Selbstbräuner Test

Eine natürliche, gleich­mäßige, lang anhaltende Bräune versprechen moderne Selbstbräuner. Doch wir fanden nur vier „gute“.

Wer mit winterweißen Waden verschämt am Rand des Schwimm­beckens hockt, von Frühlingssonne und braunen Beinen träumt, dem kann geholfen werden: mit einem Selbstbräuner. Früher verpönt wegen ihres muffigen Geruchs und unnatürlicher, oft scheckiger Färbung haben diese Produkte in den vergangenen Jahren ständig neue Freunde gewonnen. In Deutschland schmiert man sie sich am liebsten ins Gesicht, in Frankreich zum Beispiel sind die Beine Bräunungsobjekt Nummer eins.

Zu gelblich, streifig

Auch unsere 300 Testerinnen erprobten die Kunstbräune an den Beinen, genau gesagt an den – vor Beginn des Tests sorgfältig gepeelten – Unterschenkeln. Zum Jubeln gab es generell wenig Anlass. Die meisten Selbstbräuner sind „befriedigend“. Häufigste Kritikpunkte der Probandinnen und Testleiter: Die Färbung ist zu hell, zu gelblich, ungleichmäßig, streifig. Nur die Produkte von Louis Widmer, Nivea und Vichy erzielten „gute“ Qualitätsurteile. Obwohl Farbton und -intensität ebenfalls nicht jede Testerin überzeugten, sah die Bräune hier insgesamt doch gleichmäßiger und natürlicher aus als bei den anderen Selbstbräunern. Das trifft in besonderem Maße auch auf Garnier Ambre Solaire zu. Doch dieses Spray verfehlte das „Gut“, weil die Deklaration der Inhaltsstoffe unleserlich und dementsprechend „mangelhaft“ war.

16 Selbstbräuner haben wir unter die Lupe genommen, angeboten als Milch, Lotion, Spray oder Creme. Mittlerweile gibt es die künstliche Bräune auch aus speziell getränkten Tüchern. Die Selbstbräuner – möglichst solche für hellere Hauttypen – haben wir in Drogerien, Bioläden, Apotheken und Parfümerien eingekauft. Dementsprechend unterscheiden sich auch die Preise: Umgerechnet auf die vergleichbare Menge von 100 Millili­tern kosten sie zwischen 1,45 Euro (Schlecker/AS) und 21,60 Euro (Lancaster). Und wieder einmal zeigte sich: Die teuren Produkte tragen zwar oft berühmte Markennamen, wirken aber nicht besser als preiswertere Bräuner.

Als „Besonderheit“ ist auch ein After-Sun-Produkt „mit Bräunespeicher“ dabei. Diese Nivea Sun Creme verspricht, bereits vorhandene Bräune länger zu konservieren – ebenfalls mit selbstbräunenden Wirkstoffen. Die Probandinnen waren vom Ergebnis angetan: Auf ihren von der Sonne gebräunten Beinen gefiel ihnen der Effekt der Après-Creme durchweg gut.

Bei manchen wirkt es nicht

Der wesentliche Wirkstoff in den Selbstbräunern ist Dihydroxyaceton, kurz DHA genannt. Dabei handelt es sich um eine im Labor nachgebaute Zuckerart, die auch im menschlichen Stoffwechsel vorkommt. Die Substanz reagiert mit Eiweißen in der obersten Hautschicht, der Hornschicht, und färbt sie bräunlichgelb ein. Die Reaktion ist schon nach wenigen Stunden zu erkennen, aber erst nach etwa zwölf Stunden abgeschlossen. Bei manchen Menschen zeigt sich auch erst nach mehrmaligem Einreiben eine Wirkung. Und 10 bis 15 Prozent aller Männer und Frauen reagieren auf DHA überhaupt nicht. Auf diesen Umstand weist aber nur der Selbstbräuner von Louis Widmer hin. Warum die Bräunungsreaktion manchmal ausbleibt, ist noch nicht ganz klar. Man vermutet, dass diese Menschen die entscheidenden Eiweiße nicht in ausreichender Menge produzieren.

Nur Lavera, ein Produkt der Naturkosmetik, setzt zusätzlich zu DHA eine weitere Zuckerart als Wirkstoff ein, Erythrulose. Eine dadurch verbesserte Bräunungswirkung ließ sich aber nicht nachweisen.

Die künstliche Farbe hält am Anfang manchmal nur einen Tag lang, bei häufigerer Anwendung stabilisiert sie sich, muss aber alle paar Tage erneuert werden. Wie häufig, das hängt auch davon ab, wie schnell sich die aus abgestorbenen Hautschüppchen bestehende oberste Hautschicht wieder erneuert. Und das kann individuell recht unterschiedlich sein.

Früher empfanden viele den spezifischen, leicht muffigen Eigengeruch des DHA als abstoßend. Heute riecht es nicht mehr so stark, jedenfalls so lange nicht, bis sich die oft sehr intensive Parfümierung der Produkte verflüchtigt hat. Danach kann der typische Selbstbräunergeruch aber auch heute noch empfindliche Nasen stören.

Bei stechendem Geruch wegwerfen

Wenn der Selbstbräuner schon in der Flasche oder Tube stechend riecht, sollte man ihn wegwerfen. Das kann zum Beispiel passieren, wenn er zu lange in der prallen Sonne stand. Dihydroxyaceton nimmt das schnell übel und zerfällt. Dabei kann sich auch Formaldehyd bilden, allerdings nur in so geringen Mengen, dass gesundheitliche Risiken nicht zu befürchten sind. Die Bräuner haben nur eine begrenzte Haltbarkeit. So empfehlen die meisten Anbieter, das einmal geöffnete Produkt innerhalb von sechs Monaten aufzubrauchen.

An der Verträglichkeit der Mittel hatten die Testerinnen wenig auszusetzen. Nur ganz vereinzelt kritisierten sie etwas trockenere Haut. Auch daran ist das bräunende DHA schuld. Doch die Selbstbräuner-Rezepturen haben dieses Problem fast immer im Griff. So fanden die meisten Testerinnen das Hautgefühl „gut“ oder gar „sehr gut“. Die gute Verträglichkeit deckt sich auch mit der Erfahrung von Hautärzten: Krankhafte Reaktionen auf Selbstbräuner kommen nur selten vor. Allergien treten so gut wie gar nicht auf. Bislang halten viele Dermatologen die Bräunung durch einen Selbstbräuner für die gesündeste Art, braun zu werden – ohne jeden aggressiven Sonnenstrahl. Eine neue Studie an Zellkulturen deutet jedoch darauf hin, dass das DHA möglicherweise langfristig zu Schädigungen des Erbguts führen könnte. Eindeutige Erkenntnisse liegen bislang allerdings nicht vor.

Wenn es im Einzelfall zu Hautreaktionen kommt, dann liegt das meist an Konservierungsstoffen, Lichtschutzsubstanzen, Emulgatoren, Farbstoffen oder Parfüms. Wer darauf empfindlich reagiert, findet in der Tabelle, welche Selbstbräuner auf diese Substanzen verzichten.

Übung muss sein

Egal ob Creme, Lotion, Milch oder Spray – die Produkte ließen sich problemlos entnehmen und verteilen. Sie zogen schnell genug, aber nicht zu schnell ein und waren auch nicht unangenehm klebrig. So vergaben die Probandinnen für die Anwendung überwiegend positive Urteile. Doch wer zum ersten Mal einen Selbstbräuner benutzt, wird Mühe haben, auf Anhieb eine streifenfreie Bräunung zu erzielen, besonders bei großflächigeren Körperteilen. Dazu ist Übung erforderlich und die Tipps auf Seite 25 helfen auch. Erst dann wird die künstliche Tönung rundum akzeptabel, auch wenn sie dem durch die Sonne entstehenden Braun nicht immer vollständig entspricht.

Kein Sonnenschutz

Achtung: Wer sich künstlich gebräunt an den Strand legt, kann einen heftigen Sonnenbrand bekommen. Denn die Kunstfarbe schützt nicht vor Sonne – es sei denn, die Mittel loben einen konkreten Lichtschutzfaktor aus (im Test: Vichy, Clinique, Lancaster). Ansonsten: Beim Sonnenbaden unbedingt ein gutes Lichtschutzmittel benutzen. Mit etwas Geduld erledigt sich dann das Problem mit den winterweißen Waden von selbst.

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