Klappt einfach. Wer nur telefonieren will, ist mit einem Klapp­handy am besten beraten.

Simple Handys mit großen Tasten sollen das Telefonieren erleichtern, spezielle Smartphones das Internet-Surfen.

Wenn die Sehkraft nach­lässt, das Hörvermögen oder die Fein­motorik, muss Hilfe her. Um mit den Lieben und der Welt in Kontakt zu bleiben, sind leicht bedien­bare Handys gefragt. Sie sollen Senioren das Telefonieren, SMS-Schreiben und -Lesen erleichtern. Spezial­anbieter haben auch Smartphones im Programm. Die sollen älteren Menschen unterwegs Internet­funk­tionen wie Surfen und E-Mail zugäng­lich machen.

13 simple und 2 schlaue Handys

Wir haben beides geprüft: 13 einfache Handys zum Telefonieren und Simsen sowie 2 Smartphones zweier etablierter Anbieter von Senioren­handys, Doro und Emporia. Zusätzlich haben wir uns einige Software­lösungen angesehen, die beliebige Smartphones mit dem Handy-Betriebs­system Android bedienfreundlich machen sollen.

Praxis­test mit älteren Menschen

Neben den Prüfungen im Labor durch­laufen die Senioren­handys einen Praxis­test mit neun älteren Menschen. Drei von ihnen haben Probleme mit dem Sehen, drei mit dem Hören und drei mit der Motorik. Ergebnis: Unter den einfachen Geräten sind nur das Doro- und das Panasonic-Handy von den Personen aller drei Gruppen leicht zu hand­haben. Auch bei den Senioren-Smartphones fällt das Ergebnis zwiespältig aus. Dabei ist das Gerät mit der besseren Gesamt­note, das Doro Liberto, nicht für jeden das empfehlens­wertere. Menschen mit Seh- oder Motorik­schwäche kommen besser mit dem Emporia Smart klar. Unter den reinen Software-Lösungen im Test über­zeugt am meisten die, die auf Geräten des Smartphone-Markt­führers Samsung bereits vorinstalliert ist.

Klapp­handys leichter zu hand­haben

Die meisten Mobiltelefone für Senioren sind Klapp­handys. Ein Vorteil: Der Klapp­mecha­nismus dient auch als Tasten­sperre – einfach das Handy aufklappen und lostelefonieren. Das macht die Sache leichter als ein fummeliger Schie­beschalter oder eine Tasten­kombination zum Sperren und Entsperren. Außerdem bietet ein Klapp­handy viel Platz für große Tasten und Bild­schirm.

Meist mit Ladeschale

Die meisten im Test kommen stan­dard­mäßig mit Ladeschale. So muss der Nutzer keinen winzigen Stecker in eine Lade­buchse fummeln. Zudem gibt die Schale dem Handy zu Hause sein angestammtes Plätz­chen. Das verringert das Risiko, es zu verlegen und lange danach suchen zu müssen. Im Hand­habungs­test der Senioren und auch insgesamt schneiden zwei Klapp­handys von Panasonic und Doro am besten ab. Beide bieten gute Displays mit großer Schrift, große, gut bedien­bare Tasten sowie eine hohe Laut­stärke beim Telefonieren und bei Klingeltönen. Das dritt­platzierte Senioren­handy, Emporia Flipbasic, ist vor allem wegen seines güns­tigen Preises von knapp 55 Euro interes­sant. Auch wirkt es mit seiner blanken Kunst­stoff­rück­seite etwas eleganter als die Erst­platzierten, ist aber etwas kleiner und weniger griffig.

Alle mit Notruffunk­tion

Hilfe auf Knopf­druck. Alle bieten einen Notrufknopf. Doch nicht über­all ist die Funk­tion gut umge­setzt.

Alle Geräte im Test können in der Not Hilfe rufen. Sie bieten eine Notruffunk­tion. Wenn der Nutzer die spezielle Taste drückt, versucht das Handy, einen Notfall­kontakt zu erreichen, ihm eine SMS oder eine Sprach­nach­richt zu schi­cken. Das Gerät arbeitet eine Liste der einge­speicherten Notrufnummern nach­einander ab, bis es eine von ihnen erreicht.

Mailbox unterbricht die Notrufkette

Dumm nur, wenn die Notrufkette unterbrochen wird, weil sich bei einem der angerufenen Kontakte ein Anruf­beant­worter meldet. Nur sechs Geräte lösen das Problem gut: Amplicomms, beide Emporias, Pearl, Tiptel und das Klapp­handy von Doro wählen die nächste Notrufnummer, wenn der Angerufene die Annahme des Notrufs nicht durch Drücken einer bestimmten Taste bestätigt. Bei allen anderen sollte man keine Nummern eingeben, bei denen auch mal eine Mailbox rangehen könnte. Sonst kann der Notruf ins Leere laufen.

Smartphones für Senioren

Die beiden Senioren-Smartphones von Doro und Emporia über­nehmen einige Elemente der Einfach-Handys: Beide haben eine Ladeschale und einen Notrufknopf. Beim Doro kann ein Anruf­beant­worter die Notrufkette allerdings unter­brechen. Beide Geräte setzen auf große, klar abge­grenzte „echte“ Tasten für Grund­funk­tionen wie den Start­bild­schirm. Bei vielen modernen Android-Handys sind die ansonsten nur noch als Software-Tasten auf dem Bild­schirm umge­setzt. Auf ihren Displays versuchen beide, die Funk­tions­vielfalt der Smartphone-Welt mit großen Symbolen, vereinfachten Menüs und großer Schrift zugäng­licher zu machen.

Emporia Smart kommt besser an

Wähl­klappe. Das Emporia Smart bietet eine Display-Klappe zum leichteren Wählen.

Rein tech­nisch macht das Doro Liberto die bessere Figur. So kann es auch in modernen LTE-Netzen funken – für daten­intensive Internet­anwendungen ein klarer Vorteil. Doch wenn es darum geht, den Bedürf­nissen Älterer gerecht zu werden, liegt das Emporia vorn. Für Personen mit Problemen beim Sehen oder bei der Motorik schnitt es im Test besser ab. Zum Beispiel ist seine Bild­schirm­tastatur zur Text­eingabe besser lesbar als beim Doro.

Mit Eingabestift und Klapp­tastatur

Auch bringt das Emporia einige Extras mit, die bei unseren Senioren im Test gut ankamen. So bietet es die Wahl zwischen zwei Batteriefach­deckeln. Der eine verdeckt einfach nur den Akku, am anderen ist zusätzlich eine Art Klapp­tastatur mit Nummern angebracht. Die lässt sich bei Bedarf über den Touchs­creen klappen und vereinfacht dann das Wählen von Telefon­nummern. Und für Nutzer, die Schwierig­keiten mit Berühr­bild­schirmen haben, ist ein Eingabestift mitgeliefert. Auch verfügt das Emporia über einen Knopf zur Betätigung der Taschen­lampe.

Aber Schwäche im Fall­test

Ein klarer Bonus beim Emporia ist zudem die Anleitung. Sie erklärt wichtige Funk­tionen in für Smartphones ungewöhnlicher Ausführ­lich­keit. Seine größte Schwäche zeigt das Gerät im Fall­test: Wo alle anderen 100 Stürze über­lebten, war es schon nach 50 Stürzen defekt. Für Ältere kann es dennoch das empfehlens­wertere Gerät sein – solange es nicht unglück­lich fällt.

Samsung-Smartphone als Alternative

Wer ein seniorentaugliches Smartphone sucht, aber auf Zusatz­hilfen wie Klapp­tastatur, Eingabestift oder Taschen­lampentaste verzichten kann, sollte sich auch einmal den „einfachen Modus“ ansehen, der sich bei Smartphones von Samsung akti­vieren lässt. Der über­zeugt im Test mehr als spezielle Programme, die Android-Handys seniorentauglich machen sollen. Er kann den Einstieg in die Smartphone-Welt für ältere Nutzer erleichtern, die sich kein spezielles Senioren-Smartphone anschaffen wollen.

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