Selbst­auskunft Special

Schlan­gestehen bei der Wohnungs­besichtigung

Wer eine Wohnung mieten will, muss meist einiges über sich offen­baren. Und weil die Konkurrenz oft groß ist, tut der Miet­interes­sent gut daran, sich nicht komplett zu verweigern. Er braucht aber nicht jede Frage wahr­heits­gemäß zu beant­worten. test.de sagt, wo er flunkern darf, und in welchen Fällen Ehrlich­keit angebracht ist.

Ohne Selbst­auskunft keine Wohnung

Eine Wohnungs­besichtigung in beliebten Bezirken deutscher Groß­städte fühlt sich häufig an wie die Premiere eines Hollywood-Block­busters: Die Schlange der Wohnungs­anwärter reicht bei Massen­besichtigungen bis auf die Straße hinaus. Der Makler oder Verwalter steht umringt von Bewerbern in einer Ecke der Wohnung. Nachdem sich der Interes­sent durch die über­füllte Wohnung gezwängt hat, versucht er dem Makler seine Bewerbungs­unterlagen in die Hand zu drücken. Dazu gehört inzwischen selbst­verständlich die Mieter­selbst­auskunft. Darin soll der Mieter Auskünfte über sich geben: seinen Beruf, seinen Verdienst oder ob er plant, ein Haustier anzu­schaffen.

Persönliches ist tabu

Fragen wie „Haben Sie psychische Erkrankungen?“ dürften manchen Interes­senten aber stutzen lassen und er fragt sich: Muss ich wirk­lich darauf antworten? Nein, in vielen Fällen muss er nicht antworten (Grafik Was erlaubt ist und was nicht). In der Praxis wird ein Bewerber zwar die Selbst­auskunft voll­ständig ausfüllen müssen, wenn er weiterhin im Rennen um die Wohnung bleiben will. Aber wenn eine Frage in seine Persönlich­keits­rechte eingreift, darf er lügen. Wie in einem Bewerbungs­gespräch gilt für die Selbst­auskunft, die der Vermieter vom Mieter verlangt: Familien­planung, Krankheiten, Behin­derungen und sexuelle Neigungen sind Privatsache.

Politische Einstel­lungen gehen den Vermieter nichts an

Auch wenn der Makler bei der Wohnungs­besichtigung ganz nebenbei fragt: „Wollen Sie mal Kinder?“, darf der Interes­sent „Nein“ sagen, auch wenn er damit lügt. Er hat recht­lich nichts zu befürchten – selbst wenn demnächst tatsäch­lich Nach­wuchs geplant sein sollte. Der Mieter muss außerdem nicht ehrlich antworten, wenn er Mitglied in einer Partei oder dem Mieter­ver­ein ist oder wenn er eine Rechts­schutz­versicherung besitzt. Musik­geschmack und Hobbys sind ebenfalls Privatsache. Zu den Fragen, die nicht im Zusammen­hang mit dem Miet­verhältnis stehen, gehören auch: „Haben Sie Vorstrafen?“ und „Läuft ein Ermitt­lungs­verfahren gegen Sie?“ Das geht den Vermieter nichts an. Welcher Religion der Mieter angehört, darf allenfalls ein kirchliches Wohnungs­unternehmen erfragen, wenn es Wohnungen für Kirchen­mitglieder anbieten will.

Tiere grund­sätzlich erlaubt

Für Tierfreunde relevant: Kleintiere wie Kanin­chen, Hamster oder Vögel muss der Mieter nicht in der Selbst­auskunft angeben. Bei größeren Tieren wie Hunden oder Katzen muss er den Vermieter um Erlaubnis fragen. Dieser darf die Tierhaltung aber nicht generell verbieten, hat der Bundes­gerichts­hof entschieden. Sonst dürften auch Blindenhunde ausgeschlossen werden (Az. VIII ZR 168/12). Gefähr­liche Tiere muss der Vermieter nicht akzeptieren. Dazu gehören zum Beispiel Kampf­hunde.

Beim Einkommen ist Ehrlich­keit ratsam

Niemand sollte sich von Formulierungen schre­cken lassen wie: „Durch falsche Angaben setzen Sie sich einer strafrecht­lichen Verfolgung aus.“ Das stimmt nicht. Wer jedoch zum Beispiel bei seinem Einkommen täuscht, riskiert die Kündigung. Das stellte unter anderem das Land­gericht Itzehoe klar (Az. 9 S 132/07).

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