Was ein Basiskurs bieten muss

Finanztest hat einen Leitfaden für die Basiskurse entwickelt. Er beschreibt, welche Inhalte sie Existenzgründern vermitteln sollten.

Die Wahrheit liegt oft in der Mitte: Ein Einstiegskurs für künftige Existenzgründer sollte weder eine oberfläch­liche Informationsveranstaltung noch eine detailversessene, überfrachtete Vor­lesungsreihe sein. Übungen, Rollenspiele und moderierte Diskussionen sollen helfen, sich Wissen anzueignen und Praxisbezug herzustellen.

Die Welt der Teilnehmer muss einbezogen werden, ohne dass der Kurs eine Beratung ersetzt. Der Kurs sollte alle wichtigen Themen ansprechen, sich aber nicht in Einzelfragen verlieren.

Gut gerüstet ist ein Gründer, wenn er durch die Veranstaltung ein Problembewusstsein für die Anforderungen an eine erfolgreiche Gründung entwickelt. Wie Anbieter das am besten weitergeben, beschreibt unser Leitfaden.

Seminare, die sich an bestimmte Zielgruppen wenden, sollten über alle Themen hinweg auf deren spezifische Bedürfnisse eingehen. Die dargestellten Inhalte bilden auch für mehrwöchige Kurse das Gerüst, sie sollten aber inhaltlich viel tiefer behandelt werden.

Eine ausführliche Fassung des Anforderungsprofils steht unter www.weiterbildungstests.de. Wir haben daran die fachliche Qualität der Kurse gemessen.

Grundsätzliche Ziele

  • Dem Teilnehmer muss deutlich werden, welche Lebensveränderungen mit der Selbstständigkeit verbunden sind.
  • Er soll erfahren, welche Voraussetzungen Existenzgründer mitbringen müssen und welche Anforderungen an Unternehmer gestellt werden.
  • Er muss die Schritte auf dem Weg zur beruflichen Selbstständigkeit kennen.
  • Der Gründer sollen wissen, welche Grundsatzentscheidungen nötig sind (etwa Gewerbe oder Freiberufler).
  • Der Teilnehmer muss zum Schluss seinen weiteren Beratungs- und Weiterbildungsbedarf erkennen.

Während der Veranstaltung soll der Dozent immer wieder darauf hinweisen, wo sich Gründer beraten lassen können. Er soll auf themenspezifische Weiterbildungsangebote und weitere Informationsquellen hinweisen.

Am Anfang die Vorstellung

Zu Beginn des Seminars muss der Teilnehmer die Möglichkeit haben, seine Geschäftsidee vorzustellen und den aktuellen Stand kurz zu formulieren. So kann der Dozent an passender Stelle einen Bezug zu den Gründungsvorhaben der Teilnehmer herstellen.

Unverzichtbare Schwerpunkte

1. Persönlichkeit: Was ändert sich im Leben des Gründers, welche Chancen und Risiken sind mit einer Selbstständigkeit verbunden und von wem ist ein Unternehmer abhängig? Welche fach­lichen, wirtschaftlichen und persön­lichen Voraussetzungen sind nötig?

2. Selbstständigkeit: Welche verschiedenen Wege in die Selbstständigkeit gibt es (zum Beispiel Neugründung oder Franchising) und was sind die rechtlichen Voraussetzungen (zum Beispiel Berufs- und Gewerberecht)? Wie meldet der Teilnehmer sein Gewerbe an? Welche Funktionen haben die Kammern, Berufsverbände und -genossenschaften?

Was sind die Phasen und Schritte der Existenzgründung? Welche Rechtsformen gibt es? Dabei sollten mindestens das Einzelunternehmen, die GbR, die Partnergesellschaft, die GmbH und der Begriff Scheinselbstständigkeit erläutert werden.

3. Businessplan: Welche verschiedenen Funktionen erfüllt der Businessplan, wie ist seine Struktur und wie entwickelt sich der Businessplan im Gründungsprozess weiter?

4. Markt und Marketing: Was ist das Neue oder Besondere der Gründungsidee? Wie und mit wem kann der Gründer Marktforschung betreiben? Warum ist die Analyse der Konkurrenz und des Standortes wichtig? Welche grundlegenden Marketingstrategien gibt es?

5. Finanzierung: Wie wird der Finanzbedarf ermittelt und was gehört dazu? Wie ist ein Investitions-, Kapitalbedarfs- und Finanzierungsplan grundsätzlich aufgebaut? Welche Bedeutung haben Eigen- und Fremdkapital? Welche Bedeutung hat das Bankgespräch für die Kreditvergabe? Welche öffentlichen Förderprogramme gibt es?

Teilweise zu vermittelnde Themen

Die Teilnehmer sollen nur ansatzweise, ohne in die Tiefe zu gehen, etwas über Kalkulation erfahren. Wichtig ist es, den Teilnehmern Grundbegriffe im Bereich Buchführung und Steuern zu vermitteln.

Knapp zu vermittelnde Themen

Knapp zu vermitteln sind rechtliche Aspekte der unternehmerischen Tätigkeit, wie etwa Musterverträge, Pflichten von Arbeitgebern und das Forderungsmanagement. Der Gründer sollte auch auf den notwendigen Versicherungsschutz hingewiesen werden.

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