Zehntausende Anleger, die ihr Geld in Beteiligungsangebote des dubiosen Finanzkonzerns Göttinger Gruppe investiert haben, müssen um ihr Geld fürchten. Seit einiger Zeit werden immer häufiger Fälle bekannt, in denen die Göttinger ihren Zahlungsverpflichtungen nur noch mit großen Verzögerungen nachkommen.

Zahlung in allerletzter Minute

So werden Gerichtsvollzieher, die Anwälte schicken, um vor Gericht erstrittene Schadenersatzzahlungen einzutreiben, nicht ins Gebäude des Konzerns gelassen. Gezahlt werde oft erst, wenn der Termin für die Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung kurz vor der Tür stehe, berichtet der Göttinger Rechtsanwalt Gert Machunsky.

Volksbank kündigt Securenta-Konto

Inzwischen glauben immer mehr Anwälte, dass der Konzern kurz vor der Zahlungsunfähigkeit steht und bald Insolvenz anmelden muss. Wie prekär die finanzielle Situation des Finanzkonzerns sei, zeige auch die kürzlich erfolgte fristlose Kündigung des Geschäftskontos der Securenta AG bei der Volksbank Göttingen. Das Unternehmen gilt als Hauptanlagefirma des Konzerns. Die fristlose Kündigung des Geschäftskontos der Securenta begründete die Volksbank mit einer fehlenden Deckung. Nach einer Auszahlung von knapp 160 000 Euro seien über 430 weitere Pfändungen mit einem Volumen von mehr als 4,6 Millionen Euro bei der Bank aufgelaufen. Dafür habe das Konto aber kein Gutgaben mehr aufgewiesen, heißt es in einem Schreiben der Bank.

Bitte um Zahlungsaufschub

Auch Finanztest hat Anhaltspunkte dafür, dass es der Göttinger Gruppe an flüssigem Geld fehlt. Eine Unternehmenssprecherin erklärte das Ausbleiben von drei fälligen Ratenzahlungen für einen Anleger als „technisches Versehen, das wir außerordentlich bedauern“. Gleichzeitig bat das Unternehmen jedoch den Anwalt des Geschädigten, Friedrich Bultmann aus Berlin, um Zahlungsaufschub. Der Konzern wolle kurzfristig Immobilien verkaufen, um wieder flüssig zu werden. Sobald dies geschehen sei, wolle man die Schadenersatzzahlungen leisten. Eine vom Anwalt geforderte Sicherheitsleistung wollte das Unternehmen jedoch nicht abgeben. „Damit ist das Angebot wertlos“, sagt Bultmann.

[Update: 29.08.2006] Nachdem der von Rechtsanwalt Bultmann beauftragte Gerichtsvollzieher bei Gericht einen Termin zur Abgabe des finanziellen Offenbarungseids beantragt hat, hat die Göttinger Gruppe die volle Schadenssumme an den Gerichtsvollzieher überwiesen.

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