Mit sekundären Pflanzenstoffen angereicherte Lebensmittel : Nicht bedenkenlos essen

Sekundäre Pflanzenstoffe Meldung

Instantkaffee: Nescafé Green Blend wirbt mit Antioxidantien aus ungerösteten Bohnen.

Instantkaffee: Nescafé Green Blend wirbt mit Antioxidantien aus ungerösteten Bohnen.

Wellness und Gesundheit versprochen. Bier, das „Schönheit und Vitalität pflegen“ soll, Instantkaffee „mit schützenden Antioxidantien“, „Schokolade für das Wohlbefinden“ – Genuss allein reicht nicht mehr, viele Produkte versprechen Wellness oder Gesundheit. Bei der Entwicklung funktioneller Lebensmittel mit Zusatznutzen setzt die Nahrungsmittelindustrie auch auf sekundäre Pflanzenstoffe. Kakao und Kaffee enthalten zum Beispiel von Natur aus Polyphenole. Ihr Anteil in Schokolade oder löslichem Kaffee lässt sich aber mit neuen Technologien erhöhen – bei der Kakaoaufbereitung oder durch Verwendung ungerösteter Kaffeebohnen. Experten halten es für sinnvoll, so die natürlichen Reserven besser auszuschöpfen.

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Vorsicht ist angebracht. Zu Zurückhaltung raten Experten bei Lebensmitteln, denen sekundäre Pflanzenstoffe zugesetzt sind. Denn für en Großteil der sekundären Pflanzenstoffe fehlen noch immer Daten: Wie viel nimmt der menschliche Körper auf? Und wie verstoffwechselt er sie? Kaum erforscht ist, wie sich die Stoffe addieren oder beeinflussen. So kann sich der Krebsrisiko senkende Effekt von Obst und Gemüse durch gleichzeitige Einnahme von hochdosiertem Betakarotin und Vitamin A in Reinform aufheben. Raucher erhöhen mit isoliertem Betakarotin sogar das Lungenkrebsrisiko. Bei Phytoöstrogenen gibt es Hinweise aus Tierversuchen, dass sie sowohl tumorfördernd als auch präventiv wirken können – je nachdem, ob man einzel-ne oder verschiedene kombiniert aufnimmt. Bedenkenlos sollte man mit sekundären Pflanzenstoffen angereicherte Lebensmittel also nicht essen.

Nur bei hohem Cholesterinspiegel. Bei Milchprodukten und Margarine mit zugesetzten Phytosterinen trifft die Werbung, dass sie den Cholesterinspiegel senken, tatsächlich zu. Das hat die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit 2009 bestätigt. Sie prüft, ob gesundheitsbezogene Werbeaussagen, sogenannte Health Claims, wissenschaftlich bewiesen sind (siehe Meldung „Health Claims“ aus test 03/2011). Solche Cholesterinsenker sind aber nur für Patienten mit hohem Cholesterinspiegel gedacht und sollten mit dem Arzt besprochen werden. In der Realität isst die Familie mit: Fast die Hälfte aller Nutzer hat keine Cholesterinprobleme, ergab eine Befragung der Verbraucherzentralen. Unerwünschte Langzeitfolgen sind nicht auszuschließen.

Zu viel kann schaden. Je mehr Lebensmittel mit demselben Pflanzenstoff angereichert werden, desto größer ist die Gefahr einer schädigenden Überdosierung. So verringern zugeführte Pflanzensterine die Aufnahme fettlöslicher Vitamine ins Blut, und es wird diskutiert, ob zu hohe Dosen Arteriosklerose begünstigen. Auf keinen Fall zu viel bekommt, wer sich mit sekundären Pflanzenstoffen aus natürlicher Pflanzenkost versorgt.

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