Bräune aus der Tube – natürlich, gleichmäßig, hautpflegend und unkompliziert in der Anwendung. Die Testerinnen konnten den Werbehymnen nicht ganz zustimmen.

Wer sich geniert, der Sonne winterweiße Waden oder Wangen entgegenzustrecken, der kann sich mit Bräune aus der Tube für die Freiluftsaison präparieren. Hautärzte halten diese Art des Bräunens sowieso für die gesündeste, da sie völlig ohne aggressive Sonnenstrahlung zustande kommt.

Früher missfiel solche Kunstfarbe häufig, weil die Haut unnatürlich und fleckig aussah, austrocknete und auch noch streng roch. Vorbei und vergessen? Ja – wenn man der Werbung vertraut. Für moderne Selbstbräuner verspricht sie eine natürlich aussehende, gleichmäßige, hautpflegende Bräunung. Wir haben 18 Lotionen und Sprays getestet, darunter Produkte aus dem Drogeriemarkt, aber auch Edelmarken aus der Parfümerie. Das Ergebnis sieht recht blass aus: Der Traum vom natürlichen Braun aus der Tube muss weiter geträumt werden.

Keiner der getesteten Kunstbräuner war besser als „befriedigend“. Deutliche Unterschiede fanden wir vor allem bei den Preisen: 100 Milliliter Selbstbräuner können 1,25 Euro, bei Designermarken aber auch das Zwanzigfache kosten, 25 Euro zum Beispiel für das Lancaster-Spray.

300 Testerinnen bräunten sich für diese Untersuchung. Über einen Zeitraum von zehn Tagen cremten sie sich die Unterschenkel ein – nach vorgegebenem Zeitplan und entsprechend den Anweisungen der Anbieter. Sie begutachteten Anwendung und Ergebnis und stellten sich zur Kontrolle mehrfach im Prüfinstitut vor. Dort nahmen geschulte Testleiter die gefärbte Haut kritisch ins Visier. Zur Bewunderung fanden sie wenig Anlass.

Auch die Testerinnen selbst gefielen sich nur in Maßen. Die meisten beurteilten ihr Aussehen als „befriedigend“ oder „ausreichend“. Häufigste Minuspunkte: Die Färbung ist zu hell, zu gelblich, ungleichmäßig, streifig. Nur wenige empfanden sich natürlich gebräunt. Kritik gab es auch für die Anwendungshinweise der Anbieter: Viele tun so, als wäre der Weg zur natürlich wirkenden Kunstbräune ein Kinderspiel. Dabei ist Übung unerlässlich und einige Tipps sind unbedingt zu befolgen, sonst ist die Enttäuschung programmiert.

Von Ausnahmen abgesehen waren auch die in Selbstbräunung besonders erfahrenen Testerinnen nicht überzeugt von ihrem Aussehen, dem Farbton und der Farbintensität. Das Testergebnis animierte nur wenige, sich einen Selbstbräuner zu kaufen.

Woher die Farbe kommt

Der wesentliche Wirkstoff in den Selbstbräunern ist Dihydroxyaceton, kurz DHA genannt. Es handelt sich dabei um eine im Labor nachgebaute Zuckerart, die auch im menschlichen Stoffwechsel vorkommt. Die Substanz reagiert mit Eiweißen in der Hornschicht, also der obersten Hautschicht, und färbt sie bräunlich ein. Die Reaktion ist nach etwa zwei bis drei Stunden zu sehen und nach vier bis sechs Stunden abgeschlossen. Bei manchen zeigt sich auch erst nach mehrmaligem Einreiben eine Wirkung. Und 10 bis 15 Prozent aller Männer und Frauen reagieren auf DHA überhaupt nicht. Vermutlich haben sie die entscheidenden Eiweiße nicht in ausreichender Menge. Manch modernem Selbstbräuner wird als weiterer bräunender Wirkstoff eine zweite Zuckerart zugefügt, Erythrulose. Eine bessere Bräunungswirkung ließ sich im Test allerdings nicht feststellen.

Die Färbung hält am Anfang manchmal nur einen Tag lang, bei häufigerer Anwendung stabilisiert sie sich, muss aber alle paar Tage erneuert werden. Wie oft, das hängt auch davon ab, wie schnell sich die aus abgestorbenen Hautzellen bestehende Hornschicht abschuppt und wieder erneuert. Und das kann individuell recht unterschiedlich sein.

Empfindliche Nasen störten sich früher an dem spezifischen Eigengeruch des DHA. Heute müffelt es nicht mehr so stark, obwohl auch die aktuellen Selbstbräuner – trotz reichlicher Parfümierung – den typischen Geruch auf Dauer nicht immer völlig überdecken können. Riecht der Bräuner allerdings richtig stechend, sollte man ihn wegwerfen. Das kann zum Beispiel passieren, wenn man die Tube oder Flasche in der prallen Sonne stehen lässt. DHA nimmt das schnell übel.

Dihydroxyaceton bräunt die Haut nicht nur, es trocknet sie auch aus. Doch die modernen Rezepturen haben dieses Problem offenbar im Griff, kaum eine Testerin klagte über trockene Haut. Im Gegenteil: Die meisten fanden das Hautgefühl „gut“ oder sogar „sehr gut“. Auch die Verträglichkeit insgesamt wurde positiv beurteilt. Und Hautärzte bestätigen: Krankhafte Reaktionen auf Selbstbräuner kommen nur selten vor. Allergien treten so gut wie gar nicht auf.

Sinnvoll verpackt

Die Bräuner sind durchweg zweckmäßig verpackt und lassen sich meist ohne Schwierigkeiten entnehmen und auf der Haut verteilen. Nur Vitotal kam im Anwendungstest über „ausreichend“ nicht hinaus. Die Lotion ist derart dünnflüssig, dass der Inhalt nur schwer kontrollierbar aus der Flasche schießt.

Achtung: Wer nach dem Eincremen zu schnell in die Kleider schlüpft, muss mit braunen Rändern auf den Textilien rechnen. Im Test ließen sich diese Flecken jedoch leicht wieder auswaschen.

Kein ausreichender Sonnenschutz

Im Gegensatz zur „natürlichen“ Pigmentierung durch die Sonne schützt die künstliche Hautbräunung nicht vor Sonnenbrand. Auch die Testbräuner, die Lichtschutzfilter enthalten, sind in dieser Hinsicht keine große Hilfe. Denn sie geben keinen Schutzfaktor an, an dem man sich orientieren könnte. Deshalb sollte beim Sonnenbaden immer ein der Hautempfindlichkeit entsprechendes Lichtschutzmittel benutzt werden.

Eine Alternative zur Tube soll die Bräunungspille sein. Doch als kosmetisches Hilfsmittel hat sie sich bislang nicht durchsetzen können. Das in ihr enthaltene Betacarotin färbt die Haut inklusive Handinnenflächen und Fußsohlen nämlich eher orange bis gelbbraun. Einen nennenswerten Schutz vor der Sonne bietet auch die Pille nicht.

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