In Existenzgründerseminaren sollen Teilnehmer alle wichtigen Schritte auf dem Weg in die Selbstständigkeit kennen lernen. Soweit die Theorie. In der Praxis sieht es oft anders aus. Viele Kurse demotivieren künftige Selbstständige oder gehen nicht auf die reale Situation der Teilnehmer ein. Finanztest hat 29 Basisseminare im Raum Berlin-Brandenburg getestet und sagt, wo Interessenten gute Seminare finden und was sie bei der Auswahl der Kurse beachten sollten.

Qualität oft mäßig

Insgesamt untersuchte Finanztest 23 kurze und sechs längere Seminare. Ergebnis: Nur fünf der kurzen Seminare zeichneten sich durch hohe fachliche Qualität aus. In den längeren Seminaren blieb mehr Zeit, konkreter auf Ideen der Teilnehmer einzugehen. Häufige Kritikpunkte an schlechten Seminaren: Der Bezug zur realen Situation der Teilnehmer fehlte. Zudem wurden sie häufig mit Fachwissen zugeschüttet- am Ende des Kurses sind viele dadurch eher verunsichert und demotiviert.

Weichen stellen

Existenzgründerseminare sollen die Teilnehmer auf die Selbstständigkeit vorbereiten. Kurse für Einsteiger sollten daher weder nur oberflächlich noch zu detailversessen sein. Grundsätzlich gilt aber: In guten Kursen erfahren die Teilnehmer, welches unternehmerische Wissen ihnen noch fehlt und was die Selbstständigkeit für sie persönlich bedeutet. Basisseminare sollten daher Folgendes leisten:

  • Dem Teilnehmer muss deutlich werden, welche Lebensveränderungen mit der Selbstständigkeit verbunden sind.
  • Der Kurs muss Voraussetzungen für die Existenzgründung und Anforderungen an künftige Unternehmer herausstellen.
  • Kenntnisse aller Schritte auf dem Weg in die Selbstständigkeit müssen erläutert werden.
  • Potentielle Gründer sollten wissen, welche Grundsatzentscheidungen - etwa Gewerbe oder Freiberufler - notwendig sind.
  • Am Ende des Seminars muss der Teilnehmer seinen weiteren Beratungs- und Weiterbildungsbedarf kennen.
  • Übungen, Rollenspiele und moderierte Diskussionen stellen den Bezug zur Praxis dar.

Unterlagen zum Nachschlagen

Eine große Hilfe sind Manuskripte, die alle wichtigen Informationen der behandelten Themen wiedergeben. Für Kurse, die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit gefördert werden, gibt es eine klare Richtlinie: Die Unterlagen sollten seminarbegleitend und für die Teilnehmer kostenlos sein. In vielen - auch den geförderten - Kursen müssen sich die Teilnehmer allerdings mit einzelnen Kopien zufrieden geben.

Gründungsidee und Businessplan

Für jeden potentiellen Unternehmer entscheidend: die Gründungsidee und der Businessplan. Mit der Gründungsidee sollte sich der Selbstständige von der Konkurrenz abheben. Gute Seminare arbeiten dies mit ihren Teilnehmern beispielhaft heraus. Der Businessplan ist dagegen das zentrale Element der konkreten Planung. Er zwingt Existenzgründer über Details nachzudenken und diese gleichzeitig zu überprüfen. Zudem dient er dazu, Kunden zu werben oder die Bank bei der Vergabe von Krediten zu überzeugen. Darauf sollten die Kurse ebenfalls eingehen.

Individuelle Beratung

Neben Seminaren sollten Existenzgründer auch auf eine individuelle Beratung nicht verzichten. Dabei geht es vor allem darum, die Geschäftsidee oder auch die Umsetzung spezieller Punkte zu prüfen. Diese Beratung erhalten potentielle Selbstständige bei Institutionen wie den Industrie- und Handelskammern sowie Handwerkskammern oder speziellen Beratungsstellen.

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