vorteile hat denn für mich die Sepa-Umstellung?

Mit der Vereinheitlichung werden grenz­über­schreitende Über­weisungen und Last­schriften im Sepa-Raum einfacher, schneller und güns­tiger, sofern sie in Euro abge­wickelt werden. Das gilt für alle Zahlungen zwischen den 28 EU-Ländern sowie Island, Liechten­stein, Monaco, Norwegen und der Schweiz. Sie können künftig zum Beispiel das Geld für die Strom­rechnung Ihres Häuschens in Italien von Ihrem deutschen Konto aus per Last­schrift einziehen lassen. Die Bank­kunden aller Sepa-Länder können alle dieselben Formulare verwenden und benötigen nur noch ein Konto, auch wenn sie mit mehreren Ländern zu tun haben. Grenz­über­schreitende Zahlungen dürfen nur noch so viel wie Inlands­zahlungen kosten und werden damit für deutsche Bank­kunden in der Regel güns­tiger. Die Über­weisungen müssen genauso schnell ausgeführt werden wie im Inland. Eine elektronische Über­weisung muss den Empfänger am nächsten Bank­arbeits­tag erreichen, Papier­über­weisungen in maximal zwei Bank­arbeits­tagen.

Künftig muss über jede Buchung vorab informiert werden

An welchen Stellen muss ich als Bank­kunde aktiv werden?

Die Sepa-Umstellung ist für Sie keine große Sache. Dauer­aufträge stellen die Banken auto­matisch auf die neuen Daten um. Dasselbe gilt für die Empfänger­liste, die Sie im Online­banking angelegt haben. Ihre Einzugs­ermächtigungen bleiben bestehen, sofern Sie diese schriftlich erteilt haben. Andernfalls wird der Zahlungs­empfänger – zum Beispiel der Strom­versorger – jetzt ein „Mandat“ für die neue Sepa-Basislast­schrift einholen. Sie geben damit Ihrem Zahlungs­empfänger die Erlaubnis, Geld von Ihrem Konto per Last­schrift einzuziehen und zugleich der Bank das Okay, den Betrag vom Konto abzu­buchen und weiterzugeben. Neu ist, dass Sie künftig mindestens 14 Tage vor der Buchung eine Information per Post, E-Mail, SMS, Telefon, Fax oder als Rechnung über Betrag und Fälligkeits­datum der Last­schrift bekommen müssen. Bei regel­mäßig wieder­kehrenden Last­schriften wie der Miete reicht eine einmalige Information.

Kann ich einer Last­schrift wie bisher wider­sprechen?

Ja, die Fristen haben sich nur gering­fügig geändert. Sie können jeder Last­schrift inner­halb von acht Wochen nach Belastung ohne Angabe von Gründen wider­sprechen. Vor Juli 2012 waren es sechs Wochen nach Quartals­abschluss. Die Bank muss den Betrag dann zurück­buchen. Wenn Sie keine Einzugs­ermächtigung erteilt hatten, können Sie auch noch bis zu 13 Monate nach der Konto­belastung wider­sprechen.

Wie gebe ich beim Telefon­banking die Buch­staben der Iban und Bic ein? Bei mir werden nur Ziffern akzeptiert.

Für Zahlungen im Inland müssen Sie gar keine Buch­staben angeben. Sie tippen wie bisher die alte Konto­nummer und Bank­leitzahl über die Tastatur Ihres Telefons ein. Entweder wandelt die Bank diese Zahlen auto­matisch in die neue Iban und Bic um, oder sie hat ihr Sprach­dialogsystem so programmiert, dass das Länderkürzel DE voreinge­stellt ist.

Tipps

  • Kontrolle. Prüfen Sie trotz möglicher Frist­verlängerung jetzt schon, ob alle Ihre Dauer­aufträge und Einzugs­ermächtigungen wie bisher gebucht werden. Sie sind dafür verantwort­lich, dass der Einzugs­berechtigte Ihre korrekten Daten hat und reibungs­los sein Geld einziehen kann.
  • Daten­klau. Seien Sie vorsichtig, wenn Sie Sepa-Informations­schreiben per E-Mail bekommen und öffnen Sie keine Links darin. Betrüger versuchen auf diese Weise, Schad­programme einzuschleusen. Geben Sie nie Ihre Zugangs­daten zum Konto und keine Trans­aktions­nummern auf solch einer Internetseite ein. Schützen Sie Ihren PC mit aktuellen Firewalls und Virens­cannern.

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