Seniorenresidenzen Test

Seniorenresidenzen erinnern eher an gehobene Hotels als an Altenheime. Nicht ohne Grund gelten sie als besonders noble Form des betreuten Wohnens: Sie bieten seniorengerecht ausgestattete Apartments und umfangreiche Betreuungs- sowie Pflegedienstleistungen. Meist gehören auch Extras wie Schwimmbäder, Gymnastik- und Clubräume oder hauseigene Cafés zur Wohnanlage. Dieser Luxus aber hat seinen Preis: Unter 1 200 Euro im Monat ist ein Apartment oft nicht zu haben. Finanztest hat zwölf Seniorenresidenzen getestet und gibt einen Überblick über Wohnkomfort, Preise und sagt, worauf Interessenten bei der Auswahl achten sollten.

Auch bei Pflegestufe III

Um die Seniorenresidenzen genau unter die Lupe zu nehmen, hat Finanztest jeweils zwei Tester zum Probewohnen geschickt. Ausgewählt wurden nur Wohnanlagen, die eine Betreuung in der Wohnung oder stationär im Pflegebereich der Residenz auch bei schwerster Pflegebedürftigkeit, also Pflegestufe III, bieten.

Schwieriger Preisvergleich

Im Test erzielten die teuersten Häuser die besten Bewertungen. So etwa das Augustinum in Kleinmachnow bei Berlin. Ein 32 Quadratmeter großes Einzimmer-Apartment kostet hier 1 711 Euro im Monat. Außerdem müssen Bewohner einmalig 18 000 Euro als Darlehen zahlen. Das Geld wird zwar mit 4 Prozent verzinst, doch erst bei Auszug oder Tod an die Angehörigen zurückgezahlt. Im Ludwigsburger Elisa Seniorenstift, der Hamburger Kursana Residenz und im Parkwohnstift Bad Kissingen müssen Bewohner kein Darlehen zahlen. Doch auch hier kostet ein etwa 30 Quadratmeter großes Apartment um die 1 500 Euro. Allerdings lassen sich die Preise nur schwer miteinander vergleichen: Jede Einrichtung bietet andere Leistungen an, die bereits im Monatspreis enthalten sind. In einigen Häusern gehört neben der Warmmiete nur die Betreuungspauschale für den Grundservice zu den monatlichen Fixkosten. Frühstück, Mittagessen und andere Serviceleistungen können Bewohner zusätzlich wählen. In anderen Häusern sind dagegen Mittagessen, Apartmentreinigung und befristete Pflege im Krankheitsfall bereits in den Fixkosten enthalten.
Tipp: Lassen Sie sich das detaillierte Preisverzeichnis geben. So können Sie am ehesten erkennen, welche Leistungen bereits im Grundpreis enthalten sind, was die einzelnen Häuser zusätzlich anbieten und wie viel Sie dafür zahlen müssen.

Ausstattung, Lage und Atmosphäre

In der Ausstattung unterscheiden sich Apartments auch innerhalb eines Hauses oft voneinander. So hatten einige im Test zu schmale Türen, enge Bäder oder Schwellen zum Balkon. Das können für Gehbehinderte oder Rollstuhlfahrer große Hindernisse sein. Auch fehlten in einigen Wohnungen bodengleiche Duschen. Doch auch die Lage der Seniorenresidenz ist für das persönliche Wohlempfinden wichtig. Wer weiter Kontakt zu Freunden und Familie haben möchte, sollte eine Anlage wählen, die nicht weit vom bisherigen Wohnort entfernt liegt. Mit einem Probewohnen können Interessenten darüber hinaus am besten die Atmosphäre im Haus kennen lernen.
Tipp: Um unliebsame Überraschungen zu vermeiden, sollten Sie im Vertrag genau festhalten, wie die Wohnung bei Bezug an Sie übergeben wird.

Unwirksame Vertragsklauseln

Um in einer Seniorenresidenz zu leben, muss jeder Bewohner mit dem Träger einen oder mehrere Verträge abschließen. Diese enthielten aber bei vielen Residenzen Verstöße gegen das Heimgesetz und gegen andere Vorschriften. So schränken einige das Nutzungsrecht der Wohnung zu stark ein: Nur mit Erlaubnis dürfen zum Beispiel Bewohner bei Burkardus eine Wasch- oder Spülmaschine aufstellen. Einige Träger lehnen jegliche Haftung für fahrlässig verursachte Schäden ab. Die Bewohner sollen aber oft auch für unverschuldete Schäden aufkommen.
Tipp: Sie müssen diese nachteiligen Vorschriften im Streitfall nicht fürchten: Unzulässige Bedingungen sind unwirksam. Sie werden durch die für Kunden günstigeren gesetzlichen Regelungen ersetzt.

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