Sepa-Zahlungen Europas neue Nummern

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Europa bekommt ein neues Zahlungs­system: Sepa. Aber noch nicht am 1. Februar. Weil viele kleine und mittel­stän­dische Unternehmen die Umstellung nicht recht­zeitig geschafft haben, will die EU-Kommis­sion die Frist um sechs Monate bis August verlängern. Über­weisungen und Last­schriften über Länder­grenzen hinweg werden dann einfacher. Die Verschiebung hat zunächst keine Auswirkungen auf Privatpersonen. test.de beant­wortet die wichtigsten Fragen und sagt, was auf Verbraucher zukommt.

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Störungen des Zahlungs­verkehrs befürchtet

Sepa-Zahlungen - Europas neue Nummern
Der europäische Zahlungs­raum Sepa.

Alle paar Tage kam in den vergangenen Wochen ein Brief: Banken, Strom­versorger, Versicherungen, Kreditkarten­heraus­geber und Vereine informierten ihre Kunden und Mitglieder über Veränderungen im Zahlungs­verkehr. Ab 1. Februar 2014 sollten die nationalen Zahlungs­verfahren der EU-Länder wie Über­weisungen und Last­schriften auf einen gemein­samen Stan­dard umge­stellt werden und damit ein einheitlicher Euro-Zahlungs­verkehrs­raum, eng­lisch „Single Euro Payments Area“, kurz Sepa entstehen. Die EU-Kommis­sion hat eine Verlängerung der Frist um ein halbes Jahr vorgeschlagen. Die Umstellungs­rate auf Sepa sei noch nicht hoch genug und könnte zu Störungen des Zahlungs­verkehrs führen.EU-Mitglieds­staaten und Europa­parlament haben sich darauf­hin geeinigt, dem Antrag auf Verschiebung zuzu­stimmen und das SEPA-Zahlungs­system erst bis zum 1. August endgültig einzuführen.

Was ändert sich für mich als Bank­kunde mit der Umstellung auf die europäischen Zahlungs­verfahren?

Sie müssen sich an neue Zahlen und Buch­stabenreihen gewöhnen. Statt der alten Konto­nummer und Bank­leitzahl gelten für Über­weisungen und Last­schriften künftig die 22-stel­lige interna­tionale Bank­konto­nummer (Iban) und der 8-stel­lige Bank­code (Bic). Die neuen Daten erfahren Sie bei Ihrer konto­führenden Bank. Sie stehen auch auf dem Konto­auszug, beim Online­banking in den Konto­informationen und zum Teil schon auf der Girocard (frühere ec-Karte). Die Bic müssen Sie bei Zahlungen im Inland nicht mehr angeben, sondern nur noch für Euro-Zahlungen inner­halb der EU.

Was passiert, wenn ich nach dem Umstellungs­termin noch die alten Zahlen verwende?

Bei Über­weisungen macht das nichts, bei Last­schriften schon. Für Über­weisungen gibt es noch eine Über­gangs­frist. Die Banken wandeln für Sie die alten Konto­angaben in die Iban und Bic um, sowohl für Ihr eigenes Konto als auch für das Ihrer Zahlungs­empfänger. Dagegen sind Last­schriften ab dem Umstellungs­termin nur noch mit den neuen Sepa-Bank­daten möglich. Besser ist es in jedem Fall, sich schon gleich an Iban und Bic zu gewöhnen.

Eine Prüfziffer verhindert Fehl­buchungen

Die neue Konto­nummer ist jetzt fast doppelt so lang wie bisher. Sind da nicht Zahlendreher und Tipp­fehler vorprogrammiert?

Dafür gibt es einen Schutz: Jede Iban wird durch eine zwei­stel­lige Prüfziffer abge­sichert. Sie folgt auf das Länderkürzel am Anfang (siehe Grafik). Die Prüfziffer wird für jede Iban extra berechnet. Dabei fallen Tipp­fehler sofort auf und die Bank führt die Über­weisung gar nicht aus.

Sepa-Zahlungen - Europas neue Nummern

Die Iban setzt sich übrigens aus den bisher bekannten Zahlen zusammen: der alten Bank­leitzahl und Konto­nummer. Zur Erleichterung trägt auch bei, dass die aus Buch­staben bestehende Bic beim Online­banking meist auto­matisch einge­tragen wird. Sie kann bei Inlands­zahlungen auch weggelassen werden.

Welche Vorteile hat denn für mich die Sepa-Umstellung?

Mit der Vereinheitlichung werden grenz­über­schreitende Über­weisungen und Last­schriften im Sepa-Raum einfacher, schneller und güns­tiger, sofern sie in Euro abge­wickelt werden. Das gilt für alle Zahlungen zwischen den 28 EU-Ländern sowie Island, Liechten­stein, Monaco, Norwegen und der Schweiz. Sie können künftig zum Beispiel das Geld für die Strom­rechnung Ihres Häuschens in Italien von Ihrem deutschen Konto aus per Last­schrift einziehen lassen. Die Bank­kunden aller Sepa-Länder können alle dieselben Formulare verwenden und benötigen nur noch ein Konto, auch wenn sie mit mehreren Ländern zu tun haben. Grenz­über­schreitende Zahlungen dürfen nur noch so viel wie Inlands­zahlungen kosten und werden damit für deutsche Bank­kunden in der Regel güns­tiger. Die Über­weisungen müssen genauso schnell ausgeführt werden wie im Inland. Eine elektronische Über­weisung muss den Empfänger am nächsten Bank­arbeits­tag erreichen, Papier­über­weisungen in maximal zwei Bank­arbeits­tagen.

Künftig muss über jede Buchung vorab informiert werden

An welchen Stellen muss ich als Bank­kunde aktiv werden?

Die Sepa-Umstellung ist für Sie keine große Sache. Dauer­aufträge stellen die Banken auto­matisch auf die neuen Daten um. Dasselbe gilt für die Empfänger­liste, die Sie im Online­banking angelegt haben. Ihre Einzugs­ermächtigungen bleiben bestehen, sofern Sie diese schriftlich erteilt haben. Andernfalls wird der Zahlungs­empfänger – zum Beispiel der Strom­versorger – jetzt ein „Mandat“ für die neue Sepa-Basislast­schrift einholen. Sie geben damit Ihrem Zahlungs­empfänger die Erlaubnis, Geld von Ihrem Konto per Last­schrift einzuziehen und zugleich der Bank das Okay, den Betrag vom Konto abzu­buchen und weiterzugeben. Neu ist, dass Sie künftig mindestens 14 Tage vor der Buchung eine Information per Post, E-Mail, SMS, Telefon, Fax oder als Rechnung über Betrag und Fälligkeits­datum der Last­schrift bekommen müssen. Bei regel­mäßig wieder­kehrenden Last­schriften wie der Miete reicht eine einmalige Information.

Kann ich einer Last­schrift wie bisher wider­sprechen?

Ja, die Fristen haben sich nur gering­fügig geändert. Sie können jeder Last­schrift inner­halb von acht Wochen nach Belastung ohne Angabe von Gründen wider­sprechen. Vor Juli 2012 waren es sechs Wochen nach Quartals­abschluss. Die Bank muss den Betrag dann zurück­buchen. Wenn Sie keine Einzugs­ermächtigung erteilt hatten, können Sie auch noch bis zu 13 Monate nach der Konto­belastung wider­sprechen.

Wie gebe ich beim Telefon­banking die Buch­staben der Iban und Bic ein? Bei mir werden nur Ziffern akzeptiert.

Für Zahlungen im Inland müssen Sie gar keine Buch­staben angeben. Sie tippen wie bisher die alte Konto­nummer und Bank­leitzahl über die Tastatur Ihres Telefons ein. Entweder wandelt die Bank diese Zahlen auto­matisch in die neue Iban und Bic um, oder sie hat ihr Sprach­dialogsystem so programmiert, dass das Länderkürzel DE voreinge­stellt ist.

Tipps

  • Kontrolle. Prüfen Sie trotz möglicher Frist­verlängerung jetzt schon, ob alle Ihre Dauer­aufträge und Einzugs­ermächtigungen wie bisher gebucht werden. Sie sind dafür verantwort­lich, dass der Einzugs­berechtigte Ihre korrekten Daten hat und reibungs­los sein Geld einziehen kann.
  • Daten­klau. Seien Sie vorsichtig, wenn Sie Sepa-Informations­schreiben per E-Mail bekommen und öffnen Sie keine Links darin. Betrüger versuchen auf diese Weise, Schad­programme einzuschleusen. Geben Sie nie Ihre Zugangs­daten zum Konto und keine Trans­aktions­nummern auf solch einer Internetseite ein. Schützen Sie Ihren PC mit aktuellen Firewalls und Virens­cannern.
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Profilbild Stiftung_Warentest am 03.02.2014 um 14:01 Uhr
Schweiz ist nicht EU...(Teil 2)

@frankflo
Sie haben Recht!!
Eine Rückfrage beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband ergab Folgendes:
Da die Schweiz aus deutscher Sicht kein EWR-Staat ist, gelten die in § 675q Abs. 3 BGB festgeschriebene SHARE-Regel (d. h. Zahler wie Zahlungsempfänger tragen jeweils die Entgelte, die ihr Institut berechnet) sowie das Preisgleichheitsgebot des Art. 3 Abs. 1 der EU-Preisverordnung hier nicht.
Daraus folgt...
Deutsche Zahlungsdienstleister dürfen Überweisungen in die Schweiz höher bepreisen als Inlandsüberweisungen.
Die inkorrekte Angabe von unserer Seite bitten wir zu entschuldigen. (dda)

Xander1941 am 03.02.2014 um 11:02 Uhr
Stiftung Warentest noch nicht SEPA-fähig?

Etwas verwundert habe ich festgestellt, daß die Lastschriften für meine TEST-Abonnements heute noch nach dem alten Verfahren eingezogen wurden. Ebenso habe ich bisher keine Benachrichtigung über ein SEPA-Mandat gesehen.

Alexander1234 am 01.02.2014 um 18:31 Uhr
Pflichten des Zahlungspflichtigen

"Kontrolle. Prüfen Sie trotz möglicher Frist­verlängerung jetzt schon, ob alle Ihre Dauer­aufträge und Einzugs­ermächtigungen wie bisher gebucht werden. Sie sind dafür verantwort­lich, dass der Einzugs­berechtigte Ihre korrekten Daten hat und reibungs­los sein Geld einziehen kann."
Der Tipp ist echt an der Realität vorbei und macht den Menschen völlig unnötig Angst!!!
Natürlich muss grundsätzlich jeder dem Zahlungsempfänger im Lastschriftverfahren korrekte Kontokennungen zum Einzug übermitteln. Man muss dies aber nicht nochmal tun, nur weil der Einziehende irgendwann per SEPA einzieht. Jeder Lastschrifteinzieher ist selbst dafür verantwortlich seine Datenbestände umzuwandeln. In der Regel fragen die Einzieher bei der Wandlungsinformation (aus Einzugsermächtigung wird SEPA-Basis-Mandat) nochmal nach, ob sie korrekt gewandelt haben.
Im Bezug auf Daueraufträge wandelt die Bank des Zahlungspflichtigen Kontonummer/BLZ in IBAN und BIC um. Auch hier muss der Zahler absolut nichts tun!

Alexander1234 am 01.02.2014 um 18:23 Uhr
EU-Fristverlängerung

Ich finde es wäre wichtig mal klar zu sagen, was die EU-Kommission vorgeschlagen hat:
1. Der Termin 1.2.2014 wird ausdrücklich bestätigt. Hier soll die Umstellung wie geplant erfolgen.
2. Es gibt eine zusätzliche Übergangsfrist, in der Kreditinstitute Zahlungen in den Alt-Verfahren noch annehmen und verarbeiten KÖNNEN(lt. der bisherigen Rechtslage war das ab 1.2.2014 verboten).
Das bedeutet nicht, dass alles 6 Monate länger so weitergeht wie bisher. Ab dem 1.2.2014 wird es trotz Fristverlängerung deutliche Einschränkungen in den Angeboten der Kreditinstitute geben. Über die komplette deutsche Kreditwirtschaft wird es zum Beispiel den Abbuchungsauftrag nicht mehr geben.
Die Einschränkungen sind eigentlich auch logisch, wenn man sich klar macht, dass die vertraglichen Gruindlagen für die Abwicklung der Verfahren zwischen den banken und Bank und Kunde bereits rechtswirksam gekündigt sind.
Fazit: Es wird nur eine Notlösung für die geben, die die Umstellung nicht geschafft haben.

Alexander1234 am 01.02.2014 um 18:17 Uhr
Zur Anmerkung/Reaktion "Schweitz ist nicht EU"

Nach meiner Meinung hat frankflo recht. Die Frage ist ja nicht, ob der Artikel sagt, dass die Schweitz zur EU gehört. Das ist relativ unstrittig... :-)
Der Artikel sagt aber, dass alle Zahlungen jetzt genauso teuer sind wie Inlandszahlungen "Grenz­über­schreitende Zahlungen dürfen nur noch so viel wie Inlands­zahlungen kosten und werden damit für deutsche Bank­kunden in der Regel güns­tiger."
Diese Aussage ist grundsätzlich richtig - und im Übrigen ein echter Vorteil von SEPA - im Bezug auf Überweisungen in Länder wie die Scheitz oder Monaco aber falsch. Hier berechnen Kreditinstitute Extrapreise. Was auch legitim ist...