Champagner und Sekt: Edel anstoßen

Nicht nur mit Champagner lassen sich Gäste beein­drucken. Hervorragende Qualität bieten auch Sekte aus traditioneller Flaschengärung. Mit Preisen ab 12 Euro sind sie dazu deutlich güns­tiger als die besten Champagner im Test. test.de gibt Tipps rund um die edlen Tropfen – nicht nur für Gast­geber.

Champagner als Indikator

Champagner ist nicht einfach nur ein Luxus­getränk. Nein, der edle Tropfen gilt auch als verläss­licher Indikator für die allgemeine wirt­schaftliche Lage. So ging die Nach­frage nach einem Absatz­einbruch während der Finanz­krise in diesem Jahr wieder steil berg­auf: Im ersten Halb­jahr kauf­ten Genießer welt­weit fast 20 Prozent mehr Flaschen als im Vorjahres­zeitraum. Nichts­destotrotz bleibt Champagner für viele etwas Besonderes. Zwar trinkt hier­zulande jeder über 15-Jährige rund 40 Gläser Schaum­wein im Jahr. Champagner ist dabei aber so gut wie nie im Kelch: Den Luxus gönnen die Deutschen sich im Durch­schnitt nur einmal im Jahr – und teilen eine Flasche dann auch noch mit fünf anderen.

Veuve Durand von Aldi (Nord) leicht pilzig

Dabei gibt es eine Flasche Champagner vom Discounter oder Supermarkt schon für 11,50 Euro. Viele Weinkenner halten wenig von diesen Handels­marken – zu erkennen am Kürzel MA (für Marque d’acheteur) auf dem Etikett. Der Test zeigt jedoch: Die Champagner von Aldi (Süd), Edeka, Lidl und Penny schnitten in der Blind­verkostung gut ab. Kleine Abstriche gab es nur beim Veuve Durand von Aldi (Nord): Er schmeckte ganz leicht pilzig – an Champignon oder Wald­boden erinnernd. Eine Besonderheit war übrigens der Lidl-Champagner Comte de Brismand: Er kam aus dem renommierten Haus Vranken.

Empfehlens­wert: Piper Heidsieck und Lanson

Andere bekannte Namen sind Moët & Chandon, Veuve Clicquot oder Pommery. Sie kosten pro Flasche mindestens das Doppelte wie Champagner vom Discounter. Bei Markenchampagnern ist aber auf einen gewissen Wieder­erkennungs­wert Verlass: Die großen Häuser lagern viele Jahr­gänge und verschneiden bis zu 70 verschiedene Grund­weine. So erreichen sie jedes Jahr ihren typischen Marken­geschmack. Die beiden Champagner Piper Heidsieck Brut für 26 Euro pro Flasche und Lanson Black Label Brut für 30 Euro über­zeugten die Tester besonders: Beide waren sehr körperreich und vielschichtig. Sie unterscheiden sich allerdings in ihrer Reife beziehungs­weise Frische und stehen damit jeweils für einen Stil: Einsteigern dürften eher spritzig-frische Schaum­weine wie Lanson, weniger die eher gereiften Vertreter wie Piper Heidsieck gefallen. Zu reif – also oxidiert – war keiner der getesteten Tropfen.

Rebsortensekte punkten

Wer nicht mehr als 20 Euro für eine Flasche ausgeben, aber trotzdem nobel anstoßen möchte, dem empfehlen die Tester Sekt aus traditioneller Flaschengärung. Er wird wie Champagner aufwändig in ein und derselben Flasche hergestellt. Bei güns­tigen Sekten läuft die zweite Gärung dagegen im Tank ab. Im Test vor zwei Jahren test 01/2009 hatten die Tester in einigen Flaschen zugesetzte Kohlensäure nachgewiesen. Erfreulich: Die sieben Sekte aus traditioneller Flaschengärung im aktuellen Test enthielten keine zugesetzte Kohlensäure. Sensorisch über­zeugten vor allem zwei Rebsortensekte: Der etwas gereifte Sekt Chardonnay Brut von Adam Henkell, Jahr­gang 2005 kostet nur 12 Euro. Für 16 Euro gibt es den sehr frischen Rotkäpp­chen Weiß­burgunder Extra Trocken: Er war der einzige im Test mit spür­barer Süße und besonders rebsorten­typisch.

Neue Anbauflächen für Champagner

Die hohe Nach­frage nach Champagner führt übrigens dazu, dass die Weinbauern in der Champagne mehr produzieren. Sie dürfen jedoch nur eine bestimmte Menge an Trauben ernten. Diese verhandeln die Winzer und Handels­häuser der Champagne jedes Jahr vor der Lese. 2010 waren maximal 10 500 Kilogramm Trauben pro Hektar erlaubt. Das entspricht rund 67 Hektoliter pro Hektar und ist rund neun Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Auch die Anbauflächen wachsen: Das Wein­baugebiet Champagne wurde um 38 Gemeinden ausgeweitet. Ab 2021 könnte es den ersten Champagner aus den neuen Gemeinden geben.

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