Goldene Zeiten. In Deutsch­land wird jede vierte Flasche Sekt im Dezember verkauft.

Guter Schaum­wein ist ab rund 3 Euro zu haben, wie die Verkostung offen­bart. Die besten Tropfen kosten etwa 7 bis 14 Euro. Der Krimsekt enttäuscht, Faber fällt durch.

Ein kühles Glas Sekt in der Hand. Winzige feine Perlen steigen darin unablässig nach oben, Stachel­beeren-, Quitte- und leichte Honig-Noten wehen in die Nase. Im Mund mischen sich Süße und Säure auf angenehme Weise, Frische und Fruchtig­keit wirken lange nach.

Ein solches Geschmack­serlebnis gefäl­lig? Dann empfehlen wir Schlum­berger, Jahr­gang 2013 Brut für rund 14 Euro pro Flasche. Der Sekt der österrei­chischen Kellerei Schlum­berger erhielt als Einziger eine glatte Eins in unserer großen Verkostung. Er riecht fruchtig, schmeckt ausgewogen und der Nachgeschmack hält lange an.

Wir haben 21 häufig gekaufte Marken geprüft, darunter Markt­führer Rotkäpp­chen, teurere wie Menger Krug und güns­tige vom Discounter. Wir ließen sie im Labor auf Schad­stoffe und unerlaubte Zusätze unter­suchen, prüften, ob die Angaben korrekt sind und ließen jeden Sekt von fünf Weinkennern verkosten. Die baten wir auch um Essens­empfehlungen. Gesamt­noten, mit denen Anbieter werben könnten, vergeben wir für alkoholische Getränke wie Sekt generell nicht.

Video: Weißer Sekt im Test

Von edel bis muffig. So lauteten die Urteile unserer Verkoster im Test von 21 häufig gekauften Schaum­weinen.

Unser Rat

Sieger in der Verkostung ist der intensiv-fruchtige Schlum­berger aus Österreich. Der Brut-Sekt wird in der Flasche vergoren und kostet 14 Euro pro 0,75 Liter. Zwei geschmack­lich sehr gute Sekte kosten weniger als 10 Euro: Brut Dargent (6,75 Euro) und der trockene Fürst von Metternich (9 Euro). Güns­tiger und gut im Geschmack sind die trockenen Aldi Süd Auer­bach (2,79 Euro) und Söhnlein Brillant (3,90 Euro) sowie der halb­trockene Rotkäpp­chen (3,95 Euro).

Teuer heißt nicht auto­matisch gut

Auf die Formel – teuer gleich exquisit, günstig gleich miserabel – laufen die Ergeb­nisse nicht hinaus. Die Noten für Aussehen, Geruch, Geschmack und Mund­gefühl reichen von sehr gut bis mangelhaft. Ein hoher Preis und Bekannt­heits­grad stehen nicht in jedem Fall für hohen Genuss. Einige güns­tige Tropfen vom Discounter entpuppen sich als über­raschend gut.

Schlum­berger und vier andere vorn

„Ein guter Sekt bietet Aroma, Vielfalt und Genuss“, sagt Peter Scheib, der seit 30 Jahren Wein prüft. Am wichtigsten sei die Qualität des Grund­weins.

Für unsere Verkoster stimmte das alles bei fünf Marken. Der Schlum­berger erhält die Note 1,0. Der französische Brut Dargent, der Bio-Sekt Engel und die deutschen Traditions­marken Fürst von Metternich und Menger Krug verdienen die Note 1,5. Alle vier sind Rebsortensekte, sie setzen auf Chardonnay, Riesling oder Burgunder.

Brut Dargent, Menger Krug und Schlum­berger stammen aus traditioneller Flaschengärung. Sie setzt Handwerks­kunst voraus (Herstellung: Von traditionell bis industriell). Mit weniger als 7 Euro pro Flasche ist Brut Dargent mit Abstand der güns­tigste von ihnen.

Erstaunlich Gute aus dem Tank

Fürst von Metternich beweist: Auch ein Sekt, der mithilfe der weniger aufwendigen Tank­gärung hergestellt wurde, kann etwas Besonderes sein. Auch er ist sensorisch sehr gut, mit 9 Euro aber recht teuer für einen Sekt aus dem Tank. In den Groß­behältern aus Edelstahl werden meist Wein­mischungen vergoren, die den Geschmack vieler treffen und nicht die Welt kosten.

Im Test über­zeugen drei Güns­tige, die für weniger als 4 Euro zu haben sind: Auer­bach von Aldi Süd, Rotkäpp­chen und Söhnlein Brillant. Sie bieten ein rundes, stimmiges Aroma­profil. Mit rund 126 Millionen verkauften Flaschen ist Rotkäpp­chen die mit Abstand stärkste Sektmarke im Land. Während der Gesamt­markt 2016 stagnierte, legte Rotkäpp­chen um 10 Prozent zu. Am besten verkaufte sich die halb­trockene Variante, die auch im Test vertreten ist.

Bei Sekt aus dem Tank ist übrigens Fremdkohlensäure zulässig. Sie soll Verluste beim Abfüllen ausgleichen. Die Lebens­mittel­kontroll­behörden tolerieren bis zu 40 Prozent Kohlensäure aus einer fremden Quelle, der Rest muss aus der Gärung selbst stammen. Alle 14 Sekte aus dem Tank hielten das Limit problemlos ein.

Faber mit Muff­ton

„Sensorische Fehler entdeckt man, wenn Sekt wärmer als empfohlen getrunken wird,“ sagt Wein­experte Scheib. „Kommt er direkt aus dem Kühl­schrank, werden sie oft verdeckt.“ In vier Fällen fielen unseren Verkostern Fehler auf, am stärksten bei Faber. Dieser Sekt vom großen deutschen Schaum­wein­hersteller Schloss Wachenheim fiel in der Verkostung durch. Er hatte einen Muff­ton, der an Kork erinnert – sein Verschluss bestand aber aus Plastik. Experten zufolge gibt es mehrere Wege, wie ein falscher Korkton entstehen kann, etwa durch Mikro­organismen, Pestizid­abbau­produkte oder Verpackungs­material.

Krimsekt ist sein Geld nicht wert

Als Enttäuschung stellte sich der halb­trockene Krims­koye heraus, die Spezialität von der Krim. Eine Flasche kostet 13 Euro. Die Verkoster mussten den Sekt mehr­fach probieren, da er ungewöhnlich schmeckte. Er entpuppte sich als auffällig flach, roch leicht unsauber und schnitt gerade noch befriedigend ab.

Hersteller des Krims­koye ist die ukrai­nische Firma Artemovsk Winery. „Unsere Wein­mischungen bestehen zu mindestens 50 Prozent aus Weinmaterial von der Krim“, sagt Nina Stowbur, Chef-Kellermeisterin bei Artemovsk Winery. Der Krims­koye, der nach Deutsch­land importiert wurde, soll aus Wein­ernten aus dem Jahr 2014 oder früher hergestellt worden sein. Seit 2015 floss kein Wein mehr von der Krim in Richtung Ukraine. Grund ist die Annexion der Halb­insel durch Russ­land.

Keine unerwünschten Stoffe im Sekt

Die geografische Herkunft von Grund­weinen lässt sich über­prüfen – mithilfe der Isotopen­analyse. So lässt sich sagen, ob Aussagen wie „aus dem Herzen der Cava-Region“ bei Freixenet oder „Mousseux de la crimée“ bei Krims­koye plausibel erscheinen. Die Analyse-Ergeb­nisse passten zu den angegebenen Herkünften.

Alle 21 Marken nennen sich zu Recht „Qualitäts­schaum­wein“ – ein Synonym für Sekt, der im Gegen­satz zu einfachem Schaum­wein wie Spumante ein zweites Mal vergoren wird. Sie halten alle Anforderungen ein, die das EU-Recht stellt. So liegt der Druck in der Flasche über 3,5 bar. Unerlaubte Zusatz­stoffe oder bedenk­liche Schad­stoffe fanden wir nicht. Auch Histamin war, wenn über­haupt, nur in Spuren nach­weisbar – gut für Sektlieb­haber, die diesen natürlichen Begleit­stoff aus der Gärung nicht vertragen.

Sekt passt zu leichten Speisen

Sekt sollte frisch genossen werden (Tipps). Doch ob sehr gut oder mangelhaft im Geschmack, eines haben alle Marken gemein­sam: Sie tragen kein Abfüll­datum. Käufer erfahren nicht, wie alt der Sekt ist. Das gab für alle leichte Punkt­abzüge in der Deklaration.

Sommeliers empfehlen Schaum­wein auch zum Essen. „Der Sekt im Test eignet sich am ehesten als Begleiter für leichte Vorspeisen“, sagt einer unserer Verkoster. Die Säure passe auch zu vielen Desserts. Für Haupt­gänge sei das Arom­aspekt­rum der meisten zu schwach. Entsprechend leicht sind die Speisen, die die Verkoster empfehlen (Testergebnisse Weißer Sekt, die Kommentare sind nach­zulesen in der jeweiligen Einzel­ansicht). Sie orientierten sich an den Frucht­noten und der Säure des jeweiligen Sekts. Sie raten mal zu Fisch, mal zu Pasta.

Jeder kann seine Gäste mit diesen Kombinationen beein­drucken. Und natürlich lässt sich Sekt auch solo genießen, vor allem die besten Tropfen der Test­auswahl. Auf prickelnde Feiertage!

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