Strukturen: Selbsthilfe wie eine Pyramide aufgebaut

Die Basis in der Selbsthilfe bilden örtliche Selbsthilfegruppen. Manchmal ziehen die von Laien organisierten Gruppen auch Experten zurate. Je nach Gruppe können feste Mitgliedschaften und regelmäßige Beteiligung erwünscht sein. Die Teilnahme ist meist kostenlos. In Deutschland wird die Zahl der Selbsthilfegruppen auf mindestens 70 000 geschätzt.

Eine besondere Form sind anonyme Gruppen. Angeregt von den Anonymen Alkoholikern, sind sie im Suchtbereich entstanden (Esssucht, Spielsucht). Sie arbeiten grundsätzlich ohne professionelle Helfer, verzichten auf jegliches Sponsoring und sind immer offen für neue Mitglieder.

Schließen sich Gruppen zu Verbänden auf Landes- oder Bundesebene zusammen, spricht man von Selbsthilfeorganisationen. Zu ihren Aufgaben zählen neben der inhaltlichen Unterstützung ihrer Betroffenengruppen zum Beispiel die Interessenvertretung in der Politik und Öffentlichkeitsarbeit. Die Arbeit wird zum Teil von hauptamtlichen Angestellten mitgetragen. Derzeit sind rund 330 Selbsthilfeorganisationen auf Bundesebene aktiv.

Selbsthilfekontaktstellen sind professionelle Beratungseinrichtungen mit hauptamtlichem Personal. Träger sind in der Regel Vereine, Kommunen oder Wohlfahrtsverbände. Sie unterstützen Selbsthilfeaktivitäten themenübergreifend, beraten und motivieren Personen, die noch keiner Selbsthilfegruppe angehören. Bestehenden Gruppen stellen oder vermitteln sie Räume, beraten und begleiten sie in schwierigen Situationen. Die hierzulande etwa 300 Kontaktstellen sind zudem Mittler zwischen Selbsthilfegruppen und Fachleuten.

Die Ärzteschaft hat ihrerseits bei vier Kassenärztlichen Vereinigungen und bei ihrer Bundeszentrale Kooperationsberatungsstellen für Selbsthilfegruppen und Ärzte eingerichtet, regelmäßige Treffen von Patienten und Medizinern sollen vor allem die gegenseitige Akzeptanz erhöhen.

Die auf politischer Ebene maßgeblichen Spitzenorganisationen der Selbsthilfe sind die Bundesarbeitsgemeinschaft Hilfe für Behinderte, der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband mit seinem Forum für chronisch Kranke und Behinderte, die Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen. Die drei Verbände vertreten offiziell die Interessen der Selbsthilfe bei der Umsetzung gesetzlicher Vorgaben, etwa die Förderung durch die Krankenkassen. Daneben setzen sich auch die Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren und der Deutsche Behindertenrat für die Belange von Selbsthilfeorganisationen ein.

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