Selbstständigkeit Meldung

Bis zu 14 400 Euro bekommen Arbeitslose vom Staat, wenn sie als Kleinunternehmer auf eigenen Füßen stehen wollen.

Der Staat will Arbeitslosen mit Fördermitteln den Weg in die Selbstständigkeit schmackhaft machen.

Laufen lernen Kinder leichter, wenn sie von den Eltern an die Hand genommen werden. Auch der Schritt in die berufliche Selbstständigkeit ist einfacher, wenn der Existenzgründer Unterstützung erhält. Vater Staat greift deswegen Arbeitslosen unter die Arme, die als Selbstständige den Weg zurück ins Berufsleben suchen.

Die Idee heißt „Ich-AG“. Gründet ein Arbeitsloser ein Unternehmen, kann er maximal drei Jahre lang einen steuerfreien Existenzgründerzuschuss kassieren – insgesamt 14 400 Euro. Im ersten Jahr bekommt er pro Monat 600 Euro, im zweiten Jahr 360 Euro und im dritten Jahr 240 Euro.

Die Förderung bekommt der Miniunternehmer nur, wenn er die Voraussetzungen erfüllt. Nur wer Leistungen der Arbeitslosenversicherung – etwa ­Arbeitslosengeld oder Arbeitslosenhilfe – bezieht oder in einer Arbeitsbeschaffungs- oder Strukturmaßnahme beschäftigt ist, kann eine Ich-AG gründen. Arbeitslosengeld oder -hilfe bekommt er dann aber nicht zusätzlich. Er darf während der Förderung keine anderen Arbeitnehmer anstellen, mit Ausnahme von Familienangehörigen.

Wer zu viel verdient, fliegt raus

Der Kleinunternehmer darf während ­eines Jahres nicht mehr als 25 000 Euro Gewinn machen. Diese Grenze gilt auch, wenn Familienangehörige mitarbeiten. Wer sie überschreitet, verliert den Zuschuss für die Zukunft. Bereits erhaltenes Geld darf der Unternehmer jedoch behalten. Hat der Selbstständige während der Zeit der Förderung noch eine Nebentätigkeit, so werden diese Einkünfte angerechnet.

Um eine Ich-AG zu gründen, legt der Gründer beim Arbeitsamt die Gewerbeanmeldung oder die Bestätigung einer selbstständigen Tätigkeit durch das Finanzamt vor. Zusätzlich muss er erklären, dass er für die Ich-AG höchstens 25 000 Euro Gewinn pro Jahr erwartet. Ein offizielles Gutachten, dass die Geschäftsidee Erfolg versprechend sei, ist nicht nötig. Innerhalb weniger Tage soll der Antrag dann bearbeitet werden.

Die Ich-AG hat noch weitere Vorteile. So sollen Besteuerung und Buchführung vereinfacht werden. Die Details waren bei Redaktionsschluss noch offen. Sie werden in einem besonderen Gesetz geregelt.

Eine Ich-AG ist in jeder Branche möglich. Problematisch ist sie im Bereich des Handwerks. Verlangt die Hand­werksordnung einen Meistertitel, muss auch der Existenzgründer diese Quali­fikation haben. Ausnahmen gelten für Gesellen ab 47 Jahren, die große Er­fahrung und Fachkenntnis nachweisen können, oder Kleinunternehmer, die lediglich eine Spezialtätigkeit innerhalb eines Handwerks – etwa einen Schlüsseldienst statt einer Schlosserei – betreiben wollen. Nähere Informationen liefern die Handwerkskammern.

Und was ist, wenn der Jungunternehmer doch nicht auf eigenen Füßen stehen kann? Hat er noch Ansprüche aus der Arbeitslosenversicherung, bekommt er Arbeitslosengeld bis zu vier Jahre, nachdem er den Anspruch zuletzt geltend gemacht hat. Arbeitslosenhilfe kann er bis zu drei Jahre nach dem letzten Bezugstag beantragen.

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